Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

682
Mauritius (der Heilige) - Maurokordatos
und 3399 (1895: 3617) Chinesen. Letztere bearbei-
ten die Zuckerfelder, die freigelassenen Nesser betrei-
ben meist Kleinhandel. Die'Weißen (2-3000) sind
fast durchweg, franz. Abkunft. Die Gesamtansfuhr,
die seit 1893 wieder steigt, belief sich 1894 auf
31228619, die Einfuhr auf 15 746116 Rupien.
Hauptausfuhrartikel sind Zucker (28461564 Ru-
pien) und Rum (424632 Rupien): ferner Aloefascr
(171526 Rupien), Kokosnußöl (187116 Rupien)
und Vanille (82 720 Rupien). M. unterbält außer !
mit England .Handelsverbindungen mit den wick
ngsten Häfen des Indischen Oceans und steht in
regelmäßigem Dampfbootverkchr mit Reunion, Kap-
stadt, Aden und über Point-de-Galle l(5eylon) mit
Madras. 1894 kamen an 335 Schiffe mit 316350 t.
Die Seefischerei beschäftigt wie anf den Seychellen
viele Schiffe. Maße und Gewichte sind die metrischen.
Die Religion ist (abgesehen von den sich meist zum
Hinduismus bekennenden Kuli) vorberrschend katho-
lisch (1891: 115438), mit einem Bischof. (5s stebt
das franz. Zivilgesetzbuch mit einigen Abänderungen ^
nach engl. Muster in Kraft. 1894 zählte man in den !
174 Primärschulen 17 701 Schüler; dazu kommen !
M3 Schüler des Royal College und 295 Schüler der
Royal-College-Schulen. Die Besatzung bestand
1895 aus 43 Offizieren und 872 Mann. Die Jahrcs-
einnahmc betrug (1894) 8 534427, die Ausgabe
8 587 039, die schuld 1369 349 Pfd. St. Unter
dem Gouverneur von M., dem ein exekutiver Rat und
seit 1885 ein legislativer zum Teil gewählter Gou-
vernementsrat zur Seite stehen, i'teben die etwa
600 km östlich gelegene, sehr fruchtbare und ge-
sunde Insel Rodrigucz, 110 l^m mit 2068(5.,
die Seychellen (s. d.) nebst den Amiranten (s. d.), die
Tschagos-Inseln <s.d.) im Nordosten', die Aldabra-
Inseln (s. d.) und Nazarethinseln oder Cargados
Garajos mit 415 E., so daß aus diese Tependenzen
898 sikm mit 19 709 (5. kommen.
Die H au p t st a d t P or t - L o u i s, in schöner Lage
auf der Nordwestseite, an einer großen, von Basalt-
dergcn umschlossenen und durch die Forts Adelaide
und George geschützten Bai, Sitz des Gouverneurs,
des anglikan. und katb. Bischofs, der Handelskam-
mer, des Appellationsbofs und eines deutfchen Kon-
suls, hat 1894: 58244(5., ein Theater, eine kath. und
eine prot. Kathedrale, ein sebr gutes Gymnasinm
(^olli^e üo^ai), mehrere Missionsschulen, Tierarz-
neischule, ein Hospital, Sternwarte, Meteorolog. Ob-
servatorium, eine öffentliche Bibliothek, zwei Buck-
druckereien und zwei gelehrte Gesellschaften. Die
Stadt ist mit ihrem Freihafen Hauptsitz des Handels.
Eisenbahnen geben von hier nach Souillac im S.
mit Abzweigung nach Mahcbourg und nach der
Mündung des Grand-River im O. Nur 11,5> km im
N. liegt der botan. Garten von Pomplcmousscs. Die
Stadt Mahebourg mit 20000 E. liegt auf der
Südostseite, an der durch ein Korallcnrisf gesicherten
Bucht Grand-Port.
Die Insel M. wurde nebst den übrigen Mas
karenen 1505 durch den Portugiesen Pet. Mas-
carcnhas entdeckt und geborte bis 1598 den Portu-
giesen, von da an den Holländern, die sie nach dem
Prinzen Maurits benannten. Nachdem die Hol-
länder die Insel 1710 verlassen, wurde sie 1715 von
den Franzosen besetzt und Islc-de-France genannt.
