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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Manchester (Städte in Nordamerika) - Mancini (Olympia)
Ro^i InülMHi^ in Piccadilly, daneben bestehen
Blinden- und Taubstummenanstalten, ein Krema-
torium seit 1893 u. s. w.
Industrie, Handel und Verkehr. M. ist
der Mittelpunkt der engl. Baumwollindustrie und
als Stapelplatz ihrer Erzeugnisse in unmittelbarer
Handelsverbindung mit allen Handelsplätzen der
Erde. Die Baumwollbörse von M. beherrscht den
Weltmarkt. Die größten Spinnereien sind die von
Shaw Iardin and Co. I^imiwd und Rich. Haworth
and Co. Großartig entwickelt sind aber auch Woll-
tuchsabrikation (besonders I^rolui clotli, seines brei-
tes Tuch, und Kammgarn), auch Seidenspinnerei,
Maschinenbau (z. B. Whitworth, Fairbairn Engi-
neering Works, Matber and Platt I^imiteä, Brooks
and Dorey, I. Fethcrington and ^on I^imiwä,
Bcyer Peacock and Co. I^imiteä, Sir Joseph Wbit-
worth and Co. I^imiteä, Galloways I^iini^ä), be-
sonders Lokomotivbau, Eisen- und Stahlwerke,
Papierindustrie aller Art, Fabrikation von Cbemi-
kalien, von Schirmen und Eisenkleinwaren (>VoocI
anä >V63t1i6iiä'8 8uilU1>vHi'6 N^nufiictoi-^). Im
ganzen sind etwa 13 Proz. der Bevölkerung indu-
striell, 7 Proz. im Handel thätig. Die hervorragend- !
stcn Banken sind: Filiale der Bank von England,
anä LivLi-^ool District Vanlvin^ ^0inpc^n^, (^un-
Union I^llnic 0^ N., ^Vi11iÄin8 D(?HC0ii Hiid ^I. llnd
slilfoi-ä. Außer zahlreichen Vorortstationen hat M.
fünf durch Verbindungsbahn zusammenhängende
Hauptbahnhöfe. Wichtig für M. war der Bridge-
waterkanal is. d.); der seit 1894 eröffnete Man-
chester-Schiffskanal (s. d.) macht M. auch zur See-
stadt. - M. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Geschichtliches. Die ehemalige röm. Station
^lanucinin entwickelte sich im 14. Jahrh, zu einem
gewerbflcißigen Orte, der durch Einwanderung von
Niederländern (16., 17. Iabrh.) gefördert, dann feit
Einführung der Baumwollindustrie rafchen Aus-
fchwung nahm. 1720 zählte es 10000,1757: 20000,
1801: 75275 und Salsord 14477 E. Am 15. Sept.
1830 wurde die Bahn nach Liverpool eröffnet. 1830
ging von hier die Bewegung gegen die Korngesctze
aus und M. wurde Sitz der Freihandelspartci (s.o.).
Mit 1850 beginnt das gewaltige Wachstum der
Schwesterstädte. - Vgl. Baines, Histor^ of I.an-
c^8dii'6 (neue Ausg., 2 Bde., Lond. 1870); Procter,
N"m0liai8 ok U. 8ti'66t8 (^Nanchester 1874).
Manchester (spr. männtschest'r), Orte in den
Vereinigten Staaten von Amerika, darunter:
1) Stadt im County Hillsborough im südöstl. Teile
von New-Hampshire, größte Stadt des Staates,
Eisenbahnknotenpunkt, hat (1890) 44126 E., dar-
unter viele sranz. Canadier. Die Amoskeagfälle
des Merrimac liefern Wasserkraft für Fabrikation
von Tertil- und Posamcntierwarcn, Lokomotiven,
Schuhen und Papier. M. hat cine höhere schule,
zwei Theater, große Bibliothek und schöne öffent-
liche Gebäude. - 2) Stadt im County Chesterficld
in Virginien, am Iames-River, mit 9240 E., ist
Vorort von Richmond ss. d.).
Manchester ispr. männtschest'r), engl. Grascn-
und Hcrzogstitel in der Fannlic Montagu ls. d.).
Manchesterbraun, s. Bi^marckbraun.
Manchesterbrenner, s. Gasbeleuchtung (Bd. 7,
Manchestergelb, s. Martiusgclb. ^S. 507 d).
