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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ludwig; Ludwig I; Ludwig II; Ludwig III; Ludwig IV

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Ludwig I. (Großherzog von Hessen) - Ludwig II. (König von Neapel)

Douglas, Life and times of Louis Philippe (Lond. 1848); Haussonville, Histoire de la politique extérieure du gouvernement français de 1830 à 1848 (2 Bde., Par. 1850); Montalivet, Le roi Louis Philippe, etc. (ebd. 1851); Ed. Lemoine, Abdication du roi Louis Philippe, racontée par lui-même (ebd. 1851); Billault de Gérainville, Histoire de Louis Philippe (3 Bde., ebd. 1870-76); Hillebrand, Geschichte Frankreichs 1830-71, Bd. 1 u. 2 (Gotha 1877-79; 2. Aufl. 1881-82); Thureau-Dangin, Histoire de la monarchie de juillet (7 Bde., Par. 1884-92); de Flers, Louis Philippe. Vie anecdotique (ebd. 1891).

Ludwig I., erster Großherzog von Hessen (1790-1830), geb. 14. Juni 1753 zu Prenzlau, wo sein Vater, der Erbprinz von Darmstadt, als preuß. Oberst in Garnison stand, trat 1773 in russ. Dienste und machte den türk. Feldzug mit. Der Tod seines Vaters, des Landgrafen Ludwig IX., berief ihn 1790 zur Regierung, die er unter dem Namen Landgraf Ludwig X. antrat. Im Reichsdeputationshauptschluß (1803) erhielt er als Entschädigung für einige abgetretene Gebiete das Herzogtum Westfalen sowie Teile des Erzstifts Mainz, des Bistums Worms und der Pfalz. Im ganzen gewann er 103 Quadratmeilen. Bald darauf trat L. dem Rheinbunde bei, vergrößerte sein Gebiet von neuem und nahm 14. Aug. 1806 den Titel Großherzog an (seitdem nannte er sich L. I.). Nach der Schlacht bei Leipzig verließ er die Sache Napoleons, sein Bruder, Prinz Emil, führte ein hess. Korps gegen Frankreich. Auf dem Wiener Kongreß mußte L. das Herzogtum Westfalen an Preußen überlassen und erhielt dagegen Rheinhessen und Mainz; von nun an führte er den Titel Großherzog von Hessen und bei Rhein. L. gab seinem Lande 18. März 1820 eine Verfassung. Die Stadt Darmstadt verdankt ihm mancherlei Bauten, wie die Hofbibliothek und das Museum, die er aus seinen Privatmitteln errichtete, sowie die Gründung des Hoftheaters. Am 14. Febr. 1828 kam eine Zolleinigung zwischen Preußen und Darmstadt zu stande, die den ersten Schritt zum Deutschen Zollverein bildete. L. starb 6. April 1830. In Darmstadt wurde ihm 1844 ein Denkmal errichtet.

Ludwig II., Großherzog von Hessen (1830-48), Sohn des vorigen, geb. 1777 zu Darmstadt, kam nach seinem Regierungsantritt (6. April 1830) mit dem Landtag in Konflikt, weil dieser seine Privatschulden nicht auf die Staatskasse übernehmen wollte. Als sich die Nachwirkungen der franz. Julirevolution auch in Hessen geltend machten, trat die Regierung L.s unter dem Ministerium des Freiherrn du Thil mit großer Heftigkeit dem entgegen; es kam zu fortdauernden Konflikten mit dem Landtag, in welchem die liberale Opposition immer mehr Boden gewann. (S. Hessen, Großherzogtum, Geschichte.) Im Beginn der Märzbewegung von 1848 nahm L. seinen ältesten Sohn Ludwig zum Mitregenten an, ernannte Heinrich von Gagern, den bisherigen Führer der Opposition, zum Minister des Innern und bewilligte verschiedene liberale Forderungen. Bald darauf starb L. 16. Juni 1848.