1810 eroberten sie die Engländer, die ihr den alten
Namen wiedergaben und sie im Wiener Vertrage
von 1815 behaupteten. Auf Islc-dc-France spielt
"Paul undVirginic" vonBernardin dc Laint-Picrre,
und noch jetzt knüpfen sich hieran mancherlei Lokal-
sagen. - Vgl. Flemyng, X. c>i- tno Islo ok ^i-aucä
(Lond. 1862); Decotter, (-60FiHpnio do 51. et äs
868 llepOnckknckL (Mauritius 1891); Ine 5t. ^>
mlmac toi-1893 (ebd. 1893).
Mauritius, der Heilige, s. Thebäische Legion.
Mauritius, byzant. Kaiser, ein Kappadocicr,
war 579 Oberfeldherr in den asiat. Provinzen, wurde
13. Aug. 582 Schwiegersohn des Kaisers Tibcrius II.
und folgte ihm 14. Aug. desfclben Jahres auf dem
Throne. Namentlich durch die angestrebte Ermäßi-
gung des bohen Soldes verlor M. die Gunst der
Truppen. Noch aber sicherten große Siege, nachher
auch die Einsetzung des Khosrev II. auf dem pers.
Throne (592), auf der Ostgrenzc dem Reicke den Frie-
den. Weit fchwicriger dagegen war der Kampf mit
den Avaren und ihren slaw. Verbündeten. Als end-
lich der Kaiser hier seit 601 siegreich wiederholt die
Donau überschritten batte, bracb im Herbst 602 ein
Aufstand unter den Truppen aus. Unter Führung
des Hauptmanns Phokas kehrten die Meuterer nach
Konstantinopel zurück, wo M. 23. Nov. 602 gestürtt
und 27. Nov. ermordet wurde. Eine tattische Schrift
von M. veröffentlichte I. Scheffcr (Upsala1664). -
Vgl. Adamet, Beiträge zur Geschickte des byzant.
Kaisers M. (2 Tlc., Graz 1891).
Mauritiusorkane, die orkanartigen Luftwirbel
ls. d.), die von den Sunda-Inseln ber über den südl.
Indischen Ocean hinweg nach der Insel Mauritius
vor Madagaskar ziehen, hier umbiegen und nach
Südost sich weiter bewegen. Auch andere Teile des
Indischen Oceans werden vielfach von Cyklonen
durchzogen.
Mauritius- und Lazarus-Orden, ital.
Ordcn^ gestiftet 1434 vom Herzog Amadeus VIII.
von ^avoyen, 27. Dez. 1816 vom König Victor
Emannel I. von Sardinien erneuert, bestätigt und
umgestaltet 1855 und 1868. Er zerfällt in 60 Groß-
kreuze, 150 Großoffiziere, 500 Commandeure, 2000
Offiziere und eine unbeschränkte Anzabl Ritter.
Ordenszcichcn ist ein wcißemailliertes, in Lilicn-
sorm ausgebendes Kreuz, dessen Winkel mit den
Armen eines achtspitzigcn grünen Kreuzes ausge-
füllt sind, am grünen Bande getragen. (S. Tafel:
Die wichtigsten O rdcn I, Fig. 6.)
Maurizio, Porto-, Provinz, s. Porto-Mau-
rizio. jies-Fosses.
Maur-les-Fosses, Saint, s. Samt Maur-
Maurokordatos, Fanariotensamilie, aus der
mehrere Hospodare der Moldau und der Walachei her-
vorgegangen sind. Am bekanntesten sind. Alexan-
der M. lgeb. 1636, gest. 1709), studierte in Rom
und Padua Medizin, schrieb ein "Ilizti-unikMuin
MEumaticuui 8iV6 c^6 U8u pulmonuin)) (Bologna
1664', neue Aufl., ^pz. 1870) und viele andere
Werke; war Leibarzt des Sultans, Großlogothet dor
griech. Kircke und seit 1673 erster Pfortendolmetschcr,
in welcher Stellung er sich um die Griechen sehr ver-
dient machte. So sicherte er unter andcrm der gricck.
Kirckc ihre Ansprückc auf das Heilige Grab gegen
die Anforderungen der Lateiner, ^eit 1698 zeigte
er sich in Wien und bei den Friedensverhandlungen
zu Karlowitz (1699) als gewandten Diplomaten,
so daß ibn der deutsche Kaiser in den Grafenstand
erhob. Vgl. '^Xe3o^3p2^ No^poxops"^^ ?o5 i.^
ä^Qpp-^^v iii^^oXc/l, hg. von Livadäs (Trieft 1879".
- Alexander M., ged. 15. Febr. 1791 zu Konstan-
tinopcl, folgte früb seinem Oheim, dem Hospodat
Johann Karadscha, als dessen Minister nach der