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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: London

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London (Kirchen)

und drei großen Bahnhöfen liegt Camden-Town, breit und regelmäßig angelegt, nördlich von diesen Kentish-Town, Lower-Holloway, Highbury, alle vorwiegend Werkstätten, Fabriken und Arbeiterwohnungen enthaltend, östlich davon Islington mit engen Gassen, das im S. bis zum Pentonville-Road und City-Road reicht und alle andern Stadtteile an Bevölkerungszahl übertrifft. Denselben ernsten Charakter der Arbeit und der Armut tragen weiter nach O. zu De Beauvoir-Town, Dalston, beide mit regelmäßigen Straßenzügen, Homerton und Hackney, das bis zum Victoriapark und bis an die Wasserläufe des Lea reicht. Zwischen diese Teile (durch den Regent's Canal getrennt) und die eigentliche City schieben sich Clerkenwell mit seinen Handwerkern und der Metallindustrie und dem Exerzierplatz des ältesten engl. Freiwilligenkorps (Honourable Artillery Company), ferner Finsbury mit Finsbury-Circus, Horton und weiter nach O. Bethnal-Green mit zahlreichen Fabriken. Unmittelbar östlich von der City beginnt das eigentliche Eastend; hier liegt Whitechapel, einer der wenigen innern Bezirke, die (meist infolge der Einwanderung) an Bevölkerung zunehmen, die Stätte der Armut und des furchtbarsten Elends, von der gleichnamigen Straße und Mile-End-Road durchzogen, das Judenviertel (Houndsditch und The Minories), ferner Stepney und Limehouse, Tower-Hamlets, Bromley und Poplar, die Wohnorte der Dockarbeiter. Commercial-Road und East-India-Dock-Road (von W. nach O.) sind hier die Hauptverkehrsader.

Neuere Straßenzüge sind Rosebery-Avenue, Great-Eastern-Street, Queen-Victoria-Street, Charing-Croß-Road und Shaftesbury-Avenue, an deren Stelle früher winklige ungesunde Gassen standen. Eine großartige Verbindungsstraße des Strand mit dem Holborn, sowie eine Verbreiterung des erstern sind geplant.

Von den Brücken ist London-Bridge die älteste (bis 1750 einzige) und wichtigste. Die alte London-Bridge, etwas oberhalb der jetzigen, war mit Häusern besetzt, von denen 1745 eins in die Themse stürzte. Der jetzige Bau, 1825-31 für 2 Mill. Pfd. St. erbaut, ist 283 m lang, 16 m breit und hat 5 Granitbogen; hier verkehren täglich über 100000 Menschen und 15000 Fuhrwerke. Flußaufwärts folgen Southwark-Bridge (drei eiserne Bogen), Blackfriars-Bridge (387 m), die schöne Waterloo-Bridge (420 m), Hungerford-Fußbrücke und Westminster-Bridge (26 m breit), Lambeth- und Vauxhall-Bridge, die zwei Brücken bei Chelsea, die Albert-, die Battersea-Bridge und Hammersmith-Bridge. Außerdem überschreiten 5 Eisenbahnbrücken den Fluß. Um unterhalb London-Bridge den Seeschiffahrtsverkehr nicht zu hindern, erbaute man 1825-42 den Themsetunnel (s. Brunel und Tunnel), den jetzt die Bahn benutzt; 1870 folgte der Tower-Subway, eine eiserne Röhre (373 m lang, 2,2 m Durchmesser) für Fußgänger und 1890 der Tunnel für die elektrische Eisenbahn. 1886-94 wurde aber auch hier nach Plänen von H. Jones und J. W. Barry eine oberirdische Brücke für Fuhrwerks- und Fußgängerverkehr gebaut (Tower Bridge). Sie hat von der Münze beim Tower aus eine 333 m lange Zufahrt von steinernen, 5 m weiten Bogen, auf dem Südufer eine solche von 270 m. Bis zu zwei 90 m voneinander getrennten Pfeilern ist sie als Hängebrücke konstruiert; zwischen den Pfeilern besteht das Tragwerk, um den Schiffen den Durchgang zu gestatten, aus zwei aufklappbaren Teilen; um aber, wenn Seeschiffe passieren, den Fußgängerverkehr nicht zu unterbrechen, enthalten die im Stile des Towers mit Stein und Ziegeln bekleideten Pfeiler hydraulische Aufzüge und Treppen und sind 47,75 m über Hochwasser durch feste Gitterbrücke verbunden.

