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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lymphdrüsenentzündung; Lymphe

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Lymphdrüsenentzündung – Lymphe

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Lymphdrüsen'

und gleich dem Knochenmark und der Milz der Bereitung der weißen Blut- oder Lymphkörperchen dienen. Die einfachsten L. sind die sog. Follikel (s. d.), die sich in den Mandeln sowie in der Schleimhaut des gesamten Darms vorfinden; größere Drüsen von komplizierterm Bau finden sich locker im fettreichen Zellgewebe eingehüllt und meist gruppenweise beisammen liegend zu beiden Seiten des Halses und am Nacken, in der Achselhöhle und der Ellenbeuge, an den Zungenwurzeln und in dem Darmgekröse (die Mesenterialdrüsen, s. d.), vor den Wirbelkörpern, in der Leistengegend (Leistendrüsen, s. Leistengegend) und in der Kniekehle sowie an vielen andern Körperstellen. Dem feinern Bau nach bestehen die L. aus einer bindegewebigen Hülle und aus einem dichten Netzwerk feinster Fasern, in dessen Maschen zahlreiche, den Lymphkörperchen ähnliche zellige Elemente liegen, und das beständig von der durchströmenden Lymphe umspült wird; die letztere tritt durch das sog. zuführende Lrnnphgefäß in die L. ein, um sie auf der entgegengesetzten Seite nach erfolgter Beimischung von Lymphkörperchen durch ein abführendes Gefäß wieder zu verlassen. Auch chem. Veränderungen gehen mit der Lymphe in den L. vor sich; nach dem Verlassen der Drüse ist die Lymphe reicher an Fett, Eiweißkörpern und leichter gerinnbar.

Die L. sind verschiedenen Krankheiten unterworfen. Dieselben schwellen an bei gewissen Erkrankungen des ganzen Körpers (Skrofulose, Tuberkulose, Syphilis, Krebs) oder bei Erkrankungen einzelner Körperteile, dann aber bloß die, welche die Lymphgefäße des kranken Körperteils aufnehmen. Entzündungen und Vereiterungen der L. nennt man Bubonen (s. Bubo). Bei der orient. Pest trifft die Ertrankung die L. des ganzen Körpers (Bubonenpest). – Über die chronischen Lymphdrüsenschwellungen der Skrofulösen s. Skrofulose.

Lymphdrüsenentzündung, s. Bubo.

