Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

623
Maros-Ujvár - Marquardt
liefern Salz. Die Industrie ist unbedeutend, Han-
del wird besonders mitHolz,Vieh und Rohprodukten
getrieben. Das Komitat umfaßt die königl. Freistadt
mit Municipium und Hauptstadt Maros-Väsärhely
(s. d.), die Stadt mit geordnetem Magistrat Szäsz-
Mgen (Sächsisch-Regen) und fünf Stuhlbezirke.
Maros-Ujvar, s. Maros-Akna-Ujvär.
Maros-Vasarhely (spr. -rösch wahschabrhclj),
deutsch Neumarkt, königl. Freistadt mit Munici-
pium und Hauptstadt des Komitats Maros-Torda
sowie des Szeklerlandes, links an der Maros und
an der Linie Kocsärd-M.-Szasz-Regen der Ungar.
Staatsbahnen, Sitz der königl. Gerichtstafel (Ap-
pellationsgericht für Siebenbürgen), eines königl.
Gerichtshofs und Bezirksgerichts, einer Gewerbe-
kammer, hat (1890) 14212 meist magyar.-reform.
und griech.-kath. E., in Garnison 2 Bataillone des
62. ungar. Infanterieregiments "Ludwig, Prinz von
Bayern", ein Schloß, in dem eine Kaserne und die
große gotische reform. Kirche sich befinden, reform.
Ober- und kath. Unter-Gymnasium, eine technische
Schule für Thon-, Holz- und Metallindustrie, öffent-
liche (Telekysche) Bibliothek mit dem Vasärhelyer
Coder, einem Tacitus-Manuskript, 60000 Bänden
und Naturaliensammlung, Gewerbemuseum des
Szeklerlandes und Denkmäler (1880) des ungar.
Generals Vem und der 1854 hingerichteten Töröt,
Galfy und Horväth; ferner Zucker-, Spielwaren-
und Spiritusfabriken, Sägewerk, Brauerei, Ziege-
leien und Petroleumrasfinerie. In der Umgebung
Tabak-, Wein- und Obstball.
Marot (spr. -roh), Element, franz. Dichter, geb.
1495 zu Cabors. Auck sein Vater, Jean M. (geb.
1463, gest. 1523 als Kammerdiener König Franz' I.),
machte sich als Dichter, namentlich durch sein "vo^-
trinai ä68 pi-ine68368", bekannt. M. war znerst
Page bei Margarete von Valois, dann Kammer-
diener bei Franz I., dessen Gunst er sich durch das
allegorische Gedicht "I^s tempie cle (^ipiäon" er-
warb; 1525 wurde er mit seinem Herrn in der
Schlacht bei Pavia gefangen, bald aber befreit, um
nach seiner Rückkehr nach Frankreich, prot. Neigun-
gen beschuldigt, aufs neue in Kerkerhaft zu geraten,
aus der ihn Franz' I. Fürsprache 1526 erlöste. Im
Kerker entstand das witzige, zum Teil ergreifende
allegorisch - satir. Gedicht "I/eicki'", gegen seine
Richter und Ankläger, und eine Bearbeitung des
Romans von der Rose (1527). Um den Protestanten-
verfolgnngen zu entgeben, flüchtete M. 1532 zu Mar-
garete von Navarra, dann nach Ferrara, wo er mit
Calvin zusammentraf. Er kam 1535 an den franz.
Hof zurück und begann eine Poet. Vearbeitnng der
Psalmen, die er Franz I. widmete. Neuen Verfol-
gungen dadurch ausgesetzt, ging er nach Genf, von
dort, wegen anstößigen Lebenswandels vertrieben,
nach Turin, wo er 1544 starb. M. hat eine große
Zahl Chanions, Balladen, Elegien, Episteln, Epi-
gramme sowie Gelegenheitsgedichte für den Hof ver-
faßt. Vielen Beifall fanden seine 50 Psalmen, die
nach den Kompositionen von Goudimel und Bour-
geois gesungen wurden. Der humorvolle, graziöse
Stil M.s, der "8t^1s marotiyuk", galt lange als
Muster der leichtern Dichtungsgattungen. Seine
Werke erschienen 1538 u. ö.' (Lyon und Paris);
neue Ausgaben besorgten Lenglct du Fresnov
(4 Bde., Haag 1731), Jänner (2 Bde., Par. 1874),
Guiffrey (2., 3. Bd., ebd. 1876,1881).
