Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

499
Mainzer Fluß - Maipure
ten Fronten mit detachierten Lüuetten. Weiter be-
steht die Befestigung der rechten Rheinseite aus den
Forts Alte und Neue Mainspitze, dem von der
Mainmündung bis Kastel sich hinziehenden An-
schlußwall mit den drei Rheinschanzen, dem ober-
halb Kastel gelegenen und mit diesem durch ein
AnMußglacis verbundenen Fort Grosiherzog von
Hessen. Das bei Erbenheim auf dem Petersberge
gelegene weit vorgeschobene Fort Viehler ist ein
modernes selbständiges Fort. Von den Befestigun-
gen auf den Rheininseln ist die bedeutendste der
erdummantelte Petersauer Turm auf der Peters-
aue. Die innere Hauptumwallung von M. ist nach
S. zu durch das große Fort Weisenau und das
Weisenauer Lager sowie durch die kleinen Forts ge-
sichert. Etwa 1000 m vorwärts der Mitte des ge-
samten nach SW. gerichteten Teils der Enceinte
liegen die Forts Vingen und Gonsenheim.
Geschichte der Stadt und des Erzbis-
tums. An der Stelle, wo jetzt M. liegt, legte 13
v. Chr. Drusus ein Kastell, Nn<;0ntiacuiu, an. Unter-
halb desselben entstand eine Stadt, die während
der Völkerwanderung mehrfach zerstört wurde und
zwei Jahrhunderte in Trümmern blieb. Den Grund
zu ihrem Emporblühen legte Bonifatius durch Grün-
dung des Erzbistums, dessen Erzbisckof der erste
der drei geistlichen Kurfürsten und des Reichs Erz-
kanzler in Deutschland ward; das Erzbistum um-
faßte bis zur Zeit des Luneviller Friedens eine Fläche
von 8260 hkm mit 300000 E. Die kurmainzischen
Länder lagen auf dem rechten und linken Rheinufer
und in den Maingegenden zerstreut; ferner gehörten
dazu Erfurt und das Eichsfeld. Unter den Erz-
bifchöfen und Kurfürsten sind von hervorragender
Bedeutung: Vonifatius, 747zum Erzbischoferhoben;
Hrabanus Maurus, 847-856; Hatto I., 891-913;
Willigis, gest. 1011, der Erbauer des Doms; Adal-
bert I., 1112 - 37; Konrad I. von Wittelsbach,
1101-1200; Werner von Eppstein, 1259 - 84;
Adolf I. von Nassau, 1373-90; Johann von Nassau,
1397-1419; Diether von Isenburg, 1459-63 und
1475-82; Albrecht von Brandenburg, 1514-45;
Joh. Philipp von Schönborn, 1647-73; Friedrich
Karl von Erthal, der letzte Kurfürst, der 1802 starb.
Durch den Frieden zu Lunsville wurde 1801 der
linksrhein. Teil des Erzbistums an Frankreich ab-
getreten; im Reichsdeputationshauptschluß wurde
1803 der erzbischöfl. Stuhl nach Regensburg über-
tragen und der Koadjutor Dalberg^s. d.) für das
an Preußen abgetretene Eichsfeld mit Erfurt durch
Aschaffenburg, Wchlar u. a. entschädigt. Schon vor-
der war das Erzbistum M. zu einem'Bistum degra-
diert, das bis 1829 unter Mecheln stand, seitdem
zum Erzbistum Freiburg geHort.
Die Stadt M. hatte sich schon früb kräftig ent-
wickelt. In der Mitte des 13. Jahrh, stellte sie sich
an die Spitze des Rheinischen Städtebundes. Durch
Gutenberg wurde sie die Wiege der Vuchdruckerkunst.
Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt 1631
vom Könige von Schweden, der die Gustavsburg
anlegte, 1635 von den Kaiserlichen und 1644 von
den Franzosen erobert. 1688 nahmen sie die Fran-
zosen wieder ein, denen sie aber 1689 die Sachsen
und Bayern entrissen. Am 21. Okt. 1792 fiel die
Stadt in die Hände des franz. Generals Custine,
doch wurde sie 23. Juli 1793 wieder von den Preu-
sien unter Kalckreuth genommen. Von den Fran-
zosen 1794 eingeschlossen, befreite sie 1795 der österr.
