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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Mahlzwang; Mähmaschinen; Mahmud I; Mahmud II

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Mahlzwang - Mahmud II.

Darminhalts beschleunigen, ferner hat die Verteilung den Vorteil, das; von Zeit zu Zeit die Zersetzung im Körper gesteigert wird und die Menge verfügbarer Kraft zur Arbeit wächst. Für die meisten Menschen genügen drei bis fünf M. während des Tages. Ausschließlich von Vegetabilien lebende Menschen (Vegetarier) müssen häufiger M. halten, da wegen des großen Volumens ihrer Kost während einer Mahlzeit ohnehin viel mehr verzehrt werden muß. Ebenso muß bei Rindern unter Umständen die Zahl der M. vermehrt sein, da ihre kleinern Verdauungsorgane weniger Fassungsvermögen besitzen, der Nahrungsbedarf aber wegen des Wachstums ein verhältnismäßig größerer ist als bei Erwachsenen. Bei Abnahme der Funktion der Verdauungsapparate bei Kranken und alten Leuten sind ebenfalls öftere M. geboten. Die einzelnen M. werden meist morgens, mittags und abends gehalten, zwischen Morgen- und Mittags- und Mittags- und Abendmahlzeit wird häufig noch je eine Mahlzeit (Frühstück und Vesper) eingeschaltet. Die Hauptmahlzeit ist das Mittagsmahl. Bei nur drei M. soll die Mittagskost etwa die Hälfte der ganzen Tageskost betragen. Sitte und Lebensverhältnisse bedingen, daß die M. vielfach sämtlich gegen den Abend verschoben werden; bei den Landbewohnern tritt wegen des Beginns der Arbeiten in den frühen Morgenstunden die umgekehrte Erscheinung, eine Verschiebung gegen den Morgen ein. Unmittelbar nach den M. zu arbeiten oder sofort nach der Abendmahlzeit sich zur Ruhe zu begeben, gilt allgemein als unzweckmäßig. Doch lassen sich feste Regeln hierüber nicht aufstellen, da Art der Mahlzeit, sonstige Lebensweise, Gewöhnung und andere Momente für diese Frage mit in Betracht kommen.

Mahlzwang, s. Bannrechte und Mühlenrecht.

Mähmaschinen, Maschinen zum mechan. Ersatz der sehr schwierigen und ermüdenden Arbeit des Mähens. Plinius und Palladius erwähnen schon Messerwagen, mit welchen die Gallier ihr Getreide abzubringen pflegten. Die ersten vollendetern M. wurden 1807 von James Smith, 1828 von John Bell in England konstruiert. Dieselben wollten aber keinen allgemeinen Eingang finden. Erst 1846 gelang es dem Amerikaner MacCormick, brauchbare M. zu erfinden, die seit der Londoner Industrieausstellung (1851) immer größere Vervollkommnung und Verbreitung gewonnen haben. Ihre Konstruktion beruht auf dem Princip einer feingezahnten, raschbewegten Messersäge, die durch ein von dem Laufrad der Maschine bewegtes Triebwerk rasch hin und her geschoben wird und die gegenstehenden Halme oder Blätter abschneidet. Man unterscheidet Grasmähmaschinen und Getreidemähmaschinen. Erstere bestehen nur aus der Sägenklinge mit den Getrieben (s. Tafel: Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen II, Fig. 10). Bei den Getreidemähmaschinen fallen die abgeschnittenen Halme auf eine Plattform, von der sie durch kreisende Rechenarme in Gelege abgestrichen werden. (S. Taf. III, Fig. 1.) In neuerer Zeit hat man in Nordamerika, woselbst sie außerordentlich verbreitet sind und am besten gebaut werden, besondere Garbenbindevorrichtungen mit den Getreidemaschinen oder Erntemaschinen verbunden. (S. Garbenbindmaschine.) Die Maschine besitzt zwei Fahrräder, deren Reifen mit Querstäben versehen sind, um ein Gleiten zu verhindern. Durch das Gewicht des Kutschers, der über dem Triebwerk seinen Sitz hat, wird die eigentliche Schneidevorrichtung balanciert. Die Radachse ist zugleich Antriebswelle, das Triebwerk zwischen den Rädern ist bei den neuern Maschinen gut gedeckt und setzt eine Kurbel in Bewegung, durch die die Sägemesser rasch hin und her bewegt werden. Die Schnittbreiten der Grasmähmaschine betragen etwa 1,35 m. Der Preis solcher M., die auch zum Schneiden von Klee u. dgl. angewendet werden, beträgt 3-400 M. Die bekanntesten Konstruktionen sind die von Wood und Burkeyl. Die Leistungen der Grasmähmaschinen betragen im Mittel 3,5 bis 4,5 ha pro Tag bei genanntem Preise, die der Getreidemähmaschinen 2,5 bis 5 ha bei einem Preise von 1000 bis 800 M., während die kombinierten Gras- und Getreidemähmaschinen 800-1000 M. kosten. Zum Abmähen des Grases auf den Rasenplätzen in Parks hat man jetzt vielfach M., die durch die Hand in Betrieb gesetzt werden (Rasenmähmaschinen, s. Gartengeräte und Tafel: Gartengeräte, Fig. 24 u. 25). - Vgl. Perels, Die Erntemaschinen (Heft 3 des "Handbuchs zur Anlage und Konstruktion landwirtschaftlicher Maschinen", Lpz. 1863); Wüst, Die Leistungen der M. (Berl. 1875); ders., Die M. der Neuzeit (Lpz. 1875).

