Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

517
Malaiische Rasse - Malaio-Polynesische Sprachen
Hinterindien bis Kamtschatka umziebt. Vor allem
sind Java, Sumatra sowie die Reihe der Kleinen
Sunda-Inseln mit zahlreichen thätigen Vulkanen be-
setzt, ebenso die Molukken und Philippinen; dagegen
bestehen Borneo, Celebes, Ceram, Timor aus einem
Kern alten Urgebirges mit darüber gelagerten pa-
läozoischen und tertiären Meeresablagerungen. Die
Inseln erreichen ihre größten .höhen im Kinibalu in
Nordborneo (4175 m); im übrigen sind namentlick
die Vulkane Sumatras und Javas die höcksten
Gipfel, so der Korintji auf ersterer (3766 m), der
Semeru auf letzterer (3703 m), der Rindjani auf
Lombok (4200 m); der Allas auf Timor (3600 m)
ist dagegen kein Vulkan. Auck Ceram erreicht im
Nussaheli noch 3000 in Höhe. Von Mineralien kom-
men Gold, Eisen, Zinn, Kupfer, Silber, Diamanten
und Steinkohlen vor. Das Klima ist durchaus tro-
pisch, heiß, im W. sehr regenreich, im O. im libergang
zu Australien trockner. Im ganzen herrscht eine
Trockenzeit von April bis November, eine Regenzeit
von Dezember bis März. Im N. des M. A. findet
man jedoch schon zwei Trocken- und zwei Regenzeiten.
Die Flora erzeugt die feinsten und kostbarsten Ge-
würze, eine Unzahl der edelsten Früchte, unter denen
die des Zibethbaums und der Mangostane alle
andern auf der Erde an Wohlgeschmack übertreffen,
die dauerhaftesten und schönsten Kolzarten, viele
Farbehölzer, Indigo, die Kokos-, ^ago-, Gomuti-
undKatechupalme sowie eine Menge anderer ökono-
mischen und technischen Zwecken dienender Gewächse.
(S. auch Sunda-Inseln.)
Mit Bezug auf die Fauna läßt sich der Archipel
durch eine zwischen Vali und Lombok anfangende,
sich zwischen Vorneo und Celebes bis zu den Phi-
lippinen fortsetzende Linie in eine westl. und eine
östl. Hälfte trennen. In den erstern herrscht durch
das Vorkommen des Elefanten, des Tapir, zweier
Rhinocerosarten, des Tigers, des Bären, mehrerer
Panther- und vieler Affenarten, unter denen aber
der Orang-Ntan Vorneo und Sumatra ausschließ-
lich angehört, eine große Übereinstimmung mit der
kontinental ind., speciell hinterind. Fauna, während
in der östl. Hälfte sich die australmalaiische Region
hauptsächlich durch das Verschwinden der Affen und
das Auftreten der Beuteltiere charakterisiert.
Der Archipel ist das eigentliche (Htammland und
der vornehmste Wohnsitz der Malaien ls. d.). Neu-
guinea, dessen Bewohner den Papua (s. d.) ange-
hören, ist richtiger zu Australien zu rechnen. Fremde
Einwanderer überall, namentlich aber auf den Phi-
lippinen und Java, sind die Chinesen. Die Europäer
sind nicht zablreich. Mit Ausnahme Nordborneos,
der Insel Labuan nördlich von Borneo und der Insel
Singapur im östl. Eingänge der Malakastraße, die
britisch sind, ferner der Spanien gehörenden Phi-
lippinen und des portug. Gouvernements Deli auf
Timor ist jetzt der ganze M. A. im Besitze der Nieder-
länder. (S. Niederländisch-Ostindien.) - Vgl.
Wallace, Der M. A., übersetzt von A.B. Mever
(2 Bde., Braunschw. 1869); von Rosenberg, Der
M. A. (3Tle., Lpz. 1878-79); Vastian, Indo-
nesien (Berl. 1884-94); Forbes, ^ nawi^1i8t'8
^Hnä6i'inZ8 in tli6 N^tsrn ^icnipelÄZo (Lond.
1885); Aubert, ^tnäes 8ui- leg colonieg äes Inä^3
neei-lHnäHi863 (Par. 1885); van Eck, Leiino^t
leei'dosk äoi- F68cni6ä6ni3 6tc. van Xkäsri. 008t-
Inäie (Breda 1885); Schroven, 3en6t86n van
^oä6i-iNnä3cii-Inäi6 (Tiel 1887); R. Schuiling,
^oäerllniä tu88cnen äe Tropen (Iwolle 1889);
Hagen, Anthropol. Studien aus Insulinde sAmsterd.
