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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lohnsteuer - Loing
Krankengeld und die Kassenbeiträge maßgebenden
durchschnittlichen Tagelohns unter Berücksichtigung
der zwischen den Kassenmitgliedern hinsichtlich der
Lohnhöhe bestehenden Verschiedenheiten klasscnwcise
erfolgen, jedoch mit der Maßgabe, daß der durch-
schnittliche Tagelohn einer Klasse nicht über 4 M.
festgestellt werden darf. Mit Rücksicht auf diese
Klassifizierung der Kassenmitglieder ist ferner vor-
geschrieben, daß nicht nur bei der Anmeldung Ver-
sicherungspflichtiger Personen die Lohnverhältnisse
derselben angegeben werden müssen, sonderu daß
auch Linderungen, welche in diesen Verhältnissen
eintreten, binnen drei Tagen bei der Kasse angemel-
det werden müssen. Auch bei den freien Hilfstasscn
ist die Bildung mehrerer L. üblich. - Über die L. nach
dem Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz
s. Invalidenrente.
Lohnsteuer, Vesoldungssteuer, die direkte
Besteuerung des Ertrags aus rein persönlicher Ar-
beit, die sich dadurch rechtfertigt, daß dieser Ertrag
ein steuerfähiges Einkommen einschließt. Nur wenn
der Ertrag das Existenzminimum (s. d.) nickt über-
schreitet, würde die Steuerfäbigkeit feblen. An sich ist
die direkte Besteuerung des Lohns, des Gehalts und
auch des Erwerbs aus liberalen Berufsarten (Arzt,
Schriftsteller, Künstler u. s. w.), sofern er nicht schon
von der Gewerbesteuer betroffen wird, die notwen-
dige Folge des Ertragssteuersystems. Die enge
Verbindung zwischen Steuersubjekt und Steuer-
objekt, wie sie bei Lohn, Gehalt u. s. w. besteht, be-
dingt es, daß die L. thatsächlich stets als eine specielle
Einkommensteuer (s. d.) für bestimmte Gruppen der
im Erwerbsleben thätigen Personen erscheint. Neben
einer allgemeinen Einkommensteuer wirkt die L. als
zweifache Belastung desselben Einkommens, wes-
halb in Preußen und Sachsen auch eine besondere
L. nicht besteht. In Bayern und Württemberg be-
steht die Besteuerung des Lohns, des Gehalts und
des Ertrags der liberalen Berufsarten als specielle
Einkommensteuer; ähnlich ist es in Baden. In Eng-
land fungiert die Einkommensteuer rechtlich zugleich
als L.; da die Steuerpflicht aber erst bei 160 Pfd. St.
beginnt, so werden die eigentlichen Löhne zumeist
Lohntaxe, s. Taxe. "icht davon betroffen.
Löhnung oder Sold, die Geldverpflcgung der
nicht dem Öffizierrange angehörigen Soldaten, ist
für die einzelnen Chargen der Gemeinen und Unter-
offiziere etatsmäßig festgestellt und wird im deut-
schen Heere zehntägig im voraus ausgezahlt. (S.
Diensteinkommen.) Alle Mannschaften erhalten
Brot in nHwi-H, in besondern Fällen auch in Geld,
ferner einen Verpflegungszuschuß, der für jede Gar-
nison vierteljährlich festgesetzt wird. Wer an der
Menage (der gemeinsamen Verpflegung) teilnimmt,
zahlt diesen Verpflegungszuschuß und einen Löb-
nungsanteil von 13 Pf. pro Tag zur Menagekasse.
Wer nicht kaserniert ist, erhält Servis (s. d.).
Lohnvertrag, soviel wie Arbeitsvertrag, s.
Lohr, Bruchboden, s. Bruch. Mcnstmiete.
Lohr. 1) Bezirksamt im bayr.Reg.-Vez.Unter-
sranten, hat (1890) 33 327, 1895:33565 (1625')
männl., 17342 weibl.) E. in 53 Gemeinden mit
117 Ortschaften, darunter 4 Städte. - 2) L., Stadt
und Hauptort des Bezirksamtes L., am Main und
an der Mündung der L. in denselben, an der Linie
Würzburg-Aschaffenburg und der Nebenlinie L.-
Wertheim (37,i kni) der Vayr. Staatsbabnen
(2 Bahnhöfe), ist Sitz des Bezirksamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Aschaffenburg), Rentamtes und
zweier Forstämter, hat (1895) 4320 (1890:4207) E.,
darunter 358 Evangelische und 64Israeliten, Post-
erpedition, Telegraph, ein Vezirksgremium, drei kath.