Manchesterpartei oder Manchesterschule,
ursprünglich der Name der polit. Partei, welcke die
Interessen der modernen engl. Industrie gegen die
Grundaristokratie vertrat und unter der Führung
von N.Cobden(s.d.) und I.Vright(s.d.), gestützt auf
die Organisation der Anti-Corn-Law-League (s. d.),
1838-46 nach einem hatnäckigen Kampse die Ge-
treidezölle <s.d.) zu Falle brachte. Sie konnte diesen
Kampf nicht führen, ohne das Princip des Frei-
handels <f. d.) ganz allgemein auf ihre Fahne zu
fchreiben, und fo ist in der neuern Zeit M. die Be-
zeichnung derjenigen volkswirtschaftlichen Schule
geworden, welche, von streng individualistischen
Grundsätzen ausgehend, das I^i886i'tÄii-6 (s.d.) nicht
nur für die auswärtige Handelspolitik, sondern auch
für das innere volkswirtfckaftliche Leben als Norm
aufstellt und demnach die Intervention des Staates
aus dem wirtschaftlichen Gebiete soweit wie möglich
zurückgedrängt wissen will. (S. Freihandelspartei.)
Manchester-Schiffskanal, die im Jan. 1894
eröffnete Verbinduug der Stadt Manchester mit dem
Meere. Der Kanal beginnt bei Eastham an der
Merseymündung oberhalb Liverpool, ist 57,i km
lang, am Wasserspiegel 52, am Boden 36 in breit
und soll auf die gleichmäßige Tiefe von 7,9 m ge-
brackt werden. Er überwindet die Steigung von der
Flutböhe des Meers bis Manchester durch vier ge-
waltige Schleusen. Großartig sind auch die Via-
dukte von Irlam, Runcorn und von Acton Grange.
Die bei Manchester und Salford angelegten Docks
sind 8,4 liin lang, besitzen 42 da Wasserfläche und
sind mit Kränen u. s. w. aufs beste ausgestattet.
Manchester wurde dadurch Hafenstadt sür 151 Fabrik-
orte von Lancashire, Derby, Stafford und Uork-
fhire. Die Frachtersparnis beträgt z. B. sür Baum-
wolle 6 Shill. 8 Pence sür 20 engl. Centner. Die
Kosten des Baues, der im Nov. 1887 begonnen
wurde, betrugen 15 Mill. Pfd. St., das ist das
2^2fache des Voranschlags.
Manchesterschule, s. Manchesterpartei.
Manchinellenbaum, s. Hippomanß.
Mancini (spr. mantsch:-), Maria, Iugendgeliebte
Ludwigs XIV., geb. 1639 zu Rom, war eine Nichte
des Kardinals Mazarin, der sie mit ihren Schwestern
nach Paris kommen ließ, wo sie durch ihre Schön-
beit und ihren Geist die Liebe des Königs gewann.
Mazarin, das Verhältnis mißbilligend, brachte sie
in ein Kloster und vermählte sie 1661 mit dem Fürsten
Colonna, Connetable von Neapel. Sie entfloh ihrem
Gatten 1672 und begab sich wieder an den franz.
Hof, vermochte aber Ludwig XIV. nicht mehr zu
fesseln. Sie verlebte darauf eine Reihe von Jahren
in einem Kloster in Madrid, verließ dies 1684 und
ist wahrscheinlich 1715 in Madrid gestorben.
Mancini ispr. manisch:-), Olympia, Gräsin von
Soissons, Sckwester der vorigen, geb. 1640 zu Rom,
kam 1647 mit ihren Schwestern nach Paris und
wurde 1657 nach ihrer Vermählung mit dem Grafen
Cugöne Maurice von Soissons zur Surintendantin
des Hauses der Königin erhoben. Weil sie sich in
die Maitresscnhändcl des Königs mischte, entfernte
sie Ludwig XIV. mehrmals vom Hofe und nahm
ihr endlich die Stelle. Sie unterhielt feitdcm Ver-
kehr mit der berüchtigten Giftmifcherin Voyfin und
entfloh, durch deren Aussagen kompromittiert, nach
Brüssel. Von hier wandte sie sich nach Madrid, wo
sie das Vertrauen der Gemahlin Karls II. gewann.
Der Herzog von St.-Simon beschuldigt sie, schwer-
lich mit Recht, ihren Gemahl und die Königin von
Spanien vergiftet zu haben. Aus Madrid vertrie-
ben und als politisch gefährlich überwacht, starb sie