Feldmarschall Clerfayt. Am 29. Dez. 1797 nah-
men sie die Franzosen abermals. Durch den Lune'-
villcr Frieden von 1801 wurde die Stadt an Frank-
reich überlassen, vom 2. Jan. bis 4. Mai 1814 von
den Verbündeten belagert und nach hartnäckigein
Widerstand erobert. Durch den Wiener Kongreß
wurde M. zur Festung des Deutschen Bundes er-
Ilärt und 1816 dem Großherzog von Hessen zuge-
sprochen, blieb aber Bundesfestung und wurde von
österr., preuß. und Hess. Truppen gemeinschaftlich be-
setzt. Infolge der Karlsbader Beschlüsse versammelte
sich in M. 1819 die Ccntral-Untersuchungskommis-
sion zur Ermittelung der sog. Demagogischen Um-
tricbc, die 20. Sept. 1828 ohne Ergebnis ihre Be-
mühungen einstellte. Durch die Explosion eines
Pulverturms wurde 18. Nov. 1857 ein Teil der Stadt
zerstört. Kurz vor Ausbruch des Deutschen Krieges
verließen im Juni 1866 die österr. und preuß. Trup-
pen dieFestung, worauf diese von Truppenteilen des
8. Vundesarmeckorps besetzt wurde. Mit Beendi-
gung des Krieges rückten nach Übereinkunft Preußen
ein, die durch Friedensvertrag im August das allei-
nige Besatzungsrecht erlangten. Nach Abschluß der
Militärkonvention vom 8. Juni 1871 mit Zessen-
Darmstadt beteiligten sich auch Hess. Truppen an der
Besatzung.
Litteratur. Würdtwein, Vi06068i8 NoFun-
tnM,Tl.1-3(Mannh.1767-77);Ioannis,R6lum
^loZuntiHclN'uui 8ci'ipt0r68 (3 Bde., Franks. 1722
-27); Werner, Der Dom von M. und seine Denk-
mäler, nebst Darstellung der Schicksale der Stadt und
der Gesckicbte ihrer Erzbischöfe (3 Bde., Mainz 1827
-36); Schaab, Geschichte der Stadt M. l2 Bde.,
ebd. 1841 - 44); ders., Geschichte der Vundes-
festung M. (2. Aufl., ebd. 1855); Klein, Geschichte
der Stadt M. während der ersten franz. Occupation
1792-93 (ebd. 1861); Iafft, Noinimkuta NoFun-
tina. (Bd. 3 der "Vidliotlikca rornrn F6rmanic3,i'iiiii",
Berl. 1866); Vockenheimer, Beiträge zur Geschichte
von M. (6 Hefte, Mainz 1874-82); ders., Die Wie-
dereroberung von M. durch die Deutschen 1793 (ebd.
1893); dcrs.', Geschichte der Stadt M. während der
zweiten franz. Herrschaft 1798-1814 (ebd. 1890);
ders., Die Mainzer Klubbisten der Jahre 1792 und
1793 (ebd. 1896); Fr. Schneider, Der Dom zu M.
(Berl. 1886); Vörckel, Mainzer Geschichtsbilder.
Skizzen denkwürdiger Personen und Ereignisse von
1816 bis zur Gegenwart (Mainz 1889); Böhmer, Re-
gesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe (Bd. 1
u. 2, bearbeitet von Will, Innsbr.1877-86); Hen-
nes, Die Erzbischöfe von M. (3. Aufl., Mainz 1879);
Chuquet, U^nco 1792 - 93 (Par. 1892). Die
Mainzer Chroniken des 14. bis 16. Jahrh, sind von
Hegel (nebst einer Verfassungsgeschichte von M. im
Mittelaltcr) in den "Chroniken der deutschen Städte",
Bd. 17 u. 18 (Lpz. 1881^-82) herausgegeben.
Mainzer Fluß, s. ^traß.
Mainzer Katholikenverein, s. Piusverein.
Mainz-Ludwigshafener Bahn, s. Hessische
Ludwigs-Eisenbahn.
Maw, eine der Kapverdischen Inseln (s. d.).
Maipo, Vulkan, in 34" 11/ südl. Br., in der Cor-
dillere von Chile, 5416 m hoch; am Fuß entspringt
der 210 km lange Fluß M., der die chilen. Provinz
Santiago durchstießt.
Mai^üre (Maypure), gefürchteter Indianer-
stamm Südamerikas, vielleicht den Kariben ver-
wandt, wobnhaft im Quellgebiet des Meta und
Guaviare, Zuflüssen des Orinoco, im Territorium
San Martin des Freistaates Columbia.
32 ^