1890); Cartbaus, Aus dem Reich von Insulinde
(Lpz. 1891); Wilken, HanälßiäinF v00r Ä6 ver-
Fli^kenäe VoI1<6n1vunä6 van ^6ä6rlHnä8cn-Inäi^
lLeid. 1892); Kükenthal, Im M. A. Eine For-
schungsreise (Franks, a. M. 1896).
Malaiische Rasse nannte Blumenbach den
Völkerkompler, der die Sunda-Inseln samt der
Halbinsel Malaka und Australien mit den dazu
gehörigen Inseln bewohnt. Die neuere Forschung
sonderte die Bewohner des austral. Kontinents so-
wie die kraushaarige Bevölkerung Neuguineas und
der umliegenden Inseln davon und stellte sie M
selbständige Rassentvpen hin. Man versteht daher
gegenwärtig unter M. R. nur denjenigen Menschen-
schlag jener Gegenden, der durch schlichtes schwarzes
Haar und gelblich braune Hautfarbe charakterisiert
ist und etbnologisch-linguistisch eine Einheit bildet.
^. Malaien und Vtalaio-Polynesische Sprachen.)
Malaio-Polynesische Sprachen, die Spra
chen der zur Malaiischen Rasse (s. d.) gehörenden
Völker sowie die der malaiisierten Papuastämme, die
man unter den Ausdrücken Melanesier und Mikro-
nesier zusammenfaßt. Nach Fr. Müller (aGrundriß
der Sprachwissenschaft", Bd. 2, Wien 1882) gliedern
sie sich in drei Abteilungen, in malaiische, melanes.-
mikrones. und polynes. Sprachen. Die malaiischen
Sprachen repräsentieren die höchste Entwicklungs-
stufe diefes Sprachstammes, während die polyne-
sischen die ursprüngliche, einfache Anlage der Grund-
fprache zeigen; die melanes.-mikrones. Sprachen
vermitteln gleichsam die beiden extremen Entwick-
lungspdasen miteinander, bieten aber auch gewisse
unterscheidende Eigentümlichkeiten.
Zu den malaiischen Sprachen gehören die
Tagalasprachen auf den Philippinen. Verwandt mit
diesen sind die in den Küstengegenden der Insel For-
mosa berrsckenden malaiischen Dialekte, unter denen
das Favorlang etwas mehr bekannt geworden ist.
Den Tagalasprachen stehen die übrigen weniger ent-
wickelten Sprachen dieser Abteilung gegenüber, näm-
lich die Sprachen Sumatras (die Sprachen der Va-
tak, Lampong, der Atschinesen), Malakas, Javas
(Javanisch, Enndanesisch), von Celebes (Buginesisck,
Makassarisch, Alfurisch), Borneo (Dajak) und den
kleinern Sunda-Inseln, die entweder bloß dem Na-
men nach oder ans dürftigen Vokabularien bekannt
sind. Hierher gehört auch die Sprache der einge-
wanderten malaiischen Bevölkerung Madagaskars,
das Malagassi oder Madegassische.
In die Abteilung der melanesisch-mikronc-
sischen Sprachen fallen die Sprache von Fidschi,
die Sprachen der Neuhebriden, der ^alomon-
Inseln, der Karolinen, der Marshall-Inseln und
des Gilbertarchipels.
Die Abteilung der polynesischen Sprachen
umfaßt die Spracken der Inselgruppen, wie Samoa,
Neuseeland (Maori), Hawaii, Tonga, Marquesas-
inseln. Den östlichsten Punkt, wo malaiisch ge-
sprochen wird, bildet die Osterinsel, etwa 40' vom
südamerik. Festlande, wie Madagaskar, hart an der
Küste Afrikas, den westlichsten Punkt bildet.
Von den malaio-polynes. Völkern und Sprachen
besitzen die der ersten Abteilung eigene Schriften
und mehr oder weniger entwickelte Litteraturen.
Die alten Alphabete der Tagalen, Batak, Redjanq,
Lampong, der Bugi und Makafsaren sowie auch die
Schrift der Iavanen sind ind. Ursprungs, wogegen
die Mohammed. Malaien sich der arab. Schrift be-