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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meer
abgeben: als solchen hat man daher für Deutsch- l
land einen Punkt (Normalnull ^ AN) festgestellt, ,
der 37 in unter dem Normalböhenpunkt der Ver- !
liner Sternwarte und annähernd gleichboch mit
dem Nullpunkt des Pegels zu Amsterdam liegt. !
Früber batteman aus längern Beobachtungsreihen ^
den durch die Geleiten (s. d.) und andere Ursachen >
gestörten mittlern Wasserstand berechnet und
als Nullpunkt benutzt; dieser beträgt sür die Ostsee
bei Swinemünde nur 1-2 cm mehr als das Ber-
liner Normalnull. Wie sich aus dem Begrifs der
NweüvMche (s. oben) notwendig ergiebt, haben
die einzelnen Küstenpunkte der M. verschiedene Ni-
veauböbe; so liegt die Oberfläche des Atlantischen
Oceans etwa 1 m höher als die des Mittelländischen
M., die des Stillen Oceans bei Panama 1,07 in
böber als die des Atlantischen Oceans bei Ebagreo;
doch scheinen die neuesten Präcisionsnivellement^
zu ergeben, daß die Differenzen nicht überall fo groß
sind, wie früber angenommen wurde.
Von den Gewässern des Festlandes unterscheidet
sick das Meerwasser durch seinen Geschmack, der
außer seiner salzigen Veschaffenbeit nock einen Zu-
satz von widerlicher Bitterkeit hat, übrigens in den
verschiedenen M. verschieden und bei größerer Ent-
fernung vom Lande am salzigsten ist. Das Salz
verbindert die Fäulnis des Seewassers keineswegs;
vielmehr lehrt die Erfahrung, daß das Seewasser
selbst, wenn es in Ruhe stebt, viel leickter fault als
reines Wasser. Dagegen giebt der S a l z g e b a l t dem
Meerwasser einen Zusatz von specifischer Schwere,
der es geschickt macht, größere basten zu tragen und
das Schwimmen zu erleichtern. Die Zusammensetzung
des Meerwassers ist im allgemeinen: Eblornatrium
W,'> Teile, Chlormagnesium 3,2, Bittersalz ^,2,
Gips 1,4, Cblorkalium 0,6, Verschiedenes 0,1 Teile
in 1000 Teilen Wasser. Die große Menge Chlor-
natriums, das in dem Flußwasser nur in ganz ge-
ringen Mengen gelöst ist, rührt wohl von ausge-
dehnten, unterseeisch zu Tag tretenden Steinsalz-
lagern bor; die großen Massen von koblensaurem
Kalk, die durch die Flüsse dem M. zugefübrt, hier
aber nur als ganz geringfügige Bestandteile gefuu-
den werden, werden von tierischen Organismen,
wieKorallenpolypen, Muscheln, Fischen, Fischsäu-
gern u. a., verbraucht und bedecken nach dem Tode
dieser Tiere den Boden als Schlamm <s. oben). Der
Salzgebalt der Oceane bangt ab vom Grade der
Verdunstung und von der Menge der Niederschläge;
er ist am größten in den Passatzonen, am lleinsten
iu der äquatorialen Kalmenregion und in manchen
Binnenmeeren mit reichlichem Süßwass^rzufluß,
z. V. in der Oftsee. Das mittlere specifische Gewicht
des Meerwassers beträgt etwa 1,05; bis 1,031 und ist
wesentlich von dessen Salzgebalt abbängig.
Die Meeres färbe ist im allgemeinen blau, in
flacken Meeresteilen und in der Nabe von Küsten
und Flußmündungen grün (meergrün) mit vielen
Nuancen. Klippen verursachen einen bräunlichen
oder schwärzlichen, Schlammgrund einen graulichen
Ton. Kaltküsten geben dem Wasser eine auffallend
helle Farbe, und vom Ufer aus erscheint das M.
zuweilen ganz dunkelblau. Auch andere Farben
lolivengrün, rot, gelb) kommen vor, sie rühren
meist von tierischen oder pflanzlichen Organis-
men ber. Hierher gehört auch die Erscheinung des
Milchmeers < Wintermeers), die nur iu der
Nacht und besonders im Indischen Ocean auftritt.
