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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Madagaskarigel - Mädchengymnasien
dete Reich dcr Howa, besonders znr Zeit der
Königin Ranavälona I. Am 27. Juni 18l>5 schloß
England einen Vertrag, in dem die Königin Raso-
berina auch die Abschaffung der Giftprobe und die
gänzliche Aufhebung des Sklavenhandels versprach.
Sämtliche Rechte, die der Vertrag den Engländern
gewährt, sollen sich auch auf alle andern Nationen
erstrecken. Ihre Nachfolgerin Ranavälona II. lieft
sich 21. Febr. 1869 mit einem großen Teil des Adels
taufen. Ihr folgte 1883 ihre^Schwestertockter Ra-
navalona III. Die Ablehnung der Forderung, die
franz. Schutzherrschaft über M.s Ostküstc anzuer-
kennen, fübrte 1883 zu Feindseligkeiten, die mit der
Einnahme Tamataves durch die Franzosen und der
Blockade der Ostküste begannen und obne großen
Erfolg für die Franzosen bis Febr. 188<; dauerten.
Durch den Friedensvertrag wurde das franz. Pro-
tektorat über M. ausgesprochen. Die Franzosen er-
bielten den Hafen Diego-Suarcz (s. d.) abgetreten,
der mit Nossi-Ve und Ste. Marie politisch vereinigt
und einem Gouverneur unterstellt wurde. Der nun
folgende Friedenszustand ermöglichte eine bessere
Erforschung des Innern, die vor dem Krieg schon
durch Grandidier (18l>8-69) angebahnt wuvde. In
neuerer Zeit durchquerten Calat und Maistre (1889
-90) die Insel mehrfach und brachten besonders
über den Süden neues Licht (vgl. die Beschreibung
in "1.6 lour 6u Non(i6", 1893,'Bd. 65, S. 1-61),
später erforschten Gautier, Vrisson und Douliot be-
sonders den Westen. Die unbotmäßige Haltung
der Howa zwang Frankreich Anfang 1895, eine neue,
große Expedition nach M. auszurüsten. Den Ober-
befehl führte General Duchesne. Nach außerordent-
lich großen Verlusten, die weniger durch die Kämpfe
mit den Eingeborenen als durch mangelhafte Ver-
pflegung und Krankheiten veranlaßt wurden, gelaug
es den Franzosen Ende September, bis zur Haupt-
stadt Tananarivo vorzudringen, die alsbald kapi-
tulierte. Die Königin Ranavälona unterzeichnete
hierauf den Friedensvertrag, worin sie das franz.
Protektorat anerkannte und sich mit der Aufsicht
Franli^chs über die innere Verwaltung einver-
standen erklärte. Im Jan. 1896 wurde der franz.
Vertrag mit M. dahin abgeändert, daß das Pro-
tektorat aufgehoben und M. für eine franz. Be-
sitzung erklärt wurde, wobei die Stellung der Köni-
gin jedoch unangetastet blieb.
Litteratur. Ellis, llißtoi^ ot' N. (2 Bde., Lond.
1838); ders., I'In-66 vi8it8 tc> N. (ebd. 1858);
Barbie du Vocage, N., p088688ion i'i-an< Hi86 ä"imi8
1642 (Par. 1859): Ida Pfeiffer, Reise nach M.
(2 Bde., Wien 1861); lli8toii-" pKMhu", nawi-6ll6
6t Politici ä6 N., hg. von Grandidier (Par.
1875fg.); Sibree, M., Geographie, Naturgeschichte,
Ethnographie der Insel (Lpz. 1881); La Vaissiere,
Hi8toii'6 ll6 N.: 868 Ii"1)itHIit8 6t 868 ^188101111^1168
(2 Bde., Par. 1884); Oliver, N. ^n 1ii8t0i'iclil lliiä
l^scri^tivo tlccount ol tlio i8illN(1 iliid itg toiin^i'
ll6p6nä6nci63(2Vde.,Lond.1886);Martineau,^I^
äa^8cai- (Par. 1894); Humbert, N. I: 1^116 6t 868
Kaditant8) II: I^g, ä6ini6i'6 ^16116 ti'lnico - Iiovll,
1883-85 (ebd. 1895); Brunet, I.H ^ianc6 ü^ N.