Sein Sohn, Michel M., der 1534 Page der
Königin Margarete ward, ist ebenfalls als Hicbter
bekannt. - Vgl. Colletet, A'oticeZ dio^rapliiciu^
8ur 168 ti-018 N. (hg. von Guiffrey, Par. 1871);
Douen, l^I. U. et 16 ?8auti6r Iiu^uenot (2 Bde.,
ebd. 1878-79).
Marotte (frz.), eigentlich Narrenkappe, dann
wunderliche Meinung/Schrulle, Steckenpferd.
Marovo, Insel, s. Neugeorgia.
Marozia (Marozzia), Tochter der Theodora
ss. d.j, in dritter Ehe 932 vermählt mit Hugo (s. d.),
König von Italien. Als Geliebte des Papstes Ser-
gins III. und von diesem Mntter des Papstes Jo-
hann XI., beherrschte sie von der Engelshurg aus
lange Zeit den Kirchenstaat und fast ganz Italien,
bis'ihr Sohn erster Ehe, Alberich II. (s. d.), sich 932
zum Fürsten aufwarf und die Mntter ins Gefängnis
werfen ließ, wo sie starb.
Marpingen, Dorf im Kreis St. Wendel des
preuß. Reg.-Vez. Trier, hat (1895) 1823 (1890:1762)
E. und ist bekannt durch die Wundererscheinungen,
welche Marpingcr Kinder im nahen Härtelwalde An-
fang Juli 1876 gehabt haben wollten. - Vgl. Die
Marpinger Wnndererscheinnngen vor dem königl.
Zucktpolizeigericht Saarbrücken (Saarlouis 1879).
Marpurg,Friedr.Wilh., Musikschriftsteller, geb.
21. Nov. 1718 auf dem Sechof in Wendemark,
wurde 1763 Kricgsrat und Lotteriedirektor in Ber-
lin, wo er 22. Mai 1795 starb. M. hat sich bcso??-
! ders um die Fugen- und Harmonielehre verdient
gemacht. In der Harmonielehre folgte er Rameau;
die Theorie der Fuge ist von ihm gründlich, aber
^ mit zu einseitiger Berücksichtigung derInstrumental-
fuge, behandelt. Von feinen Schriften sind zu nen-
nen: die "Abhandlungen von der Fuge" (2 Bde.,
Verl. 1753; neue Aufl., Lpz. 1806), "Handbuch bei
dem Generalbaß und der Komposition" (Berl. 1756
-60), "Anfangsgründe der theoretischen Musik"
(Lpz. 1757), "Anleitung zur Singkomposition" (Berl.
1759), "Die Kunst das Klavier zu spielen" (ebd.
1762), "Versuch über die musikalische Temperatur"
(Bresl. 1776). Als Geschichtsquelle wichtig sind
seine "Historisch-kritischen Beiträge zur Aufnahme
der Musik" (5 Bde., Verl. 1756-62 und 1778).
NlarpurSUin, lat. Name für Marburg.
Nl2.ryua.nt (frz., spr. -käng), s. Markant.
Marquardsen, Heinr. von, Jurist und Parla-
mentarier, geb. 25. Okt. 1826 zu Schleswig, sw-
z diertc in Kiel und Heidelberg die Rechte, habilitierte
sich dann in Heidelberg, wurde daselbst außerord.
Professor und 1861 ord. Professor des deutschen
Etaatsrechts in Erlangen. Als Mitglied des bayr.
Landtags (bis 1893) sowie des Zollparlaments nnd
des Deutschen Reichstags (1893 für den 5. pfälz.
Wahlkreis) schloß er sich der nationalliberalen Par-
tei an, in deren Vorstand er eine hervorragende
Stellung einnimmt. Er war Mitglied der Justiz-
kommisswn zur Beratung der Gerichtsverfassung,
der Straf- und Civilprozeßordnnng. Unter seinen
litterar. Arbeiten sind namentlich zu erwähnen "Das
Reichspreßgesetz vom 7. Mai 1874 mit Einleitung
und Kommentar" (Berl. 1875), seine zahlreichen
Abhandlungen in der von ihm mitbegründeten
"Kritischen Zeitschrift für die gesamte Rechtswissen-
schaft" und die Herausgabe eines größern staats-
wissenschaftlichen Werks: "Handbuch des öffentlichen
Rechts der Gegenwart in Monographien" (Freib.
i. Br. 1883 fg.).
Marquardt, Karl Joachim, Altertumsforscher,
geb. 19. April 1812, studierte in Berlin und Leipzig,
wurde 1833 Lehrer am Friedrich-WilhelmsGymna-