Südufer. Einheitlichern Charakter trägt die sog. Surrey-Side, die, erst seit dem 17. Jahrh. bebaut, fast ohne historisch oder künstlerisch hervorragende Bauten, vor allem der Industrie, in den östl. Teilen mit ihren Docks auch dem Großhandel dient. Die Anlage ist hier regelmäßiger, einzelne lange Straßenzüge, wie Old-Kent-Road, Kennington-Park-Road mit seinen Fortsetzungen u. a., durchschneiden das Häusermeer. Die wichtigsten Quartiere sind von W. nach O.: Battersea, fast nur von Arbeitern bewohnt, South-Lambeth mit ausgedehnten Eisenbahnwerkstätten, Kennington, Vauxhall, Bermondsey, Rotherhithe und die bis vor kurzem selbständigen Vororte Deptford (s. d.) und Greenwich (s. d.). Weiter von der Themse entfernt liegen: Wandsworth (s. d.), Stockwell, North- und South-Brixton, Walworth mit seinen parallelen Straßen, Camberwell, südlich davon Denmark-Hill u. a.

Kirchen. L. hat gegen 1600 Kirchen und Kapellen, darunter 50 römisch-katholische, 25 für Deutsche. Die größte und schönste Kirche ist die St. Paulskathedrale (s. Tafel: Londoner Bauten, Fig. 3) in der City, die an Stelle der 1561 und 1666 niedergebrannten Kirchen unter Wren (s. d.) 1675 begonnen, 1710 vollendet wurde. Sie ist die drittgrößte christl. Kirche, der Peterkirche in Rom ähnlich, hat die Form eines lat. Kreuzes; das Längsschiff ist 152, das Querschiff 76 m lang; die kreuzgekrönte Kuppel (110 m hoch, 34 m Durchmesser) kommt erst aus weiter Entfernung zu voller architektonischer Wirkung. Die Hauptfaçade (55 m breit) hat einen doppelten Säulenportikus, über dem Giebelfeld drei Apostel und zwei Glockentürme (67 m). Das Innere, erst neuerdings reich ausgestattet, enthält zahlreiche Marmorgruppen und Statuen meist von Generalen, Seehelden und Gelehrten (z. B. Sam. Johnson, Nelson, Abercromby, Wellington). Am Südende des Kreuzschiffs die Krypta mit Grabmälern berühmter Briten (z. B. Napier, Nelson, Landseer, Reynolds, Wren, Sir Bartle Frere). - In der City liegen ferner St. Bartholomew-the-Great in normann.-got. Stil, 1123 begründet, 1865-69 und 1886 erneuert, St. John's Gate (1504), ein got. Spitzbogenthor, der Rest einer Johanniterpriorei, die schon erwähnte Kirche St. Mary-le-Bow in Cheapside, die St. Stephenskirche in Walbrook, ein Meisterwerk Wrens (s. Tafel: Englische Kunst I, Fig. 6), St. Helen's, ferner die Congregational-Hall, 1862 in got. Stil an der Stelle des Schuldgefängnisses in Fleet-Street erbaut, und im Innern des Temple die St. Mary's Church, ein normann. Rundbau mit frühgot. Chor, 1185 vollendet, 1839 für 70000 Pfd. St. restauriert, mit mosaikartigen Arabesken an der Decke und neun Marmorgrabmälern (12. und 13. Jahrh.). - Aus dem Westend sind nennenswert St. Clement-Danes am Strand (1688), St. James' Church in Piccadilly (1682-84), beide von Wren erbaut, St. Martin-in-the-Fields am Trafalgar-Square (1721-26), mit griech. Säulenhalle, Mary the Virgin in Charing-Croß-Road, die apostolisch-kath. Kirche der Irvingia-^[folgende Seite]