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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ma foi; Mafia; Mafia (Insel); Mafiosi; Mafiti; Mafra; Mafra (Berg)

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Mafia – Mafra

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Maffei (Francesco Scipione)'

studierte im Jesuitenkolleg zu Parma und giug 1698 nach Rom, ward in die Arcadia aufgenommen und gewann großen Beifall durch ein Gedicht auf die Geburt des Prinzen von Piemont (Rom 1099). In bayr. Kriegsdienste machte er 1704 die Schlacht von Höchstädt mit. Nach seiner Rückkehr schrieb er «Della scienza chiamata cavalleresca» (Rom 1710), Untersuchungen über die Bräuche der Alten bei Zwistigkeiten zwischen Privatpersonen. Großen Beifall fand die in franz. Geschmack geschriebene Tragödie «Merope» (Mod. 1714 u.ö.). Auch das Lustspiel «La cerimonie» hatte Erfolg. Um das Studium der griech. Sprache unter seinen Landsleuten zu beleben, berief er Lehrer, die er auf seine Kosten in Verona unterhielt. Die Entdeckung wichtiger Handschriften in der Domkirche zu Verona führte ihn auf das Studium der Diplomatik, dem sein gelehrtes Werk «Verona illustrata» (4Tle., Verona 1731–32; 5 Tle., Mail. 1825–27) zu verdanken ist. Nach dessen Beendigung bereiste er Frankreich, England, Holland und Deutschland. Er starb 11. Febr. 1755 in Verona, wo ihm auch ein Denkmal errichtet ward. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien zu Venedig (21 Bde., 1790). – Vgl. Pindemonte, Elogio del Marchese Scipio M. (in den «Elogi de letterati italiani», I, Verona 1825).

Mafīa, ein Geheimbund in Sicilien, Gegenstück zu der Camorra (s. d.) in Unteritalien. Entstanden, wie einige meinen, aus den «Compagnie d'armi», welche seit Jahrhunderten die eigentliche sicil. Polizei war, die dann Ferdinand I. besonders gegen die revolutionäre Partei verwendete, wurde die M. nach Aufhebung der Selbständigkeit Siciliens (1815) zu einer Art Volkspolizei. Auch nachdem Garibaldi 1860 die Compagnie d'armi aufgelöst hatte, blieb die M. bestehen; und die Versuche 1875, sie durch Errichtung einer besondern Kommission, und 1876 unter Nicotera, sie durch einen energischen Präfekten auszurotten, scheiterten. Vor der alten, festbegründeten und wohleingerichteten Verbindung scheut sich noch heute namentlich das niedere Volk in Sicilien mehr als vor den Gerichten. Die M. steht unter Häuptlingen, ihre Mitglieder nennen sich selbst «Giovani d'onore» (junge Ehrenmänner) und heißen im Volk Mafiosi; sie verpflichten sich, nie bei der Regierung zu klagen oder vor Gericht Zeugnis abzulegen; die mit der Ausführung von Gewaltthaten Beauftragten heißen «Malandrini» (schlechte Kerlchen). Ihre Macht und ihr Ansehen erhält die M. aufrecht einerseits dadurch, daß sie nur Leute aufnimmt, die eine Probe ihres hartnäckigen Widerstandes gegen die Gesetze und in einem Messerzweikampf ihres Mutes abgelegt haben, andererseits dadurch, daß sie Leuten, die sich in ihren Schutz stellen, insbesondere Gutsbesitzern, welche Mafiosi zu Bediensteten nehmen, unbedingte Sicherheit, auch vor den Gerichten und der Polizei, gewährt, ebenso aber mit ihrer sichern Rache Leute erreicht, welche Mafiosen verraten oder sonst schädigen. Die M. ist bis in die höchsten Gesellschaftskreise hinein verzweigt und beabsichtigt, außer dem Selbstschutz der Genossen, sich die Schwachen dienstbar zu machen und von den Reichen Geld zu erpressen. – Vgl. Bonfadini, Relazione sulle condizioni della Sicilia (Rom 1876); Franchetti und Sonnino, La Sicilia nel (2 Bde., Flor. 1878); Umiltà, Camorra et M. (Neuchâtel 1878); Villari, Lettree meridoniali (Tur. 1885); Alongi, La M. (ebd. 1886). ↔

Mafia, eine 527 qkm große, zu Deutsch-Ostafrika gehörige, an Kokospalmen reiche, sehr fruchtbare Insel östlich von der Mündung des Rufiji.

