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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Maurenbrecher - Maurer (Georg Ludw., Ritter von)
und arab. Landbewohnern. Die Spanier gaben dcn
in idr Land, znmTcil von Nordafrika hereindringen-
den inohannned. Eroberern den Namen ^loi-os. Von
diesen spanischen M. stammen die ^t orisken (Vt o -
riscos), d. h. die M., welche nach ihrer Besiegung
dnrch Ferdinand den Katholischen gegen Ende des
15. Jahrh, das Christentum zum Sckein annahmen
und daher nicht mit ihren dem Islam treu bleiben-
den Stammgenossen aus Spanien vertrieben wur-
den. Sie lebten als fleißige, rnhige Unterthanen bis
ans Philipp II., dessen Bedrückungen und Verfol-
gungen sie 1568-70 zu einem bewaffneten Aufstand
reizten, nach dessen Dämpfung über 100000 der-
selben zur Auswanderung gezwnngen wurden. Erst
Philipp III. gelang es 1609, sie aus Spanien gänz-
lich zu vertreiben. Etwa ^ Mill. Morisken wanderten
damals nach Nordafrika aus. Einige Geschlechter
dabcn ihre zu andal. Ahnen reichende Familientradi-
tion bewahrt; sie werden als "Andalos" bezeichnet.
Maurenbrecher, Wilh., Historiker, geb. 21. Dez.
1838 in Bonn, studierte in Bonn, Berlin und
München Gefchichte, führte dann die Redaktions-
geschäftc von Sybels "Histor. Icitfchrift", habili-
nerte sich 1862 in Bonn, wurde 186? Professor der
Geschichte in Dorpat, 1869 in Königsberg, 187?
in Bonn und 1884 in Leipzig, wo er zugleich Di-
rektor des Historischen Seminars war und 6. Nov.
1892 starb. M.s Hauptwerke sind: "Karl V. und
die deutschen Protestanten" (Düsseld. 1865), "Eng-
land im Reformationszeitalter') (ebd. 1866), "Stu-
dien und Skizzen zur Geschichte der Reformations-
zeit" (Lpz. 1874), "Geschichte der kath. Reforma-
tion') (Bd. 1, Nördl. 1880), "Die preuh. Kirchen-
politik und der Kölner Kirchenstreit" (Stuttg. 1881),
"Archivalifche Beiträge zur Gefchichtc des 1.1563"
<Lpz. 1889), "Geschichte der deutschen Königswahlen
vom 10. bis 13. Jahrh." (ebd. 1889) und "Grün-
dung des Deutschen Reichs 1859-71" (ebd. 1892).
Außerdem gab er aus dem Nachlaß von Noordens
"Histor. Vorträge", mit einem Lebensbild (Lpz.
1884) heraus. Von 1881 bis 1892 redigierte er das
"Histor. Taschenbuch" (6. Folge). - Vgl. G. Wolf,
Wilhelm M. (Berl. 1893).
Maurenkappe, f. Helm (Bd. 9, S. 18a).
Maurepas (spr. mor'pä), Jean Fre'dsric Phe-
lippeaux, Graf von, franz. Staatsmann, geb.
9. Juli 1701 in Verfailles, erhielt als 14jähriger
Knabe von feinem Vater das Amt eines Ministers
und Staatsfekretärs, das vermöge der Amts-
käuflichkeit schon seit 170 Jahren in der Familie
vererbt worden war. Er übernabm selbst fein
Amt im 1.1725. M. erwarb sich Verdienste, in-
dem er Seeschulen anlegte, die Häfen in Perfon be-
suchte und Mathematiker in dcn Dienst zog. Seine
eigentliche Stärke aber war daZ Hoflebcn; elegant
und flach, war er großen Aufgaben der Staats-
lenkung nicht gewachfen. Feindschaft mit der Pom-
padour verwies ihn 1749 vom Hofe, und das war
der Hauptgrund, ans dem Ludwig XVI. 1774 den
Verbannten zu seinem ersten Ratgeber berief. Tur-
gots und Malesherbes Reformversuchc wußte er
nicht zu ertragen; die von Maupeou (s. d.) unter-
drückten Parlamente stellte er wieder her. Auf dem
Gebiete der auswärtigen Politik half er den Krieg
gegen England für die Freiheit der Vereinigten
Staaten herbeiführen. M. starb 21. Nov. 1781.
Unter seinem Namen gab Soulavie "^i6ni0ii-63"
(4 Bde., Par. 1792) heraus, die wahrscheinlich
mMrgl^chodcn sind.
