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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Markierter Feind - Markomannen

Markierter Feind, die nur angedeuteten, bei Gefechtsübungen die eine Partei darstellenden Truppenteile; die einzelnen Compagnien, Eskadrons und Batterien werden hierbei durch kleine Abteilungen oder ein Geschütz mit hoch gehaltenen Flaggen (rotes Flaggentuch für Infanterie, weißes für Kavallerie, gelbes für Artillerie) dargestellt.

Markirch, frz. Sainte Marie-aux-Mines, Hauptstadt des Kantons M. (19981 E.) im Kreis Rappoltsweiler des Bezirks Oberelsaß, 3 km von der franz. Grenze, an der Leber und der Nebenlinie Schlettstadt-M. (21,5 km) der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Colmar), hat (1890) 11870 E., darunter 5383 Evangelische und 171 Israeliten, Postamt erster Klasse, Realschule, höhere Mädchenschule, zwei Spitäler; Baumwollspinnerei und -Weberei, Woll- und Seidenweberei, Färberei, Bleicherei, Appreturen, bedeutende Landwirtschaft und Viehzucht. Die Baumwollgewebe, welche als Articles de Sainte Marie-aux-Mines einen Weltruf erlangten, wurden Mitte des 18. Jahrh. durch Joh. Georg Reber von Mülhausen eingeführt. Vom 15. bis 17. Jahrh. besaß M. lebhaften Bergbau auf Silber, dessen Wiedereröffnung bevorsteht. – Vgl. Mühlenbeck, Documents historiques concernant S<sup>te</sup>. M. (Markirch 1876‒77); Risler, Histoire de la vallée S<sup>te</sup>. M. (ebd. 1873). ^[Abb.: Wappen von Markirch]

Märkische Konfession (lat. confessio Marchica prima, oder confessio Sigismundi), ein auf Befehl des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg 1614 herausgegebenes Glaubensbekenntnis. Es enthält 16 Artikel, lehnt die luth. Abendmahlslehre ab und sucht in der Prädestinationslehre die schroffe Fassung Calvins zu vermeiden.

Märkische Rübe, s. Weiße Rübe.

Märkische Schweiz, s. Buckow.

Märkisch-Friedland, Stadt im Kreis Deutsch-Krone des preuß. Reg.-Bez. Marienwerder, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Schneidemühl), hat (1895) 2142 (1890: 2265) E., darunter 198 Israeliten, Post und Telegraph.

Märkisch-Posener Eisenbahn, 1867 genehmigtes, 26. Juni 1870 dem Betriebe übergebenes und 1882 verstaatlichtes Privatunternehmen (272,03 km), von Frankfurt a. O. nach Posen (172,70 km) und von Bentschen nach Guben (99,33 km), gegenwärtig der Eisenbahndirektion Berlin unterstellt.

Märkisch-Schlesischer Landrücken, von SO. nach NW. streichender Höhenzug, der in Polen, am Ursprung der Malapane und Warthe seinen Anfang nimmt, zuerst das rechte Ufer der Oder entlang zieht, die er oberhalb Glogau überschreitet, dann vom Bober, der Neisse und der Spree durchbrochen wird und in dem Elbeknie bei Magdeburg endet. Die einzelnen Teile haben verschiedene Namen, so: Oberschlesischer Jura im Reg.-Bez. Oppeln, nördlich der Malapane, Trebnitzer Landrücken und Katzengebirge (s. d.), Lausitzer Grenzwall im Reg.-Bez. Frankfurt und Fläming (s. d.). Seine Höhe nimmt nach NW. zu allmählich ab.

Markkürbis, s. Kürbis.

Marklager, s. Gehirn (Bd. 7, S. 675 b).

Marklissa, Stadt im Kreis Lauban des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, 4 km von der böhm. Grenze, am Queiß und an der Nebenlinie M.-Lauban (10,8 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Görlitz), hat (1895) 2307 E. (1890: 2165, darunter 242 Katholiken), Postamt zweiter Klasse; Kammgarnspinnerei. ^[Spaltenwechsel]

Marklosung, s. Retrakt.

Markneukirchen, Stadt in der Amtshauptmannschaft Ölsnitz der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, 4 km von der böhm. Grenze, in 504 m Höhe, am Schwarz- oder Floßbach und an der Linie Chemnitz-Aue-Adorf der Sächs. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Plauen) und einer Konsularagentur der Vereinigten Staaten, hat (1895) 7270 (1890: 6652) E., darunter 379 Katholiken, Fernsprechverbindung, Bürgerschulen, Fachschule für Musikinstrumentenbauer mit Musikvorschule, Gewerbemuseum mit wertvoller Sammlung von Musikinstrumenten, Sparkasse, Wasserleitung und Gasbeleuchtung. M. ist ein hervorragender Industrieort für Musikinstrumente, Saitenfabrikation (Fabrikbetrieb und Hausindustrie) und Herstellung von Instrumententeilen aller Art (jährlicher Versand für etwa 10 Mill. M.).

Markobrunnen, Markobrunner, s. Marcobrunnen.

Markolf, s. Salman und Morolt.

Markolsheim, Hauptstadt des Kantons M. (18354 E.) im Kreis Schlettstadt des Bezirks Unterelsaß, 4 km vom Rhein, über den eine Schiffbrücke führt, am Rhein-Rhône-Kanal und an der Nebenlinie M.-Colmar (22,2 km) der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen und der Straßburger Straßenbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Colmar) und Steueramtes, hat (1890) 2193 E., darunter 61 Evangelische und 122 Israeliten, Post, Telegraph und Bürgerspital.

Markomannen («die in der Mark, d. h. im Grenzlande, wohnenden Männer»), ein großer deutscher, zu der Gruppe der Sueven zählender Volksstamm, saßen zu Cäsars Zeit in der nördl. Hälfte des Königreichs Bayern und kämpften unter Ariovists Führung mit gegen Cäsar. Marbod führte sie 8 v. Chr. ostwärts nach dem früher von den keltischen Bojern bewohnten Böhmen. Das Gebiet der M. dehnte sich südlich bis an die Donau aus, wo sie einen Angriff des röm. Kaisers Domitian zurückschlugen. Trajan und Hadrian hielten sie kräftig in Schranken, aber am Ende des 2. nachchristl. Jahrh. brachen sie, anscheinend dem Druck der nordöstlichen german. Stämme weichend, mit den übrigen Donauvölkern vereint gegen das Römische Reich selbst vor. In diesem langwierigen, nach ihnen benannten Markomannenkriege (166‒180) konnte Marc Aurel sie nur mit großer Anstrengung zurückdrängen. Mühsam behaupteten die Römer bis in die Mitte des 3. Jahrh. die Grenzwehr, dann aber stießen auch an der Donau die Germanen wieder vor, unter ihnen die M.; 270 streiften sie abermals bis Ancona und Rom. Nur mit dem Aufgebot aller Kraft warf Aurelian sie über die Donau zurück und nötigte sie zum Frieden. Mit dem 4. Jahrh. verliert sich allmählich ihr Name. Sie erscheinen fortan unter dem Namen Bayern, ein Name, den sie bereits aus ihrer böhm. Heimat mitgebracht hatten, nach der sie Baiwarier, d. h. Bewohner von Baiheim (Böhmen), hießen. – Vgl. Wislicenus, Geschichte der Elbgermanen (Halle 1868); K. Zeus, Die Herkunft der Bayern von den M. (neue Ausg., Münch. 1857); Bachmann, Die Einwanderung der Baiern (Wien 1878); Mehlis, M. und Bajuwaren (in den «Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns», 1882).