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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Majorca - Majoristen
mögensinbegrisf, in dessen Besitz gefolgt wird, M.
genannt. Derjenige, welcher als Sondernachfolger
berufen ist, heißt Majoratserb e. Eine solche
Folgeordnung pflegt sich auf Stiftung oder.herkom-
men zu gründen, sog. 8ucc638io 6x Mcw 6t provi-
<wmiH maM-uin, d. h. Nachfolge auf Grund einer
oertragsweisen Festsetzung und fürsorglichen An-
ordnung der Vorfahren. M. finden sich vorzugs-
weise bei Lehngütcrn und Familienfide'ikommissen
(s. d.), übertragen auch bei Bauerngütern.
Unterschieden werden M. im engern Sinne und im
weitern Sinne. Bei dem M. im weitern ^inne
entscheidet das höhere Lebensalter für die Nach-
folge uur einer Person aus einer bestimmten Fa-
milie, und zwar entweder das Lebensalter allein
oder in Verbindung mit andern Umständen. Ist
der Vorzug so bestimmt, daß immer der Erstgeborene
und seine Abkömmlinge den später Geborenen und
dessen Abkömmlinge ausschließen, so wird von
Primogenitur gesprochen. Ist der Vorzug so
bestimmt, daß das Lebensalter ohne Rücksicht auf
Linie und Gradesnähe maßgebend ist, so spricht
man von einem Seniorat. Entscheidet die Nähe
der Verwandtschaft, jedoch dergestalt, daß unter den
mehrern gleich nahen Verwandten der dem Lebens-
alter uach älteste zur Folge berufen ist, so wird dies
ein M. im engern Sinne genannt. Bei dem
hohen Adel pflegt die Verwandtschaft mit dem letz-
ten Besitzer nach der Linie maßgebend zu sein. Bei
Bauerngütern kommt dagegen in manchen Gegenden
ein Iuniorat oder Miuorat vor. (S. Iüngstenrecht.)
Da nicht selten Stiftungsurkunden die Quelle
des M. sind, so finden sich auch gemischte Nechts-
bildungen. Die Majoratsgüter sind in der Regel
nicht teilbar, auch nicht veräusicrlich. Das Preuft.
Allg. Landr.II, 4, §. 140, bestimmt, daß künftig Se-
niorate nicht mehr angeordnet werden sollen. Das
Osterr. Bürgert. Gesetzb. 8§.619 fg. kenntPrimogeni-
tur, M. und Seniorat, und stellt eine Vermutung für
Primogenitur, allenfalls aber für das M. auf, so daß
im Zweifel ein Seniorat nicht anzunebmen ist. In
Bayern ist nach dem Edikt vom 20. Dez. 1811 die
Errichtung ueuer Familienfidei'kommisse nur dem
Adel und lediglich in der Form der gesetzlich ge-
regelten M. gestattet. - Vgl. Lewis, Das Recht des
Familienftde'ikommisses (Berl. 1868), S. 365,369 fg. -
Stobbe, Handbuch des deutschen Privatrechts, V
(2. Aufl., ebd. 1885), §§. 321, 322.
Majoren, Baleareninsel, s. Mallorca.
A^or Äonius (lat.), deutsch durch Hans-
meier, sranz. durch Naii-6 än MlHig übersetzt, war
, im Fränkischen Reiche unter den Merowingern der
Titel des ersten Hos- und Staatsbeamten, dessen
deutscher Name Seneschalk oder Truchseß ihn als
Haupt des Dienstgefolges (der ti-nztiz) bezeichnet. Er
war von bedeutendem Einfluß auf die königl. Ecken-
tungcn und Bencficicn, vertrat auch vielfach die Per-
son des Königs und erlangte unter schwachen oder
unmündigen Herrschern ost die ganze Regierungs-
gewalt. Seitdem ernannten ihn die Großen durch
Wahl. Während der Teilung des Reichs bestand
in jedem der Teile ein N. ä., und auch als unter
Chlotharll. diese Teile sich wieder vereinten, blieben
sür Austrasicn, Neustrien und Burgund besondere
^I^oi'LL äomnZ. Pippin der Altere gewann als
^1. ä. von Austrasien vorherrschenden Einfluß, und
sein Sobn Grimoald versuchte als ^1. ä. 656 den
eigenen Sohn statt des Merowingers auf den Thron
zu setzen. Dies scheiterte, und es folgte ein 'Ringen
der mäcktigcn Familien um dieses Amt, bis Pippin
der Mittlere seit 687 als N. ä. die Gewalt in allen
drei Teilen des Reichs gewann. Er wurde häufig
8ndi'6^n1n8 und HUH31 1'6X genannt. Nach seinem
Tode 714 gewann sein Sohn Karl Martell durch
mebrjäbrigcn Kampf die gleiche Stellung, ließ den
Tbron sogar mehrere Jahre unbesetzt und teilte bei
seinem Tode das Reich unter seine Söhne, Karl-
mann und Pippin. Da Karlmann 747 ins Kloster
ging, gebot Pippin über das Reich, oft als äux 6t
princeps ^i'lmcoi'nin bezeichnet, bis er endlich 752
zu Soissons den merowing. König Childerich III.