Ludwig III., Großherzog von Hessen und bei Rhein (1848-77), Sohn des vorigen, geb. 9. Juni 1806, vermählte sich 1833 mit der Prinzessin Mathilde, Tochter des Königs Ludwig I. von Bayern, die 1862 kinderlos starb. L., ein großer Kunst- und namentlich Theaterfreund, nahm erst thätigen Anteil an der Regierung nachdem er mitten in der Bewegung von 1848 von seinem Vater zum Mitregenten ernannt worden war. Zunächst liberal, lenkte seine Regierung unter dem Minister Dalwigk alsbald wieder in reaktionäre Bahnen ein (s. Hessen, Großherzogtum, Geschichte). 1866 trat er auf die Seite Österreichs und schloß sich nach Beendigung des Krieges nur widerwillig an Preußen an. Mit Magdalene Freiin von Hochstätten ging er 1868 eine morganatische Ehe ein, die ebenfalls kinderlos blieb. Er starb 13. Juni 1877 zu Seeheim bei Darmstadt.

Ludwig IV., Großherzog von Hessen und bei Rhein (1877-92), geb. 12. Sept. 1837, Sohn des Prinzen Karl (gest. 20. März 1877) von Hessen, Bruders Ludwigs III., und von dessen Gemahlin Elisabeth, Tochter des Prinzen Wilhelm (s. d.) von Preußen, eines Bruders König Friedrich Wilhelms III. In seinem 16. Jahre trat L. in das hess. Militär ein, besuchte dann die Universitäten Gießen, Göttingen und Bonn und nahm hierauf seine militär. Laufbahn wieder auf. Am 1. Juli 1862 vermählte er sich mit der Prinzessin Alice (s. d.), einer Tochter der Königin Victoria von England. Am Kriege von 1866 nahm L. als Commandeur der 2. hess. Infanteriebrigade teil und übernahm nach dem Friedensschluß und dem Abschlusse der Militärkonvention mit Preußen das Kommando der hess. Division, an deren Spitze er im Kriege von 1870 und 1871 focht, insbesondere bei Gravelotte, vor Metz und bei Orléans. 1888 wurde er zum Armeeinspecteur der 3. Armeeinspektion ernannt. Seine 30. April 1884 mit Frau von Kolemine eingegangene morganatische Ehe wurde alsbald wieder getrennt. Er starb 13. März 1892 in Darmstadt. 1895 wurde ihm in Worms ein Denkmal gesetzt. Seine Kinder erster Ehe sind: sein Nachfolger Ernst Ludwig (s. d.), die Prinzessinnen Victoria (geb. 5. April 1863, seit 1884 Gemahlin des Prinzen Ludwig von Battenberg), Elisabeth (geb. 1. Nov. 1864, seit 1884 Gemahlin des Großfürsten Ssergij Alexandrowitsch von Rußland), Irene (geb. 11. Juli 1866, seit 1888 Gemahlin des Prinzen Heinrich von Preußen) und Alix (geb. 6. Juni 1872, seit 1894 als Alexandra Feodorowna Gemahlin des Kaisers Nikolaus II. von Rußland).

Ludwig, König von Holland (1806-10), s. Bonaparte (Bd. 3, S. 275 b).

Ludwig, Graf von Nassau-Dillenburg, s. Nassau-Dillenburg, Ludwig, Graf von.

Ludwig I. von Anjou, König von Neapel, kämpfte tapfer gegen die Gascogner und Engländer für die Erhaltung der Monarchie seines ältern Bruders Karls V. (s. d.) in Frankreich und wurde, nachdem er auch die Provence (1366) angegriffen hatte, welche Johanna I. von Neapel gehörte, durch Vermittelung Clemens' VII. 1380 von Johanna adoptiert und zum Nachfolger bestimmt. Gleichzeitig Regent für Karl VI. (s. d.) von Frankreich geworden, wurde er von Papst Clemens VII. in Avignon 1381 zum König von Neapel gekrönt, während Urban VI. in Rom das Königreich an Karl III. von Durazzo übertrug. An dem zähen Widerstand Karls III., der schon 1382 Johanna I. hatte ermorden lassen, scheiterte L.s Unternehmung gegen Neapel. L. starb 21. Sept. 1384 in Bari.

Ludwig II. von Anjou, als Erbe und Sohn des vorigen König von Neapel, geb. 7. Okt. 1377 zu Toulouse, ward von Clemens VII. in Avignon