Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

376
Lüneburger Erbfolgekrieg - Lüneburger Heide
Teil waldreich und fruchtbar, zum Teil noch im
übergange zu ergiebigerer Acker- und Wiesenwirt-
schaft begriffen. Der Regierungsbezirk hat Acker-
bau, Viehzucht, Petroleumquellen und 11312,02 l^km,
(1890) 420093 (211089 männl., 208404 weibl.) E.,
darunter 3397 Militärpersonen; 14 Städte mit
196,42 ykm und 107 059 (54251 männl., 52 808
weibl.) E., 1324 Landgemeinden und 136 Guts-
bezirke mit 11146,20 hkm und 313034 (157438
männl., 155596 weibl.) E. Dem Religionsbekennt-
nis nach waren 409 412 Evangelische, 8556 Ka-
tholiken, 936 andere Cbristen und 1081 Israeliten.
1895 wurden 445 989 E. gezäblt.
Der Regierungsbezirk zerfällt in 16 Kreise:
Kreise
Stadtkreis C'.'llc,
Landkreis Lc'lle,
Gifyorn ....
Burgdorf. . . .
Isenhagcn. . .
Falliligbostol. .
Soltau.....
NF^......
Lüchow.....
Daunonbcrg . .
Blcckede.....
Stadtkreis
Lüncburg....
Landkreis
Lüncbllrg....
Winscn.....
Stadtkreis
Harbura. ....
Landkreis
Harburg ....
23,33
1553,73
802,01
837,82
817,57
983,01
901,40
1446,53
749,84
453,66
19,83
638,59
686,69
10,91
791,11
4720
4341
5678
29 661
3K
17 227
29 423
35 766 34 694
16 402 16178,
4301 26 221
2495 16 753
2306!14237
2876>20862
2325
3584
4835
20665
19 940
23 800
36 736
16640
"3
1483
203
510
897
62
180
73
44 372! 340
114
72
86
14 140
20 732
19 794
19 721
23 616
35 583
602
2602
1052


143
19 436
13
30 869
26
32 330
152
37911
9
17 050
61
27 098
11
18138
79
^6 372
5,
29 322
20
13 991
42
21229
194
22 330
7
20 448
12
25140
295
42 583
12
41742
Über die Neichstagswahlkreise s. Hannover, Pro-
vinz (Bd. 8, S. 792H).
2) Landkreis, ohne die Stadt L., im preuß. Reg.-
Bez. L., hat 688,50 <;km und (1890) 19 940 (10298
männl., 9642 weibl.) E., 79 Landgemeinden und
6 Gutsbezirke. - 3) Hauptstadt des Reg.-Bez. L.
sowie des frühern Fürstentums
L. und Stadtkreis, liegt an der
bis hierher schiffbaren Ilmenau,
22 1cm vom Einflüsse derselben
in die Elbe, an den Linien Nit-
tenberge-L. (102,5 km), Ham-
burg-Ülzen, Vüchen-L. (29,7 km)
und der Nebenlinie Vucbholz-L.
(39,3 km) der Preuß. Staats-
bahncn, ist Sitz der Vezirks-
regierung, des Landratsamtes des Landkreises, eines
Landgerichts (Oberlandesgericht Eelle) mit 12 Amts-
gerichten (Bergen, Bleckede, Celle, Dannenberg,
Isenhagen, Lüchow, L., Medingen, Neuhaus, Sol-
tau, ülzen, Winsen a. d. Lühe), emes Amtsgerichts,
Hauptstcueranites,einerHandclskannnerundReichs-
banknebcnstellc und hat (1890) 20665,1895: 22330
(11 262 männl., 11068 weibl.) E., in Garnison die
1., 2., 3. und 5. Eskadron des Dragonerregiments
Nr. 16, Postamt erster Klasse, ein Johanneum (Gym-
nasium und Realgymnasium), 1409 zuerst erwähnt,
höhere Mädchenschule, Lehrerseminar, Präparan-
denanstalt, Stadtbibliothek (34000 Bände, 500 In-
kunabeln, 600 Handschriften), Ratsarchiv, Kreis-
und städtische Sparkasse, Wasserleitung, Kanali-
sation und Gasbeleuchtung. Die ehemaligen Wälle
sind zu Promenaden eingerichtet und bebaut: von
der Stadtmauer sind noch Reste vorhanden. Außer
vielen altertümlichen Privathäusern sind bemerkens-
wert die Michaeliskirche (1376 - 1418) mit dem
Grabgewölbe früherer Fürsten, die got. Johannis-
kirche, ein fünfschiffiger Hallenbau des 14. Jahrh,
mit Turm (100 m), reicher Cdoranlage und Schnitz-
altar (15. Jahrh.), Nikolaitirche, eine got. Basilika
(1409) mit Krypta und das alte Rathaus mit dem
Gericktssaal (der sog. Laube) und dem Arcbiv,
dem Fürstensaal (darin galvanoplastische Nachbil-
dungen des vormaligen Ratssilberschatzes; s. Lüne-
burger Silberschatz) und der Ratsstube nüt treff-
lichen Schnitzarbeiten. Die Stadt hat 2 Eisen-
gießereien, Haartuchweberei, Tapeten-, Faß-,
Kunstdünger-, Cement-, Kalk- und mehrere chem.
