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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Marsch - Märsche
Marsch, die ordnungsmäßige Fortbewegung
von Truppen abteilungen im Tritt (s. Gleichschritt)
oder ohne Tritt sowie die vorschristsmäßige Gang-
bewegung des Soldaten, wie sie für den Gleich-
schritt notwendig ist. Im deutschen Heere ist das
Zeitmaß des gewohnlichen Marsches 114, dasjenige
des Sturmmarsches 120 Schritt in der Minute; die
Schrittlänge ist 0,80 in. Eine besondere Art be-
schleunigten Marsches ist der Laufschritt (s. d.). (S.
auch Märsche.) - M. ist auch Be;eichnnng eines
Musikstücks, desseu Rhythmus zu Marsckbewegun-
gen geeignet ist; der Takt ist stets gerade (zwei- oder
Niarsch, die, s. Marschland. ^vierteilig).
Marschalk, s. Marschall.
Marschall, in älterer Form Marschalk (mit-
tellat. Nai68c!i1cu8, aus dem altdeutschen in3.i^,
Noß, und 8clr1c, Diener), bezeichnete in frühester
Zeit einen untergeordneten Aufseher über eine An-
zahl Pferde, daher noch jetzt im Französischen ^Iar6-
ciial einen Stallmeister oder einen Hufschmied be-
deutet. Am .Hofe der frank. Könige merowing. Ge-
schlechts erscheint dann ein Dienstmann höhern
Ranges, der (^omos ntaduli, Stallgraf, aus dem
später der franz. Connötable (s. d.) hervorging. Im
Deutschen Reiche erscheint seit der Zeit der sächs.
Kaiser der M. als einer der vornehmsten Dienst-
leute oder Beamten am kaiserl. Hof, etwa in der
Bedeutung eines Oberstallmeisters und Führers der
reisigen Dienstmannen. Dieses Amt ward endlich
zu einem der sog. Erzämter und nach dem Beispiel
des kaiserl. Hofs auch an den Höfen der übrigen
Landesherren eingeführt. Des Deutschen^Reichs
Erzmarschall war schon zur Zeit des "Sachsen-
spiegels" (seit Anfang des 13. Jahrh., wahrscheinlich
aber bereits seit Otto III.) der Herzog von Sachsen,
und seitdem blieb dieses Amt bei Kursachsen, das
damit zugleich auch die Würde des Schwertträgers
verband, die früher oft besonders vergeben wurde.
Dem Reichserzmarschall lag ob, sür die Ord-
nung auf den Reichstagen und bei feierlichen Ge-
legenheiten zu sorgen, dem Kaiser bei Auszügen das
Schwert vorzutragen und bei der Kaisertrönung,
mit symbolischer Beziehung auf die ursprüngliche
Bedeutung seines Amtes, in einen Haferhaufen auf
offenem Markt zu reiten und davon für den Kaiser
ein silbernes Maß vollzuschöpfen. Die wirklichen
Dienste am Hofe leistete aber der Reichs Hosmar-
sch all, der noch im 12. und 13. Jahrh, meist dem
Stande der Dienstmannen oder Edelherren ange-
hörte. Dann wnrde auch diese Würde erblich
i Reichs erb marsch all) und war als Titel mit
einem Nest der alten Amtsrechte bereits zur Zeit
der Goldenen Bnlle den Grafen (damals Freibcr-
ren) von Pappenheim zugestauden. (Vgl. Ficker,
Die Reichshofbeamten der staufischen Periode,
Wien 1863.) Die ursprünglichen Hofämter selbst
aber waren nach der Einführung des langobard.
Lehnrechts besoldete geworden, so daß man nun un-
terschied den besoldeten Hofmarsch all oder den
Oberausfehcr über den fürstl. Hof- und Haushalt
und den Reichs- oder Landerbmarschall, dem na-
mentlich der Vorsitz bei Versammlungen der Ritter-
schaft gebührte. (S. Erbämter, Erblandeshofämtcr,
Erzämter.) - Vgl. R. Schröder, Lehrbuch der deut-
schen Rechtsgeschichte (2. Aufl., Lpz.' 1894).