Das beionders in den tropischen Gewässern häusige
Leuchten des M. (Pbosphorescenz) wird ver-
schieden erklärt. Nach K. Vogt wird es stets durch
Tiere hervorgebracht. Es beschränkt sich aber auf
keine Tierklasse der Meeresbewohner, noch auf ein
Organ, sondern es ist bei denselben eine allgemeine
Lebenserscheinung und, wie die Wärme, eine Be-
gleiterin des chem. Stoffwechsels. Die verschiedene
Intensität richtet sich daher nach der Energie, mit
welcker die Lebensprozesse vor sich gehen. Das Licht
wechselt nickt bloß in Stärke, sondern auch in Farbe,
und es giebt ungefärbtes, rötliches, gelbliches, bläu-
liches und grünliches Licht. Manche Seetiere leuch-
ten nur während der Muskel- oder Friktionsbewe-
gung. Eine hervorragende Rolle unter den Leucht-
tieren fpielt Xo^tiluca und in tropischen M. die nahe
verwandte i'vi'ocvZtis. Merkwürdig ist ferner die
außerordentliche Durchsichtigkeit des M., die
im allgemeinen weit größer als in dem mit sremden
Teilchen reick geschwängerten Wasser der meisten
Süßwasserseen und noch mehr der Flüsse, und in
kalten Klimaten auffallender als in den heißen ist.
Das Licht dringt, nach den Aussagen der Taucher,
Kl-20 m und noch tiefer unter die Oberfläche des
M. ein, und Ulan bat häufig bei 65 in Tiefe noch
den Meeresgrund deutlich gefehen; die Lichtstrahlen
dringen aber noch in größere Tiefe ein, photogr.
Platten wurden bei trübem Wetter bis auf 200 m,
bei bellem sogar nock in 300 in Tiefe angegriffen.
Das Meerwasser ist in fortdauernder Bewegung,
wodurck seine Neinheit erbalten wird. Zu den regel-
mäßigen geboren, außer den Gezeiten (s. d.), vor
allem die konstant in einer Richtung ziehenden
M e e r e 5 str ö m u n g en. Die polaren Strömungen
sind auf Verschiedenheit des specififchen Gewichts
infolge von Temperaturunterschieden, also verschie-
dener Dichtigkeit zurückzuführen. Der verschiedene
Sal'igebalt bringt den Wasseraustausch zwischen
Weltmeer und Mittelmeeren zu stände sin der
Straße von Gibraltar u. s. w.). Auch die Gestalt
de^ Meerbodens und der Küsten übt eine gewisse,
aber doch nur mebr nebensächliche Einwirkung auf
Richtung und Ausbreitung der Meeresströmungen
aus. Die wichtigsten Meeresströmungen haben aber,
wie Zöppritz festgestellt hat, den Winden, und zwar
den seit langer Zeit immer in derselben Richtung
webenden, z. B. den Passatwinden, ihre Entstehung
zu verdanken. Zwei Hauptarten werden, obwohl eine
ganz scharse Grenze zu ziehen nicht immer leicht
ist, auch beute nock zumeist unterschieden, die Drift-
strömung lTristströmung), d. h. die ursprünglich
durck den Wind erzeugte Strömung, die durch die
Erdrotation oder durch Anstoßen am Land ihre
Richtung bäusig ändert, und die Aus gleichungs-
strömung, die dadurch entsteht, daß der Abgang
des von Driftströmungen weggeführten Wassers er-
setzt wird. Da ihre Richtung der der Driftströme
entgegengesetzt ist, nennt man sie auch Gegen-
str 0 mu n g. Unter den Driftströmungen nehmen die
erste Stelle die sog. 'Äquatorialströme oder Ost-
ströme ein, voll einigen auch "Rotation des M."
genannt. Diese Strömungen erscheinen im Atlan-
tischen Ocean is. d.), wie in der Eüdsee (s. d.), in der
äquatorialen Zone. Außerdem giebt es noch eine
Anzahl besonderer Meeresströme, zu deren wichtig-
sten der Golsstrom is. d.) und seine Ausläufer im
Atlantischen Ocean und der Kuro-Eiwo (s. d.) oder
Japanische Strom im Großen Ocean, sowie die aus
den Polargebieten kommenden kalten Strömungen
geboren. Diese letztcvn Mvcn hiwsig ^d^eMaiim
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