Mahmud I., türk. Sultan (1730-54), Sohn Mustaphas II. und Nachfolger Achmeds III., geb. 1696, kam 1730 durch einen Janitscharenaufstand auf den Thron. Nachdem er sich zunächst des Anführers der Meuterer, Patrona Khalil, nebst angeblich 16 000 seiner Anhänger durch ein furchtbares Blutbad entledigt hatte, schloß er, da ein Krieg mit Rußland drohte, mit Nadir (s. d.), Schah von Persien, Frieden und gab ihm die eroberten Provinzen wieder heraus. 1736-39 führte er gegen die mit Kaiser Karl VI. verbündete Zarin Anna Iwanowna einen Krieg, worin er Nordserbien und die Kleine Walachei zurückeroberte. Die dann folgende Zeit der Ruhe benutzte er zu Werken des Friedens. M. starb 1754 und hinterließ den Thron seinem Bruder Osman III. (S. Osmanisches Reich.)

Mahmud II., türk. Sultan (1808-39), geb. 20. Juli 1785 als zweiter Sohn Abd ul-Hamids I., gelangte nach der Absetzung und Ermordung seines Bruders Mustapha IV. als einziger Sproß des Hauses Osman 1. Aug. 1808 auf den Thron. Die Monarchie befand sich bei seiner Thronbesteigung in elendester Lage, in Ägypten, Syrien, Bagdad, Kleinasien und sonst hatten sich Sonderherrschaften gebildet, welche nur teilweise in Abhängigkeit vom türk. Reiche standen. Die Serben fochten mit Glück für ihre Unabhängigkeit, und Rußland, das seit 1806 die Pforte mit Krieg überzog, hielt die Moldau und Walachei besetzt und drang in Bulgarien ein. Die Russen kämpften mit geringem Erfolg, und der Ausbruch des Krieges mit Napoleon nötigte sie, 28. Mai 1812 mit der Pforte den Frieden zu Bukarest (s. d.) zu schließen. M. bekam dadurch freie Hand, sich den innern Reformen zuzuwenden, und ließ sich vor allen Dingen die Wiederherstellung der Reichseinheit angelegen sein. Ein großer Erfolg war die Vernichtung des mächtigen Ali (s. d.) Pascha von Jannina; indessen war dem Sultan bereits in dem für seine Freiheit kämpfenden Griechenland (s. d., Geschichte) ein weit gefährlicherer Feind erstanden. Die Niederlagen seiner Armeen in Livadien und Morea beschleunigten die Ausführung einer längst vorbereiteten Militärreform, die, nach blutiger Vertilgung der Jani-^[folgende Seite]