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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ludwig

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Ludwig XV. (König von Frankreich)

Das häusliche Leben des greisen Königs war am Ende schwer umdüstert. Am 13. April 1711 starb sein Sohn, der Dauphin Ludwig (geb. 1661); Febr. 1712 folgte diesem sein Sohn, der Herzog von Bourgogne, der als der älteste Enkel L.s der Thronerbe geworden war. Endlich starb auch 8. März L.s ältester Urenkel, der Herzog von Bretagne. Überdies kam ein Bruder des Herzogs von Bourgogne, der Herzog von Berry, durch einen Sturz vom Pferde 4. März 1714 um, so daß, außer Philipp V. von Spanien, nur der zweite Sohn des Herzogs von Bourgogne übrigblieb, der dem Urgroßvater als Ludwig XV. (s. d.) folgte. Schon früher hatte L. seine beiden Söhne von der Montespan, den Herzog von Maine und den Grafen von Toulouse, legitimiert und ihnen den Namen Bourbon beigelegt. Jetzt setzte er sie in seinem Testament als Mitglieder des Regentschaftsrates ein und erklärte sie unter Umständen für thronberechtigt. Doch blieb der König bis an sein Ende thätig und hielt die Pflichten der Repräsentation sowie das gesamte, absterbende Wesen seines "großen Jahrhunderts", das auch in der franz. Litteratur und Kunst einen Höhepunkt bezeichnet, ungebrochen aufrecht. Er starb 1. Sept. 1715 in Versailles. 1822 wurde ihm auf der Place des Victoires ein Reiterstandbild (von Bosio modelliert) errichtet.

Die besten Aufklärungen über den Charakter und die Denkungsart L.s geben seine "Œuvres" (hg. von Grimoard und Grouvelle, 6 Bde., Par. 1806); kritischere Ausgaben der Mémoires de Louis XIV von Dreyß, 2 Bde., ebd. 1860), welche Unterweisungen für den Dauphin und für Philipp V. sowie Briefe und Betrachtungen enthalten. - Vgl. Voltaire, Siècle de Louis XIV (1752 u. ö.); Saint-Simon, Mémoires complets et authentiques sur le siècle de Louis XIV et la régence (21 Bde., Par. 1829-30; zuletzt 1873-81 in 21 Bdn.); Depping, Correspondance administrative sous le règne de Louis XIV (4 Bde., ebd. 1850-55); Moret, Quinze ans du règne de Louis XIV. 1700-15 (3 Bde., ebd. 1851-59): Chéruel, Saint-Simon considéré comme historien de Louis XIV (ebd. 1865); Noorden, Europ. Geschichte im 18. Jahrh. (Bd. 1-3, Düsseld. und Lpz. 1870-82); Gaillardin, Histoire du règne de Louis XIV (6 Bde., Par. 1871-78); Ranke, Franz. Geschichte, Bd. 3 u. 4 (4. Aufl., Lpz. 1876); Philippson, Das Zeitalter Ludwigs XIV. (Berl. 1879); Chéruel, Histoire de France pendant la minorité de Louis XIV (4 Bde., Par. 1879-80); Mémoires du Marquis de Sourches sur le règne de Louis XIV (Bd. 1-12, ebd. 1882-92); de Mouy, Louis XIV et le Saint-Siège (2 Bde., ebd. 1893); Gérin, Louis XIV et le Saint-Siège (2 Bde., ebd. 1894). Reiche Litteraturnotizen bei Koch, Das unumschränkte Königtum L.s XIV. (Berlin, Joachimsthaler Programm, 1888).