Fabriken sowie eine alte berühmte Saline, die eine
Sole von 25 Proz. versiedet und jäbrlich etwa
20000 t <^alz liefert, mit Solbad und Eodafabrit
und bedeutende Kalkstein-und Gipsbrüche. Jährlich
finden zwei Messen statt.
G e s ch ichte. Die Stadt ist aus vier verschiedenen,
sehr alten Ansiedelungen hervorgegangen. Hermann
Villung, der 951 das Herzogtum Sachsen erhielt,
baute auf dem Kalkberge eine Burg und gründete
hier das Kloster St. Michaelis. Heinrich der Löwe
begünstigte das Aufblühen der Stadt; durch die
Zerstörung von Bardowiek (1189) nabm sie einen
bedeutenden Ausschwung. Bei einem Erbstreit nach
dem Tode des Herzogs Wilhelm <1^)) gewan-
nen die Bürger fast vollständige Unabhängigkeit.
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrh, war L. ein
einflußreiches Mitglied der Hansa. Der Betrieb
der Saline (durch die Sülfmeister) und der Handel
machten L. zu einer der reichsten Städte Deutsch-
lands. 1530-32 wurde die Reformation eingeführt.
Das reiche Michacliskloster blieb dabei ein evang.
Stift, wurde aber 1655 in eine höhere Bildungs-
anstalt, die Ritterakademie, umgewandelt, die man
1850 aufhob. 1637 machte Herzog Georg durch
Besetzung der Burg der Selbständigkeit der Stadt
ein Ende, die alte Verfassung blieb jedoch bis 1846,
der Wohlstand aber nahm im 17. und 18. Jahrh,
ab. Durch das Treffen bei L. gegen den franz. Ge-
neral Morand wurde 2. April 1813 der Befreiungs-
krieg in Deutschland eröffnet. - Vgl. Urkunden-
buch der Stadt L., bearbeitet von Volger (3 Bde.,
Hannov. 1872-77); Mithoff, Kunstdcnkmale und
Altertümer im Hannoverschen, Bd. 4 (ebd. 1877),
S. 132-207; Jahresbericht des Museumsvereins
für das Fürstentum L. (Lüneb. 1879 fg.); Jürgens,
Geschichte der Stadt L. (Hannov. 1891); Führer
durch L. (Lüneb. 1892).
Das ehemalige Fürstentum L., das alte Erbe
des Welfenstammes, von dem sich mehrere Linien
nach L. benannten (s. Vrannschweig, Geschichte),
bildet jetzt den Regierungsbezirk L. Den nord-
östlichen, von der Jeetze durchflosscnen Teil, der
noch gegenwärtig Wend land genannt wird, be-
wohnten früher Slawen (Drevjaner und Glinjaner).
Hauptort ist Lüchow (s. d.). - Vgl. Archiv für Ge-
schichte und Verfassung des Fürstentums L., hg.
von Lenthe (9 Bde., Celle 1854-63); Manecke,
Topogr.-Histor. Beschreibungen der Städte u. s. w.
im Fürstentum L. (2 Bde., ebd. 1858); Mithoff,
Kunstdenkmale und Altertümer im Hannoverschen,
Bd. 4: Fürstentum L. (Hannov. 1877).
Lüneburger Erbfolgekrieg, s. Vraunschweig
(Geschichte).
Lüneburger Heide, der im preuß. Reg.-Bez.
Lüneburg (s. d.) zwischen Aller und Elbe gelegene,
90 km weit von SO. nach NW. bis gegen Bremen