Lymphe (lat.), Milchsaft, eine farblose oder gelblichweiße, alkalisch reagierende Flüssigkeit, welche sich aus dem Blute durch die Wände der Haargefäße hindurch ergießt, die feinern Gewebsbestandteile aller Organe umspült und die verschiedenen Gewebe des Körpers ernährt. Die L. enthält also Bestandteile des Blutes (Wasser, Salze, Eiweiß, Faserstoff, Fette) und die Umsatzprodukte der Gewebe (Harnstoff, Protagon und Extraktivstoffe). Die Gesamtmenge der durch die großen Lymphstämme in die Blutbabn hineingeleiteten L. und des Chylus (s. d.) kommt in 24 Stunden der gesamten Blutmenge gleich; hiervon entfällt die Hälfte auf den Chylus, die andere auf die L. Die die Gewebe durchtränkende Parenchym- oder Ernährungsflüssigkeit ist eine farblose, alkalisch reagierende Flüssigkeit, welche je nach den verschiedenen Geweben eine andere Zusammensetzung hat. Eine krankhafte Anhäufung derselben in den Geweben stellt die Wassersucht (Ödem) dieser dar. Die L. fließt aus den Geweben wieder ab, und zwar so, daß sich die feinen wandlosen Lücken in dem Gewebe der einzelnen Organe, die Saftkanäle, zu zartwandigen Gefäßchen, den Lymphkapillaren, ansammeln, welche sich endlich als isolierte Stämmchen von den Organen loslösen. Diese Lymphgefäße oder Saugadern (Vasa lymphatica s. resorbientia), die einen den Blutgefäßen ähnlichen Bau haben und wie die Venen mit Klappen versehen sind, welche den Rückfluß ihres Inhalts hindern, treten zu immer ↔ größern Stämmchen zusammen, die an einzelnen Stellen zu den Lymphdrüsen (s. d.) anschwellen, in denen die L. wichtige chem. und morphotische Veränderungen erleidet. Zuletzt treten die Lymphgefäße zu zwei großen Stämmen zusammen, von denen der größere, rabenfederkieldicke als Brustmilchgang (Ductus thoracicus) bezeichnet wird; er nimmt die Lymphgefäße des Bauches und der Beine auf, erstreckt sich vom zweiten oder dritten Lendenwirbel auf der linken Seite der Wirbelsäule bis zum Halse und ergießt sich sodann in die linke Schlüsselbeinvene (Vena subclavia). Der andere, der sog. rechte Saugaderstamm (Truncus lymphaticus dexter), sammelt die Lymphgefäße des rechten Arms, der rechten Seite des Halses, des Kopfs und der Brust aus und mündet in die rechte Schlüsselbeinvene. Die L. wird durch den Druck der aus den Haargefäßen ausgepreßten Flüssigkeit und durch die Kontraktion der die Lymphgefäße umgebenden Körpermuskeln bewegt, und ihr Rücktritt in das Blut ist dadurch möglich, daß an den Mündungsstellen das Blut wegen der ansaugenden Wirkung der Atmung unter geringerm Drucke steht. Bei gewissen Tieren, wie bei Reptilien und einigen Vögeln, geschieht die Bewegung der L. durch eigentümliche Muskelapparate , die rhythmisch pulsierenden Lymphherzen. Auf ihrem Wege zum Blut wird die L. insofern verändert, als in den Lympbdrüsen zellige Bestandteile, die mit den farblosen Blutkörperchen identischen Lymphkörperchen (Lymphzellen, Lymphoidzellen), entstehen, die sich der Lymphflüssigkeit beimischen und nach ihrem Übergang in das Blut sich in rote Blutkörperchen umwandeln; dadurch und durch große Mengen feinzerteilten Fettes bekommt die L. ein milchähnliches Ansehen.

Diese L. ist chemisch dem Blutserum sehr ähnlich und unterscheidet sich von diesem fast nur dadurch, daß sie nur halb soviel Eiweiß enthält als jenes. Auch gerinnt die L. wie das Blut unter Bildung eines festen Lymnphkuchens und eines klaren, farblosen Lmnphserums. Eine besondere Art der L. ist der aus der Darmwand gebildete Chylus (s. d.), der auch die verdaute Nahrung teilweise aufnimmt.

Unter den Erkrankungen der Lymphgefäße sind am wichtigsten die krankhafte Erweiterung derselben (Lymphangiektasie) infolge von behindertem Abfluß der L., ferner die Verengerung und Verschließung der Lymphgefäße durch Druck von Geschwülsten und Verstopfung durch Konkremente, Krebs- und Tuberkelmassen, welche zu wassersüchtigen Anschwellungen der betroffenen Teile führt, und die Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis), welche meist von Entzündungen der Haut und des Zellgewebes sowie von vergifteten, mit zersetzten organischen Substanzen infizierten Wunden ausgeht, zu schmerzbafter Schwellung und Rötung des betroffenen Gliedes und fieberhaften Allgemeinstörungen führt und seltener in Zerteilung, meist in Eiterung übergeht. Man behandelt sie anfänglich mit kalten Umschlägen, Blutentziehungen und ruhiger Lagerung des erkrankten Körperteils. Hat sich aber einmal eine deutliche Infiltration gebildet, so muß die Eiterung durch warme Umschläge und warme Bäder befördert und der angesammelte Eiter durch einen möglichst frühzeitigen Einschnitt entfernt werden. Chronische Entzündung und Verdickung der Lymphgefäße findet sich bei der Elephantiasis (s. d.).

L. heißt auch die in den Kuhpockenbläschen enthaltene Flüssigkeit. (s. Impfung.)