Mafiōsi, s. Mafia.

Mafiti (Maviti, Masitu), ein Stamm der Zulukaffern, der Mitte der zwanziger Jahre von der südl. Ostküste Afrikas auswanderte, den Sambesi und Rovuma überschritt und sich die Völkerschaften östlich vom Njassasee bis zum Ruaha, einem Nebenfluß des Rufiji, unterwarf. Die M. traten überall als unbesiegbare, wilde Kriegshorden auf, Schrecken verbreitend durch ihren kriegerischen Aufputz, ihre Waffen, ihr Schlachtgeschrei und durch die Plötzlichkeit ihrer Überfälle. Wenn auch einzelne ihnen nicht stammverwandte Stämme ihre Kriegsweise nur nachahmten, um gleich ihnen die nächstliegenden Ortschaften mit Entsetzen zu erfüllen und mit Leichtigkeit auszuplündern, so sind jedenfalls die gefürchteten Yao südlich und nördlich vom Rovuma, die Wagwangwara östlich vom Njassasee und die Wahehe (Wahähä oder Mahenge) im Ouellgebiet des Ulanga (Rufiji) und Ruaha wegen auffallender Ähnlichkeit somatischer Merkmale als solche Völkerschaften zu betrachten, die aus anfänglichen Nachäffern der Zulukaffern durch starke Vermischung zu wirklichen M. geworden sind.

Die M. zeichnen sich von den Bantunegern Deutsch-Ostafrikas durch hellere, kaffeebraune Hautfarbe und durch feinern Gesichtsschnitt aus. Sie üben die Beschneidung und tättowieren sich. Ihre Waffen sind: Stoßlanzen, Wurfspeere mit Widerhaken, Keulen, große ovale Schilde von ungegerbter Rindshaut. Ihre Kleidung besteht aus einem Lendenschurz von Rindenstoff oder Affenhäuten; die Weiber tragen Armbänder aus Messingdraht. Ziehen sie zum Kampf aus, so umwinden sie das Haupt mit einem mächtigen Kranz von Federn, werfen ein Leopardenfell über die Schultern und bemalen sich mit grellen Farben das Gesicht. Ihre reinlich gehaltenen Hütten bauen sie rund oder viereckig auf mit kegelförmigem Strohdach. Tote werden in eine Grube im Dickicht geworfen. Die M. in Mahenge und Uhehe (die Wahehe) bedrohten schon mehrmals die deutschen Stationen in Usaramo, Khutu und Usagara. Gravenreuth schlug sie zweimal westlich von Bagamojo im Okt. 1889; Lieutenant von Zelewski erlag ihnen im Aug. 1891 bei Mdawaro in Uhehe, Lieutenant Brüning im Okt. 1892 bei Kilosa in Usagara, Oberstlieutenant von Schele durchzog im Frühjahr 1894 ihr Gebiet bis zum Njassa. (S. auch Watuta.)

Ma foi (frz., spr. -fŏá), meiner Treu!

Mafra, veralteter Name eines Berges an der Biafrabai (s. d.).

Mafra, Flecken mit (1878) 3021 E. in der portug. Provinz Estremadura, 40 km nordwestlich von Lissabon, in dürrer Gegend, ist wegen des Klosterpalastes berühmt, den Johann V. 1717–31 für etwa 43 Mill. M. aufführen ließ. Dem Escorial ähnlich, 251 m lang und 221 m breit, enthält er 866 Gemächer und 5200 Fenster. Die Kirche aus Marmor ist 61 m lang, 45 m breit, mit 58 Statuen von karrarischem Marmor und Kunstschätzen geschmückt und mit zwei Glockentürmen versehen. Das frühere Franziskanerkloster enthält 300 gewölbte Zellen. Bei dem königl. Palast (im rechten Flügel) befinden sich auf der Seeseite große Parkanlagen und Jagdgehege, im Park eine Musterwirtschaft und in einem Teile des Gebäudes eine Offiziersschule und eine wertvolle Bibliothek (50000 Bände).