Ludwig XV., König von Frankreich (1715-74), geb. 15. Febr. 1710 in Versailles als Urenkel Ludwigs XIV. und Sohn des Herzogs von Bourgogne, folgte seinem Urgroßvater 1. Sept. 1715 in der Regierung. Für ihn übernahm der Herzog Philipp II. (s. d.) von Orléans die Regentschaft. Der junge König wuchs inmitten der Liederlichkeit des Hofs heran; sein Lehrer wurde der Abbé Fleury (s. d.). Auf Fleurys Rat erhielt nach Orléans' Tode, 2. Dez. 1723, der Herzog von Bourbon die Leitung der Geschäfte, der L. 16. Aug. 1725 mit Maria Leszczynska, der Tochter des entthronten Königs Stanislaus von Polen, vermählte. Schon 1726 vertrieb Fleury den Herzog von Bourbon vom Staatsruder, um es selbst zu ergreifen. Er hob durch Sparsamkeit die Finanzen, verfolgte nach außen eine Friedenspolitik, sah sich aber doch in den Kampf um die Krone Polens verwickelt. Im ganzen schlug dieser Polnische Thronfolgekrieg (1733-38) zum Erfolge für Frankreich aus: im Wiener Frieden (1738) gab L. die Eroberungen am Rhein zurück, erhielt dagegen für seinen Schwiegervater Lothringen, das nach dessen Tode an Frankreich fallen sollte. Im Innern stärkte sich an steten Zwisten zwischen Parlament und Regierung über kirchliche Fragen der Widerstand der öffentlichen Meinung. Im Äußern riß ein Konflikt mit England, dann das Drängen einer Habsburg feindlichen Hofpartei Frankreich in den Österreichischen Erbfolgekrieg (s. d.), in dem es den Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern zur Erlangung des Kaiserthrons unterstützte.

Unterdessen war Fleury 29. Jan. 1743 gestorben. L. sollte nun selbst regieren; große Aufgaben bot die europ. wie die franz. Lage, die sich bereits bedrohlich gestaltete; L.s kalte und weichliche Natur war ihnen, trotz persönlicher Klugheit, nicht gewachsen. Von seiner häßlichen Gemahlin hatte er sich längst Maitressen zugewendet; drei Schwestern de Nesle folgten sich in diesem Staatsamte; die dritte, Herzogin von Châteauroux, hatte den Ehrgeiz, L. zu persönlichen Verdiensten hinreißen zu wollen. Als 1743 die Franzosen bei Dettingen geschlagen waren, zog L. selber ins Feld; 1744 wandte er sich nach dem Elsaß und 1745 begab er sich nach den Niederlanden, wo er persönlich dem Sieg bei Fontenoy beiwohnte. Trotz der Erfolge, die der Marschall Moritz von Sachsen in den Niederlanden errang, stimmten die Unfälle der bourbonischen Truppen in Italien den König für den Frieden, und er willigte im Okt. 1746 in die Eröffnung des Kongresses zu Breda. Noch ging der Krieg weiter; gegenüber den franz. Kolonien in Ost- und Westindien errangen die Engländer wichtige Erfolge. Der Aachener Friede (s. d.) brachte Okt. 1748 Frankreich keinen Gewinn; nur in Italien gab es dynastische Erfolge.

Während das Parlament seinen langen Streit mit dem Klerus zu Gunsten des Jansenismus führte, versank L. unter der entnervenden, auch die Politik ganz lenkenden Herrschaft der Pompadour (s. d.) in das unwürdigste Serailleben. Bald nach dem Frieden zu Aachen brach auch der weltgeschichtliche Kampf zwischen England und Frankreich um die Herrschaft in Nordamerika und Ostindien wieder aus. Am 20. April 1756 landete der Herzog von Richelieu auf Minorca und eroberte 29. Juni Port-Mahon. Auch an dem Landkriege in Deutschland sollte Frankreich teilnehmen. Die Pompadour arbeitete an einem Bündnisse Frankreichs mit Österreich. Der Bund, der das polit. System Frankreichs von Grund auf änderte, kam 1. Mai 1756 durch den Abbé Bernis (s. d.) zu stande. Aber der Siebenjährige Krieg (s. d.), der nun gegen Preußen zu Lande und gegen England zur See auszufechten war, führte zu den Niederlagen von Roßbach, Krefeld, Minden, zu den vernichtenden Schlägen von Quiberon, Quebec, Belle-Isle und zu dem Verlust der schönsten Kolonien: Canada, die meisten westind. Inseln und außer Pondichéry und Mahé ganz Ostindien wurden an England im Pariser Frieden (10. Febr. 1763) abgetreten. Der Bourbonische Hausvertrag (s. d.), den L.s Minister, der Herzog von Choiseul, im Aug. 1761