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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marksubstanz - Markthalle
In der Struktur und dem Inhalt der Zellen
ichließen sich die M. dem Holzparenchym (s. d.)
am nächsten an und werden deshalb auch gewöhn-
lich mit diesem zu einem Gewebesystem vereinigt;
man bezeichnet sie jedoch dem in längsverlausenden
Strängen auftretenden Holzparenchym (Strang-
parenchym) gegenüber als Strahlenparen-
ch y m. Diese Benennung entspricht auch dem anatom.
Baue des ganzen Holzkörpers viel mehr als das
Wort M., denn mit dem Mark haben die M. eigent-
lich gar nichts zu tbun; dieser Name rührt daher,
daß in den einjährigen Zweigen, in denen das
Dickenwachstum noch nicht begonnen hat, zwischen
den einzelnen Gefäßbündeln mebr oder weniger
breite parenchymatische Zellgruppeu gewissermaßen
die Verbindung des Markes mit der außerhalb der
Gefähbündel liegenden Rinde herstellen. Diese
Gruppen nannte man M. und übertrug die Bezeich-
nung dann auch auf die später entstehenden radial
verlaufenden Parcnchymstrahlen, die mit dem Mark
in gar keiner Beziehung stehen. Zur Unterscheidung
derselben von den erstern, den sog. primären M,
nannte man sie sekundäre M. Über die Funktion
der M. s. Holzparenchym.
Marksubstanz, Schicht der Hirnsubstanz, s. Ge-
hirn. - über M. der Haares, d. Kleben (s. d.).
Marksußra, ehemaliges Nonnenkloster bei Ebe-
Markt, im weitern Sinne Bezeichnung für jede
Gelegenheit zum Austausch der Güter; im engern
Sinne bedeutet das Wort die öffentliche Einrichtung,
wodurch jedermann Gelegenheit gegeben ist an be-
stimmten Orten und zu bestimmten Zeiten Waren
dem Publikum feilzubieten, umfassend Jahrmärkte,
Messen (s. d.) und die zum Kleinhandel mit den ge-
wöhnlichsten Lebensbedürfnissen bestimmten Wo-
chenmärkte. Die Iabr- oder Krammärkte, die
in den Städten jäbrlick zu bestimmten Tagen abge-
halten werden, sollten ursprünglich den Mihstän-
den entgegentreten, welche die Zunftprivilegicn und
Bannrechte für die Bewohner der Städte mit sich
führten, indem man so eine zeitweilige Konkurrenz
mit den städtischen Handwerkern zuließ. Dieser Zweck
fiel fort mit der Einführung der Gewerbefreiheit, und
naturgemäß verloren die Jahrmärkte im Laufe der
Zeit immer mehr an Bedeutung und Notwendigkeit. ^
Das Bestreben der Staatsbehörden geht daher auch i
auf Beschränkung der Jahrmärkte. Neue M. werden
möglichst wenig bewilligt. Die Gesamtzahl aller M.
hat sich aber, hauptsächlich infolge der Zunahme von
Hpecialmärkten(Viehmärkten),immernochvermehrt.
Sie betrug in Preußen 1875: 12098 an 2675 Orten, !
1891: 12 701 an 2363 Orten. Eine ganz andere '
dauernde Berechtigung und allgemeine Verbreitung
baben die Wochenmärkte, anf denen die gewöhn- z
lichcn Lebensbedürfnisse ausgcbotcn werden. In
früherer Zeit bestanden für die Wochenmärkte eine
große Anzahl von Bestimmungen, die sich meist
gegen die Zwischenhändler und Kleinverkäufer rich-
teten. Diesen war es z. B. verboten, in einem ge-
wissen Umkreise um die Stadt einzukaufen, anders
als auf dem M. zu kaufen, ja vor einer gewissen
Stunde als Käufer auf dem M. zu erscheinen.
