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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lyonischer Draht; Lyonnais; Lyons; Lypemanie; Lyra; Lyrik

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Lyonischer Draht - Lyrik

von L., die von jeher Macht und Einfluß besessen hatten. Hier wurden 1247 und 1254 zwei wichtige Kirchenversammlungen gehalten. Die Erzbischöfe begaben sich jedoch 1274 unter franz. Schutz, und 1363 wurde Lyonnais förmlich mit Frankreich vereinigt. Mehr als jede andere Stadt Frankreichs litt L. in der ersten Revolution. Obschon das Volk 1789 das feste Schloß Pierre-en-Eise zerstörte, bewies sich die Stadt im ganzen doch sehr lau für die Revolution und trat endlich offen gegen das Schreckensregiment auf, indem sie 29. Mai 1793 die jakobinische Municipalität vertrieb. Doch schon im Aug. 1793 begann ein Heer des Konvents die Belagerung der Stadt, die sich 10. Okt. ergeben mußte. Die für schuldig Erachteten wurden zu Hunderten niedergeschossen, und der Konvent sprach über die Stadt, die den Namen Commune affranchie erhielt, die Vernichtung aus, deren Vollziehung Collot d'Herbois, Fouche und Couthon übertragen ward. Gegen 6000 Menschen wurden hingeopfert, und fünf Monate lang riß man die schönsten Gebäude nieder. Auch der 9. Thermidor war nicht ohne blutige Reaktionen. Nur langsam erholte sich die Stadt. Erst seit 1815 nahmen Handel und Seidenfabrikation großen Aufschwung. Außer der Konkurrenz, auf die L. in andern Ländern stieß, schadeten ihm namentlich die drei Aufstände 1831, 1834 und 1849. Der erste, der 21. Nov. 1831 ausbrach, ging von den Seidenwebern (cannuts) in der Vorstadt La Croix-Rousse aus und wurde erst durch die Ankunft des Marschalls Soult mit 20 000 Mann 3. Dez. unterdrückt. Im April 1834 brach ein neuer Aufstand aus. Die Republikaner verbanden sich mit den Arbeitern zum Sturze der Regierung, und erst nach fünftägigem erbittertem Kampf schlugen die Truppen den Aufstand nieder. Am 24. Febr. 1848 und 5. Juni 1849 brachen Volksaufstände aus, die mit den Pariser Tumulten in Verbindung standen. Auch 1870 kam es in L. zu blutigen Aufständen der Commune. Im Okt. und Nov. 1840, Mai 1856 und Dez. 1882 litt die Stadt unter Überschwemmungen. 1872 und 1894 fanden große Industrieausstellungen statt. Beim Besuch der letztern wurde Präsident Carnot 24. Juni 1894 ermordet.

Vgl. Clerjon, Historie de L. (6 Bde., Lyon 1829-38); Beaulieu, Historie du commerce, de l'industrie et des fabriques de L. (ebd. 1838); Monfalcon, Historie monumentale de L. (9 Bde., ebd. 1865-69); Metzger, Révolution française. L., notes et documents inédits (10 Bde., ebd. 1882-86); Raverat, Autour de L. (4 Serien, ebd. 1885-88); E. Elément, Topographie, climatologie etc. de L. (ebd. 1889); L. et la région lyonnaise (ebd. 1894); Steyert, Nouvelle historie de L. et des provinces de Lyonnais, ect. Bd. 1 (Par. 1895).

Lyonischer Draht, Lyonische Waren, s. Leonische Waren.

Lyonnais (spr. -näh), Grafschaft, s. Lyon (S. 420 b; Bergland von L., s. Rhône, Departement.