Maurer, Handwerker, welchen die Herstellung,
das Ausbessern, Verputzen, Durchbrechen u. s. w.
des Mauerwerks von Gebäuden obliegt. Ihr Ge-
werbe zählt, wie das der Zimmerleute, Steinmetze,
Dachdecker n. s. w. zu den Vaugewerben, welche
in früherer Zeit, wie alle andern Gewerbe, zünftig
waren. Selbst nach Einfübrung der Gewerbefreiheit
hat man in vcrfchiedenen Ländern die Baugewerbe
wegen der Gefahren eines ungeschickten Betriebs der
staatlichen Beaufsichtigung unterstellt. So verlangte
man in Preußen vor der Gewerbeordnung von 1868
für M., Zimmerleute und später auch Steinhauer
den Befähigungsnachweis, der dnrch Prüfung dar-
gethan werden mußte. Auch das österr. Gewerbe-
gefetz vom 20. Dez. 1859 fchrcibt für diefe Gewerbe
eine Konzession vor, welche nur an unbescholtene,
ihre Befähigung nachweifende Bewerber gegeben
werden darf, und die Gewerbegesetznovelle von 1883
hat hierin nichts geändert. Im Deutschen Reiche
dagegen besteht, abgeseben von baupolizeilichen
Vorschriften, auch für das Maurergewerbc und die
verwandten Zweige Gewerbefreiheit. Freilich sind
für das Baugewerbe in neuester Zeit größere Be-
schränkungen, insbefondere der Befähigungsnach-
weis, verlangt worden, jedoch erfchwert derUmstand,
daß das Maurergcwerbe namentlich in den großen
Städten immer mehr zum Großbetrieb neigt (1882
zählte man im Deutschen Reiche 49 043 Maurer-
geschäfte mit 324227 Beamten und Gehilfen), die
Durchführung diefer Forderung. Charakteristisch ist
im Maurergewerbe die großeZahl der Nebenbetriebe,
weil die M. im Winter arbeitslos sind. Nicht weni-
ger als 116 625 Gehilfen waren 1882 in Ncbenbe-
trieben (hauptsächlich Land- und Forstwirtschaft) be-
schäftigt. - Vgl. Schmoller, Zur Geschichte der
deutschen Kleingewerbe im 19. Jahrh. (Halle 1870);
Scholtz, Fachschule des M. (Lpz. 1887).
Maurer, Georg Ludw., Ritter von, bayr.
Rechtshistoriker und Staatsmann, geb. 2. Nov.
1790 zu Erpolzheim bei Dürkheim, studierte in
Heidelberg und Paris die Rechte, trat 1814 in den
bayr. Staatsdienst und wurde 1823 Staatsprotu-
rator bei dem Bezirksgericht zu Frankenthal. 1826
wurde er als Professor an dieUniversität zu München
dcrusen. 1829 wurde er Staatsrat und 1831 lebens-
länglicher Reichsrat. 1832 ernannte ihn der König
zum Mitglied derRegentschaft in Griechenland. Gro-
ßes Verdienst erwarb sich M. hier durch Abfassung
des Strafgefetzbuches, des Gefetzbuches für dasStraf-
verfahren, der Gerichts- und Notariatsordnung
und des Gefetzbuches über das Civilversahren. Als
die Ncgcntfchaft in Zwiespalt geriet und M. dem
Präsidenten Grafen Armansperg am entfchieden-
sten entgegentrat, wurde er mit Äbel 31. Juli 1834
nach Bayern zurückberufen. Nach dem Sturze des
Ministeriums Abel im Febr. 1847 ward M. Mini-
ster des 'Äußern und der Justiz und blieb in dieser
Stellung bis 30. Nov. 1847. Er starb 9. Mai 1872
zu München. Von seinen Schriften sind zu nennen -.
"Geschichte des altgerman. und namentlich altbayr.
öffentlich-mündlichen Gerichtsverfahrens" lHeidelb.
1824), "Das gricch. Volk in öffentlicher, kirchlicher
und privatrcchtlicher Beziehung vor und nach dein
Freihcitskampf bis zum 31. Juli 1834" (3 Bde., ebd.
1835 - 36), "Gefchichte der Markenvcrfasfung in
Deutschland" (Erlangen 1856), "Geschichte der Fron-
Höfe, der Vauerböfe und der Hofvcrfasfung in
Deutschland" (4 Bde., ebd. 1862-63), "Geschickte
der Dorsverfasfung in Deutschland" ^Bde., cdd<