Seit dem 16. Jahrh, gewinnt der M. oder Feld -
inarschall (s. d.) allmählich seine Bedeutung als
Oberbefehlshaber des Heers. In Frankreich gab
es ursprünglich nur einen M. Franz I. ernannte
fünf M. auf Lebenszeit, später wechselte die Zahl
der Nareckluix äe ^i-^nce. 1783 gab es 20, 1791
wnrde die Zahl auf sechs beschränkt. Da die M.
auch die höchste Gerichtsbarkeit ausübten, erhielten
sie als Abzeichen der richterlichen Würde einen Stab,
Marsch allst ab (s. Kommandostab). 1793 hob der
Konvent die Marschallswürde auf. Napoleon I.
knüpfte 1804 an die monarchischen Traditionen
wieder an und ernannte 16 ^iHr^cliaux äsi'empire.
Unter den spätern Regierungen in Frankreich wurde
die Zahl wieder verringert. Die Erlangung der
Marschallswürde war an bestimmte Bedingungen
geknüpft. Napoleon I. verlangte, daß der Betref-
fende eine Schlacht gewonnen oder zwei befestigte
Plätze genommen habe. Zur Zeit dürfen in Frank-
reich in: Kriege nicht mehr als 12, im Frieden nur
6 M. ernannt werden. Die Negierung der franz.
Republik will keine M. mehr ernennen, um für den
Fall eines Krieges bei der Besetzung der höchsten
Führerstellen freie Hand zu haben. Der Titel eines
Äln'ßcliki äo camp wurde früher in Frankreich
Regiments- oder Brigadecommandeuren verliehen.
Zur Zeit besteht er nicht mehr. Der Sergeant der
franz. Kavallerie heißt uoch heute N^röciial äes
10FI8. - Bei den geistlichen Ritterorden hatte der
Ordens marsch all eine militär. Stellung.
Marschallvo^i Bieder stein, Adolf Hermann,
Freiherr von, Staatssekretär dcs Auswärtigen
Amtes, geb. 12. Okt. 1842 zu Karlsruhe, studierte
in Heidelberg und Freiburg, wurde 1871 als Amts-
richter in Schwetzingen und uoch in demselben Jahre
als Etaatsanwalt in Mosbach angestellt und 1872
in gleicher Stellung nach Mannheim versetzt. 1879
wurde er zum Landgerichtsrat und 1882 zum ersten
Staatsanwalt in Mannheim ernannt. Von 1875
bis 1883 war er Vertreter des grundherrlichen
Adels in der bad. Ersten Kammer und von 1878
bis 1881 Neichstagsabgeordneter für den 10. bad.
Wahlkreis. Er schloß sich als solcher der deutsch-
konservativen Partei an. 1883 erfolgte seine Be-
rufnng znm bad. Gesandten in Berlin und zum
Bevollmächtigten beim Bundesrat. 1884-90 ge-
dörte er als vom Bnndesrat gewähltes Mitglied
dem Reichsversicherungsamt an und beteiligte sich
auck im Bundesrat und Reichstag mit Eifer an den
Vorarbeiten der socialpolit. Gesetzgebung. Am
1. April 1890 wnrde er zum Wirkl. Geheimrat er-
nannt und als Nachfolger des Grafen Herbert Bis-
marck Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, als
welcher er namentlich für das Zustandekommen der
Handelsverträge thätig war. Am 30. Okt. 1894
wurde er auch zum preuß. Staatsminister ernannt.
Marschallinseln, soviel wie Marshallinseln.
Marschallstab, s.VtarschallundKommandostab.
Marschall von Sachsen, s. Moritz, Graf von
Sachsen.
Marschbataillone (Marschregimenter),
Bataillone oder Regimenter, die vorübergehend aus
Ersatz- oder wiedergenesenen Mannschaften gebildet
und den im Felde stehenden Truppen nachgesandt
werden. Die Auflösung der M. und die Zuteilung
der Mannschaften an die betreffenden Truppenteile
erfolgt bei der Feldarmee. In Frankreich verstand
man 1870/71 unter M. die nach Vernichtnng fast
der ganzen Armee neu formierten provisorischen
Truppenteile des stehenden Heers.
Märsche, die Fortbewegung von einzelnen Per-
sonen oder Gruppen von solchen sowie von Trup-
penabteilungen von Ort Zu Ort. Die Truppen-
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