1815-95 (ebd. 1895); Colin und Sua, N. 6t 1a
ini83ion c^tlioli^uL (ebd. 1895); Piolet, ^>I. -. 8Ä ä68-
^i'iption, 868 Iiadiwnt8 (ebd. 1895); Viaude, 1"iv6
V6ar8 in ^VI. (Lond. 1895); Knight, ^1. in ^vln- tim6
lebd. 1896). Von der Londoner Missionsgesellschaft
wird seit einigen Jahren ""IQ6 ^.ntÄnaiiÄi'ivo ^n-
nu^I anä ^Iaäll^38c2i' ^lll^axins" herausgegeben.
Madagaskarigel, auch Borstenigel (^6ut6-
tiäi)6j, eine kleine, auf Madagaskar vorkommende
Familie der Insektenfresser, deren etwa 8 Arten
vom Habitus des Igels sind, wie dieser ein, aber
schwächeres, Stachelkleid besitzen, sich jedoch nicht
zusammenrollen können. Die Eckzähne sind bei den
säst oder ganz schwanzlosen Formen sehr stark, ähn-
lich wie bei den Raubtieren.
Die bekannteste Art, der Tanrek ((^6nt6t68
6cauällw8 ///?>/., s. Tafel: Insektenfresser,
Fig. 2), ist 24-28 cm lang, von heller, gelb-
brauner Farbe mit schwächern Stacheln und mehr
echten Haaren als unser Igel. Er wird in seinem
Vatcrlande oft gegessen. Man vereinigt neuer-
dings mit den M. eine westindische, auf Cuba und
Haiti vorkommende Gattung (so^uoclori), deren
Arten noch nicht vollständig erforscht sind; die be-
kannteste (soi6N0tIou Mi'aä()xu8 A?-a,iH) ist etwa
30 s'in lang, mit einem 18 "n messenden Schwanz,
die Schnauze ist vorn nackt, rüsselartig verlängert;
das Haarkleid hat noch keine eigentlichen Stacheln,
sondern nur starre Borsten differenziert. In den
Tertiärschichten (Miocän) der Auvcrgne hat man
fossile Reste ähnlicher Formen gefunden.
Madagaskarweber oder S charlachweber,
f. Webervögel.
Madala, Stadt im Großherzogtum Sachsen-
Weimar, s. Magdala.
Madame, s. Dame.
Madar, Mudarpflanze, s. (^Ioti'0i)i8.
Madarösis (grch.), f. Haarfchwund.
Mädchengymnasien, Unterrichtsanstalten, in
denen Mädchen Gelegenheit gegeben wird, nach
Absolvierung der höhern Töchterschule oder eines
Teiles derselben zur Vorbereitung für das Nni-
versitätsstudium einen Gymnasialkursus durchzu-
machen. Sie sind sämtlich in jüngster Zeit ent-
standen und zwar ohne Beihilfe des Staates, ledig-
lich von Privaten begründet. Das älteste derselben
ist das im Sept. 1890 eröffnete Mädchengymnasium
zu Prag, eine Schöpfung der czech. Nationalität.
Die Anstalt hat sechsjährigen Lehrgang, bei Ein-
tritt mit Vollendung des 12. Lebensjahres; sie be-
steht aus einer zweijährigen Vorbereitungsschule so-
wie einer vierjährigen Oberabtcilung. Das Schwer-
gewicht der Stundenzahl ist dem latein., griech. und
matdcm. Unterricht sowie der czech. Sprache zu-
geteilt', die deutsche ist nicht verbindlich. Der Lehr-
gang ist noch nicht durchgeführt, sowenig wie der-
jenige der weiterhin aufgeführten Anstalten. Die
Scklußprüsung wird bei einem Knabengymnasium
abgebalten, jedoch ist bereits von seiten der Staats-
behörde den Scbülerinnen, die den zweiten Jahr-
gang der Oberabteilung gut bestanden haben, ge-
stattet worden, als Apothekerlehrlinge einzutreten.
- Das zweite Mädchengymnasium, dasjenige zu
Wien, wurde durch den Verein für erweiterte
Fraueilbildung begründet; dcr Unterrichtsminister
gab seine Zustimmung, ohne doch die Verbindlichkeit
zu übernehmen, daß die reif befundenen Schüle-
rinnen zum akademischen Studium zuzulassen seien;
der Wiener Gemeinderat gewährte die erforderlichen
Räumlichkeiten; die Anstalt wurde im Herbst 1892
eröffnet. DerLebrgang ist sechsjährig, zur Aufnahme
ein Alter von wenigstens 14 Jahren ersorderlick;
die letzte Klasse ist, abgesehen von den Sprachen,
der Wiederholung gewidmet. - Das erste deutsche
Mädchengymnasium ist dasjenige zu Karlsruhe,
eröffnet vom Verein Frauenbildungsreform im Sept.