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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Loheia; Lohengrin; Lohenstein; Löher; Loher und Maller; Loherangrin; Lohfarbe

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Loheia - Lohfarbe

1848; 5. Aufl. 1886). – Vgl. Wilh. L.s Leben. Aus seinem schriftlichen Nachlaß zusammengestellt (2 Bde., Gütersloh 1874‒92); J. Deinzer, Wilhelm L.s Leben (Vortrag; Nürnb. 1888).

Loheia, Stadt in Arabien, s. Lohija.

Lohengrin (Loherangrin), ein nach dem Namen des Haupthelden benanntes mittelhochdeutsches Gedicht, das in zehnzeiligen Strophen, im «schwarzen Ton», um 1280‒90 von einem thüring. Dichter begonnen, von einem bayrischen fortgesetzt und vollendet wurde. Es schließt sich an den zweiten Teil des Gedichts vom Wartburgkrieg (s. d.) an, und der sagenhaft gewordene Wolfram von Eschenbach, der in diesem gegen Klinschor auftritt, ist als Erzähler der Geschichte gedacht. Im L. ist eine Andeutung am Schlusse von Wolframs «Parzival», wo die Sage vom Schwanritter genealogisch kurz mit der vom Gral verbunden wird, ausgeführt worden; in die Sage werden aber auch noch breite Exkurse über die Ungarn- und Sarazenenzüge Heinrichs Ⅰ. und andere histor. Partien eingelegt, für die vielleicht die sächs. Weltchronik benutzt wurde. Aus welcher Quelle der Dichter die Schwanrittersage schöpfte, ist unbekannt. L., dessen Name wahrscheinlich auf dem karoling. Sagenhelden Garin le Loherain beruht, Parzivals Sohn, rettet die bedrängte Königstochter Elsa von Brabant im Zweikampf vor ihrem verhaßten Freier Friedrich von Telramund; Elsa wird sein Weib, darf aber ihn, den ein Schwan auf einem Nachen zu ihr gezogen hatte, nicht fragen, woher er stamme. Nach langen Kriegszügen mit Kaiser Heinrich zurückgekehrt, wird er trotz des Verbots dreimal von Elsa gefragt; schmerzvoll giebt er Auskunft und kehrt dann, vom Schwan abgeholt, zum Gral nach Indien zurück. Ausgabe von Rückert (Quedlinb. 1858; vgl. Elster in den «Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur», Bd. 10, Halle 1885). Eine Bearbeitung des 15. Jahrh., der «Lorengel», hat mit dem L. nur die erste Partie, das Werk des thüring. Dichters, gemein und folgt dann andern Quellen (hg. von Steinmeyer in der «Zeitschrift für deutsches Altertum», Bd. 15, Berl. 1870). Rich. Wagner hat den Stoff durch seine gleichnamige Oper sehr bekannt gemacht (vgl. Kufferath, L. essai de critique littéraire, esthétique et musicale, Brüss. 1891).

Lohenstein, Dan. Kaspar von, eins der Häupter der sog. zweiten Schlesischen Dichterschule, geb. 25. Jan. 1635 zu Nimptsch. Seine Familie hieß eigentlich Casper, und sein Vater Johann Kaspar wurde mit dem Beinamen von Lohenstein vom Kaiser 1673 geadelt. Der junge L. studierte seit 1651 in Leipzig und Tübingen die Rechte und bereiste dann Deutschland, die Schweiz und die Niederlande. 1666 wurde er ölsnischer Regierungsrat und später kaiserl. Rat und erster Syndikus in Breslau, wo er 28. April 1683 starb. Seine dichterischen Werke («Trauer- und Lustgedichte», Bresl.1680 u. ö.) sind sechs Trauerspiele und «Blumen», d. h. lyrische Gedichte, teils geistlichen, teils weltlichen Inhalts, großenteils Gelegenheitsgedichte. Nach dem Vorbilde seines Freundes Hofmannswaldau und dessen ital. Mustern suchte er durch allerlei äußere Effekte, vor allem eine mit Bildern überladene Sprache, und durch die Wahl nervenkitzelnder, teils Grausen, teils Ekel und Wollust erregender Stoffe (Kleopatra, Epicharis, Agrippina, Ibrahim Sultan) zu wirken. Ohne schöpferische Phantasie und ohne Geschmack kam er auch in der dramat. Konzeption über rohe theatralische Kunstgriffe nicht hinaus, während seine poet. Rede einen Höhepunkt des forcierten, überreizten Schwulstes dichterischer Ohnmacht bildet. Von den Zeitgenossen vergöttert, ward er später die Hauptzielscheibe der gegen die Geschmacklosigkeit der sog. zweiten Schlesischen Schule, den Lohensteinianismus, sich richtenden Angriffe. Der aus seinen letzten Lebensjahren stammende ungeheure Roman «Großmütiger Feldherr Arminius oder Hermann nebst seiner durchlauchtigsten Thusnelda» (2 Bde., Lpz. 1689‒90; fortgesetzt und beendet von Christian Wagner) hat nur Interesse als Vorläufer des gelehrten, patriotisch-archäolog. Romans. – Vgl. Passow, Daniel Kaspar von L. (Meining. 1852); A. Kerckhoffs, Daniel Kaspar von L.s Trauerspiele mit besonderer Berücksichtigung der Kleopatra (Paderb. 1877); C. Müller, Beiträge zum Leben und Dichten Daniel Kaspar von L.s (Bresl. 1882). ^[Spaltenwechsel]