Kirchen, Kapuzinerkloster, Franziskanerinnenkloster,
altes Scbloft, Lateinschule, Präparandenanstalt,
döhere Mädchen-, gewerbliche Fortbildungs- und
Waldbausckule, großes Hospital; ein Eisenwerk mit
Gießerei und Hammerwerken, Hohlglashütte, Säge-
werk, Fabrikation von Holzstoff, Kisten, Schwerspat,
Essig, Liqueur, Cementwaren, Schisfbauanstalten,
künstliche Fischzucht und Holzhandel. - L. wurde
1333 Reichsstadt, fiel 1555 an das Hochstift Mainz,
1803 an das Fürstentum Aschaffenburg, 1814 an
Vavern. Kation, S. 13a).
Lohrinde, soviel wie Gerberrinde (s. Lederfabri-
Lohfägemühlen, s. Lederfabrikation (S. 13 a).
Lohsescher Träger, s. Eiscnbrücken.
Lohsteine, s. Tuffziegel.
Loibl, Paß über die Karawanken, 1370 m hoch,
zwischen der Zelenica (2179 m) im W. und der
' Vaba (1969 iu) im O. Die Straße von Klagen-
furt bis Krainburg, 60 Icin lang, wurde 1670-80
erbaut, 1728 verbe^ert. Da durch die Eisenbahn
Marburg-Franzensfeste der Fahrverkehr eine andere
Richtung genommen hat, ist das Projekt eines
Neubaues des Tunnels auf der Paßhöhe in den
Hintergrund getreten.
Loigny (spr. löannjib), Dsrf (508 E.) im franz.
Depart. Eure-et-Loir, Arrondisfement Chäteaudun,
Kanton Orgeres, an den großen Straßen von
Edartrcs nach Orlöans, denkwürdig durch die
Schlacht von Loigny-Poupry, 2. Dez. 1870,
zwischen der Armceabteilung des Großherzogs von
Mecklenburg und dem linken Flügel der Loirearmec
unter dem General Chanzy. Der Zusammenstoß
erfolgte auf der Linie Artenay-Orgeres (Frontlinie
19 km). Auf dem westl. Teile griff von Morgen
bis Mittag das 16. franz. Korps das 1. bayrische
in der Stellung Veauvillers-Chäteau-Goury an.
Die bedrängte Lage des letztern wurde durch das
Eingreifen der 17. Division unter Tresckow besei-
tigt. Die Avantgarde nahm das Dorf Lumeau und
stand nun in der rechten Flanke des 16. franz.
Korps. Ein kräftiger Vorstoß der Division suchte
das Dorf L., den Schlüsselpunkt der franz. Stellung,
zu nehmen, um dessen Besitz sich fortan der blutige
Kampf des Tages drehte. Als franz. Reserven
gegen Abend eintrafen, ging Tresckow mit seinen
beiden letzten Bataillonen ge^en diese vor und ent-
schied den Sieg. L. blieb m deutschen Händen.
Gleichzeitig entwickelte sich 1^ Meile östlich ein
heißes Ringen der 22. Infanteriedivision gegen das
15. franz. Korps. Eine Kavalleriebrigade der 2. Di-
vision balf durch eine entfchlossene Attacke die müh-
sam erkämpfte Stellung bei Poupry gegen eine drei-
fache Übermacht bis zum Sonnenuntergang halten.
Zwischen beiden deutschen Divisionen hielt nur das
17. Dragonerregiment eine lose Verbindung auf-
recht. Während das 16. franz. Korps aus Ter-
miniers und Gommiers zurückging, wich das 15.
auf Artenay. Die Schlacht bereitete die Wiedcr-
croberung von Orleans vor. Der deutsche Verlust
betrug gegen 3000, der der Franzofen etwa 50W
Mann, darunter 2000 Gefangene. - Vgl. Kunz,
Die Schlacht von Loigny-Poupry (Berl. 1893);
Hoenig, Die entscheidenden Tage von Orleans im
Kriege 1870/71, Tl. 2 (ebd. 1896).
Loing (spr. löäng), linker Nebenfluß der Seine,
entspringt im franz. Depart. Aonne auf den Hoheu
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