Ändere Bestimmungen richteten sich direkt gegen
die Verkäufer. Diefe durften entweder nicht vor
Schluß des M. fortgehen oder die unverkauften
Gegenstände überhaupt gar nicht wieder fortfüh-
ren. Es war ihnen ferner verboten, während
eines Markttags die Preife zu erhöhen, wenn sich
Mangel zeigte, und außerdem hatten sie manche
lästige Abgabe zu leisten. Die Deutsche Gewerbe-
ordnung, die in den §§. 64-71 den Marktverkehr
regelt, hat die ältern Beschränkungen aufgehoben,
mit der einzigen Ausnahme, daß (§. 64) der Ver-
kauf gewisser Handwerkswaren, die nicht zu den auf-
geführten Gegenständen des Wochenmarktverkebrs
gehören, auf dem Wochenmarkt unter gewissen Be-
dingungen auch fernerhin den Ortsbewohnern vor-
behalten werden kann. Der Marktverkehr ist frei
von den sonst erforderlichen gewerbspolizeilichen
Vorschriften und nicht gewerbesteuerpflichtig. Nur
der Verkauf von geistigen Getränken zum Genuß
auf der Stelle bedarf der Genehmigung der Orts-
polizeibehörde. Zahl, Zeit und Dauer der M. wird
von der zuständigen Verwaltungsbehörde (in Preu-
ßen dem Provinzialrat oder Bezirksausschuß, im
übrigen Deutschland von dem Ministerium des
Innern) festgesetzt. Die Marktabgaben (Markt-
stand geld er) dürfen nur eine Vergütung für
den überlassenen Raum (Fixum höchstens 20 Pf.
für Quadratmeter und Tag) und den Gebrauck
von Buden und Gerätschaften bilden. Der Markt-
verkehr wird geregelt durch Marktordnungen,
die von der Ortspolizei im Einverständnis mit
der Gemeindebebörde festgesetzt werden (Markt-
polizei). Zur Sicherung der Versorgung der gro-
ßen Städte mit Lebensmitteln hat sich eine Schei-
dung des Marktverkehrs für Großhandel und De-
tailhandel als notwendig erwiefen. Der erstere
konzentriert sich in großen Centralballen, und
auch für den letztern sind in vielen Städten Markt-
hallen (s. d.) angelegt worden. - Vgl. Handwörter-
buch der Staatswissenschaften, Bd. 4 (Jena 1892),
^.1119 fg.; von Stengel, Wörterbuch des deut-
schen Verwaltungsrcchts, Bd. 2 (Freiburg 1890),
^.83 fg.; Georg Meyer, Lehrbuch des deutschen
Verwaltungsrechts, Tl. 1 (2. Aufl., Lpz. 1893), §. 131.
Marktbreit, Stadt im Bezirksamt Kitzingen
des bayr. Reg.-Bez. Untersranken, am Main und
an der Mündung des Breitbachs in denselben, an
der Linie Trcuchtlingen-Würzburg derBayr. Staats-
bahnen, Sitz eines Ämtsgerichts (Landgericht Würz-
burg), Nebenzollamtes und Vezirksgremiums, hat
(1895) 2349 (1890: 2385) E., darunter etwa 400 Ka-
tholiken und 200 Israeliten, Posterpcdition, Tele-
graph, Schloß, Handelsschule; Fabrikation von Ma-
schinenkämmen, landwirtschaftlichen Maschinen, Le-
der und Cigarren, Kalksteinbrüche, Handel mit Wein
und Getreide. - Vgl. Plochmann, Urkundliche Ge-
schichte der Stadt M. (Erlangen 1864).
Marktflecken, s. Flecken.
Marktfriede, s. Friede.
Markthalle, eine geschlossene Halle, in welcher
der Marktverkehr gegen Wetter und Kälte a,esckützt
ist. Als Vorläufer zu den M. tonnen zum Teil die
Loggien Italiens, die Kaufhäuser Deutsch-
lands gelten, denen sich in vielen Städten Schran-
nen anschlössen, durch welche wenigstens die aus-
gelegten Waren vor Regen gesichert wurden. Die
erste M. im modernen Sinne entwarf G. Boffrant
(geb. 1667, gest. 1754) für Paris an Stelle eines
schon im Mittelalter bestehenden Marktes. Die 1763
-67 errichtete runde Halle an di^ (Getreidehalle)
gehört diesem Plane an. Napoleon I. begann 1810
die Erweiterung der nun Hallos e6ntrHl68 genannten
Anlage, welche nach Plänen von Valtard 1851-78
großartig ausgebaut wurde. Die überdeckte Fläche der
zehn bisher ausgebauten, durch breite Straßen von-
einander getrennten Pavillons beträgt 25 600 (M.