Löher, Franz von, Geschichtschreiber, geb. 15. Okt. 1818 zu Paderborn, studierte zu Halle, München, Freiburg und Berlin die Rechte, trat dann in den Justizdienst, bereiste 1846‒47 Canada und die Vereinigten Staaten. Nach seiner Rückkehr gründete er 1848 in Paderborn die «Westfälische Zeitung» und wurde wegen seiner Opposition gegen das Ministerium Brandenburg-Manteuffel 1848 in einen polit. Prozeß verwickelt. Nach seiner Freisprechung 1849 in die preuß. Zweite Kammer gewählt, hielt er sich zur gemäßigten Linken und wurde später am Appellationsgericht zu Paderborn beschäftigt. 1853 habilitierte sich L. in Göttingen für deutsche Staats- und Rechtsgeschichte; 1855 berief ihn König Maximilian Ⅱ. als Sekretär für seinen litterarisch-wissenschaftlichen Dienst nach München und verlieh ihm eine Professur an der Universität. 1863 unternahm L. im Auftrag des Königs eine Reise durch Unteritalien, wurde 1865 zum Direktor des Reichsarchivs und der andern acht bayr. Landesarchive ernannt. Ende 1888 schied L. aus seiner amtlichen Thätigkeit aus und starb 1. März 1892 in München. Er schrieb: «Fürsten und Städte zur Zeit der Hohenstaufen» (Halle 1846), «Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika» (Cincinnati 1848), «System des Preuß. Landrechts» (Paderb. 1852), die epische Dichtung «General Spork» (Gött. 1854), «Land und Leute in der Alten und Neuen Welt» (3 Bde., ebd. 1854‒58), «Jakobäa von Bayern und ihre Zeit» (2 Tle., Nördl. 1861‒69), «Sicilien und Neapel» (2 Bde., Münch. 1864), «Beiträge zur Geschichte der Jakobäa von Bayern» (2 Tle., ebd. 1865‒66); ferner nach einer ungar. Reise «Die Magyaren und andere Ungarn» (Lpz. 1874), «Der Kampf um Paderborn, 1597‒1604» (Berl. 1874), «Griech. Küstenfahrten» (Bielef. 1876), «Nach den glücklichen Inseln. Canarische Reisetage» (ebd. 1876), «Kretische Gestade» (ebd. 1877), «Cypern, Reiseberichte über Natur und Landschaft, Volk und Geschichte» (3. Aufl., Stuttg. 1880), «Rußlands Werden und Wollen» (3 Bücher, Münch. 1881), «Beiträge zur Geschichte und Völkerkunde» (2 Bde., Frankf. 1885), «Archivlehre» (Paderb. 1890), «Kulturgeschichte der Deutschen im Mittelalter» (3 Bde., Münch. 1891‒94), «Das Kanarierbuch» (ebd. 1895).

Loherangrin, s. Lohengrin.

Loher und Maller, Roman, s. Elisabeth von Lothringen.

Lohfarbe, ein rötlichbrauner Farbenton, der dem des Sohlleders entspricht.