absetzen und sich selbst zum Könige wählen lieh, wo-
mit das Amt der N^0i68 domus aufhörte. -- Vgl.
Pertz, Geschichte der merowing. Hausmeier (Hannov.
1819); Bonnell, 1)6 äiFuitiiw moorig äomu8 (Berl.
1858); E.Hermann, Das Hausmeieramt (Bresl.
1881); Brunner, Deutsche Nechtsgeschichte (2 Bde.,
Lpz. 1887 u. 1892).
Majoren" (mittellat.), soviel wie volljährig;
Maj orcunität, soviel wie Volljährigkeit (s. d.).
Majorescu, Titus, rnmän. Staatsmann und
Schriftsteller, geb. 1840 zu Krajova in der Walachei,
studierte in der Theresianischen Akademie zu Wien,
in Berlin und Paris Philosophie und die Rechte,
wnrde 1862 Professor an der Universität Iassy, später
in Bukarest. 1874-76 und 1888-89 war er Unter-
richtsminister sowie Geschäftsträger Rumäniens am
Berliner Hofe, wo er die Verhandlungen zum Ab-
sckluß einer Handelskonvention mit Deutschland
einleitete. M. ist in der rumän. Litteratur und Po-
litik einer der Begründer der sog. Iunimea (s. d.).
In der Unterrichtsvcrwaltung war sein Haupt-
bestreben Hebung der Volksschnle und Einführung
der Realschulen. Ein Teil seiner litterar. Arbeiten ist
in den "^i-itice" (Bukarest 1874) gesammelt. Außer-
dem veröffentlichte er: "1^06813, romana" (1867),
"Über das rumän. Staatsrecht gegen Varnutz"
(1868), "I^ica" (1876); deutsch: "Einiges Philo-
sophische in gemeinfaßlicher Form" (Berl. 1861).
NIa.zor-Fsiiera.1 (spr. maschohr scbenerall), ein
militär. Titel in Frankreich, dessen Träger im Laufe
der Zeit sehr verschiedene Funktionen auszuüben
hatte. Der Titel kam schon unter Karl VII. vor
und entsprach in der Mehrzahl der Fälle dem eines
- Chefs des Generalstabes einer Armee. Verthier füllte
diese Stellung unter Napoleon I. in ausgezeichneter
Weise aus; 1870 bekleidete sie Lcboeuf.
Majoriänus oder Majorinus, Flavius
Julius, weftrom. Kaiser, wurde durch den Einfluß
des mächtigen Patricius Ricimer und des oström.
Kaisers Leo I. am 1. April 457 n. Chr. zu Ravenna
zum Kaiser erhoben. Es gelang ihm 458, einen
großen Teil von Gallien und Spanien wieder für
die Römer zu gewinnen; aber sein Plan, die Van-
dalen in Afrika anzugreifen, scheiterte (460). Sein
Anseben schwand; 461 wnrde er durch die eigenen
Truppen genötigt abzudanken, worauf süns Tage
später sein Tod erfolgte.
Nlll-Höri ooäo (^oäon^oi-i, lat.), d.h. ich weiche
dem Größern, vor dem Größern trete ich zurück, ein
auf Martial "v6 8poctHcnU3" (31) beruhendes
Citat ans den Sentenzen der unter dem Namen
"Dionysius Cato" bekannten Spruchfammlung.
Majormus, weström. Kaiser, s. Majoriänus.
Majorisieren, überstimmen, durch Majorität
vergewaltigen.
Majoristen, die kath. Geistlichen mit den höhern
Weibegraden (s. 0i-äiii63); sie sind im Unterschied