Lyons (spr. leiĕns), Edmund, Lord, brit. Admiral, geb. 29. Nov. 1790 zu Burton in Hampshire, trat in den Marinedienst und erhielt 1828 das Kommando der Fregatte Blonde, mit der er den Hafen von Ravarin blockierte und das Schloß von Morea zur Übergabe zwang. 1835-49 war L. Gesandter in Athen, 1849-51 in der Schweiz und darauf, nachdem er 1850 zum Konteradmiral ernannt war, in Schweden. Im Orientkrieg wurde er 1854 dem Oberbefehlshaber der brit. Flotte im Mittelländischen Meere, Admiral Dundas, als Zweitkommandierender zur Seite gestellt, kreuzte mit einem Geschwader an der tscherkess. Küste und besetzte 9. Mai Redut-Kale. Ausgezeichnete Dienste leistete er bei dem Transport des Heers nach der Krim sowie bei dem ersten Bombardement von Sewastopol, so daß er nach der Abberufung des Admirals Dundas (Jan. 1855) den Oberbefehl über die brit. Flotte erhielt. Er nahm Kertsch 24. Mai 1855 und wirkte mit beim Angriff auf Sewastopol 18. Juni. Seine letzte That in diesem Feldzuge war die Eroberung von Kinburn (17. Okt.). 1856 wurde er zum Peer erhoben und 1857 zum Viceadmiral befördert. Er starb 24. Nov. 1858 auf Arundel-Castle.

Lyons (spr. leiĕns), Richard Bickerton Pemell, Graf, engl. Diplomat, ältester Sohn des vorigen, geb. 26. April 1817 in Lymington, widmete sich der diplomat. Laufbahn, wurde 1839 Gesandtschaftsattaché in Athen, kam 1852 nach Dresden und 1853 nach Florenz, wo er erst als Legationssekretär, dann als Gesandter fungierte. Im Dez. 1858 ward ihm der Gesandtschaftsposten in Washington übertragen. Während des bald darauf ausbrechenden Bürgerkrieges entwickelte er dort großen Takt und diplomat. Umsicht und trug viel dazu bei, ein Zerwürfnis zwischen England und Amerika zu verhüten. 1865-67 war er Botschafter in der Türkei, 1867-87 in Paris. 1881 wurde er zum Viscount, 1887 zum Grafen L. erhoben. Aus Gesundheitsrücksichten trat er 1887 vom Amt zurück und starb 4. Dez. 1887. Mit ihm erlosch der Titel.

Lypemanie (grch.), soviel wie Melancholie.

Lyra, das älteste Saiteninstrument der Griechen, mit sieben Saiten bezogen, die mit dem Plektrum (einem Stückchen Holz oder Elfenbein) angerissen wurden. Von der Kithara unterschied sich die L. dadurch, daß sie einen runden, aus einer Schildkrötenschale gebildeten oder wenigstens schildkrötenförmigen Schallboden und zierlichere Formen hatte. Die Kithara diente mehr dem künstlerischen und gottesdienstlichen, die L. dem privaten und weltlichen Gebrauch. Die L. erscheint auch unter den Sternbildern (s. Leier). Nach dem Tode des Orpheus, der sie der Sage nach von Apollon erhalten hatte, ward sie von Zeus unter die Gestirne versetzt. - Vgl. von Jan, De fidibus Graecorum (Berl. 1861); Die griech. Saiteninstrumente (Saargemünder Programm, 1882). - Die Lira des 16. und 17. Jahrh. war ein Streichinstrument ähnlich der Viola, aber mit einigen Saiten mehr; die kleinere Art hieß Lira da braccio, die größere Lira da oder in gamba. - Über die L. in der Militärmusik s. Glockenspiele.

Lyra, Nikolaus von, s. Nikolaus von Lyra.

Lyrik oder lyrische Poesie, deren Name von dem griech. Saiteninstrument Lyra (s. d.) entlehnt ist, heißt diejenige Gattung der Poesie, die zum unmittelbaren Ausdruck des subjektiven Gefühlslebens einer Person oder eines Kreises dient. Es ist nicht zu bezweifeln, daß L. infolgedessen Ausgangspunkt aller Poesie war. Die Beobachtung der Naturvölker lehrt, daß lyrische Gesänge, verbunden mit Musik und Tanz, die älteste poet. Produktion bilden, und dazu stimmt auch bei den Indogermanen das hohe Alter ihrer hymnischen Dichtungen (Rigveda). Die Schnadahüpfl des bayr. Gebirges, die auch von Gesang und Sprüngen begleitet sind, mögen ein Bild einfachster L. geben. Die Verbindung mit dem Tanz hat sich längst, die mit der Musik noch bis heute nur zum Teil gelöst; in ältern