Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

725
Meer (van der, Maler)
sind im M. gleichfalls seltener als im süßen Wasser.
Auch Reptilien finden sich nicht hänfig im M.: echte
Seeformen sind die Seeschildkröten (s. d.), die in-
dessen ihre Eier auf dem Laude legen, und die Meer-
schlangen (s. d.); auch Krokodile geben gelegentlick
ins R. und durchschwimmen große Strecken. Ab-
solute Meeresvögel giebt es nicht, da sie mindestens
an das Land gehen, um zu brüten, die meisten ancb
fliegen können, doch sind viele im übrigen ganz (Pin-
guine, Alke, Sturmvögel) oder fast ganz (Scharben,
Növen) an das M. gebunden. Säugetiere besucben
das M. entweder mehr gelegentlich (s. Meerotter)
oder verlassen es nach größern Pansen (Seebunde
und Robben, s. d.), um an das Land zu geben, oder
endlich sie verlassen es nie (Waltiere und Sirenen,
s. d.), nm das Land zu besuchen, haben aber Arten, die
im süßeu Wasser vorkommen oder in dasselbe hinein-
schwimmen. Etwa gleich start im M. wie auf dem
Lande und im Sühwasser zugleich mögen die Ord-
nnngen der Schnecken und Plattwürmer vertreten
sein. Häufiger und zum Teil sehr viel bäusigcr sind
Fische, Muschelu, Moostierchen, Schnur- und Ringel-
würmer sowie Kruster im M. Fast auvschließlicbe
Meeresbewohner sind die Mitglieder des Kreises
der Hohltiere, ausschließlich sind es die der Entero-
pneusten (s. d.), Mollnskoiden (s. d.) und Echino-
dermen und die Klassen der Kopffüßer, Pfeilwürmer,
Armfüßer, Horn- und Kalkschwämme, Heraktinelliden
und Tetraktinelliden, Anthozoen, Scheiben- und
Rippenquallen und Radiolarien.
Die Zahl der das M. bewohnenden Tierarten ist
bedeutend geringer als die der Land und Süßwasser
bewohnenden zusammen, aber umgekebrt verbält es
sich mit der Menge tierischer Substanz, da die See-
tiere vielfach in unendlich viel größern Scharen auf-
treten als die Landtiere und weil im M. für Tiere
völlig unbewohnbare Stellen kaum vorkommen:
in den größten Tiefen herrscht hier noch ein reges
Tierleben. Man kann die Tierwelt auch nacb dem
Gesichtspunkt ihres Vorkommens unterscheiden:
1) Gruppe der G ezeitentiere, zwischen den Gren-
zen von Ebbe und Flnt. Sie sind meist stark be-
panzert und haften fest an Felsen, Steinen u.s. w.
oder graben sich beim Trockenlanfen des Landes in
den feuchten Sand und Schlamm ein, oder verstecken
sich unter Steinen, Tangbüscheln u. s. w. 2) K ü st e n -
tiere, die von dem Strich der tiefsten Ebbe bis so-
weit, wie das Tageslicht in das M. eindringt und
Pflanzen in demselben vorkommen, ihre Vcrtretcr
hat. Entsprechend der Beschaffenheit der Küsten
sind die Küstentiere wieder unter sich verschieden:
Bodentiere (z. B. Rochen, Plattsische u. s. w.) ruhen
meist flach auf dem Boden, Felsentiere basten
an Felsen oder verstecken sich in deren Klüften,
Tangtiere Hansen zwischen den Gebüschen der See-
Pflanzen, während Koralleninseltiere nur in den
Lücken der Lagunen zwischen den Korallenbauteu
vorkommen. Alle diese verschiedenen .Nüstenticre
sind in der Regel farbig und oft sebr bunt, und
ihre Färbung ist entweder eine Schutz- oder Warn-
färbung. 3sPelagiscbe oder Oderflächen -
tiere, die von der Oberfläche bis etwa 300 in tief
vorkommen und nach Bedürfnis und obne Nachteil
von einem Horizont znm andern steigen oder sinken
können. Manche halten sich am Tage an der Ober-
stäche anf und ziehen sich des Nachts zurück, andere
verfahren umgekehrt, fast alle aber verlassen die
Oberstäche bei heftigem Wind oder bei Regen, da
die meisten Seetiere das süße Wasser durchaus
l nicht vertragen können. Die meisten sind durch-
sichtig und farblos (selbst junge Fische) oder blau,
besitzeu sebr gute aktive oder als Sinthemmnisse
wirtende Bewegungsorgane und hydrostatische Ap-
parate in Gestalt von Lnstkammern oder Oltropfen.
4) Pelagische Tangtiere oderSargassotiere
bilden die eigenartige Fanna der Sargassomeere
(s. d.). Fast alle sind den Farben des Tanges sehr
ähnlich gefärbt und besitzen Klammer- und Haft-
orgaue, wenn sie nicht überhaupt festsitzend sind.
5) Tiefsee tiere (s. Tiefseeleben).
Litterat u r. Maury, ^11i6 p1iv3ica1 AkoZrapdv
c"t Ui6 863. lrnä it3 Iü6t00i-o1c)^ (19. Aufl., Neuyork
1883: nach der 1. Anst. dentsch bearbeitet von Bött-
ger, Lpz. 1856; 2. Aufl. 1859); Schleiden, Das M.
(Lpz. 1865-66; 3.Aufl.,Braunschw.1887); Krüm-
met, Versuch einer vergleichenden Morphologie der
Meeresräume (Lpz. 1879); Boguslawski und Krüm-
met, Handbuch der Oceanographie (2 Bde., Stnttg.
1884-87); P. Hoffmann, Zur Mechanik der Meeres-
strömungen (Berl. 1884); Krümmet, Der Ocean
lLpz. und Prag 1886); I. Tbonlet, Oceano^a^iiü
(8wtiqn6) (Par. 1890); Fürst Albert von Monaco,
Zur Erforschung der M. und ihrer Bewohner (deutsch
von E. von Marenzeller, Wien 1891); K. Natterer,
Zur Ebemie des M. (ebd. 1892); Krümmcl, Geo-
physik. Beobacktungen der Plankton-Erpedition (Kiel
1893); Job. Walther, Bionomie des M. (Jena 1893);
ders., 'Allgemeine Meereskunde (Lpz. 1893); Schott,
Wissenscbastliche Ergebnisse einer Forschungsreise
zur See (Gotba 1893); Buchan, Ilsport 011 oceanie
cii-culation (Lond., Edinb., Dublin 1895); Keller,
Das Leben des M. (Lpz. 1895); Annalen der Hydro-
grapbie und maritimen Meteorologie (bg. vom
! Hydrograpdiscken Amt der taiserl. Admiralität).
^ Meer, van der, Name mehrerer niederländ.
! Maler des 17. Iabrb.
! Ian van der M., geb. 1628 zu Haarlem, gest.
! daselbst 1691, gehört zu den hervorragenden Land-
sckaftern derHaarlemer Echnle. Er liebte es, einer-
seits flacke Gegenden mit weiten Fernblicken, an-
dererseits Waldlandschaften von Poet. Komposition
und warmer Färbung zu malen.
Jan van der M., Sohn des vorigen, geb. 1656
zu Haarlem, gest. 28. Mai 1705, erhielt von sei-
nem Vater die erste Anleituug und wurde dann
von N. Bergbem unterrichtet. Er malte Land-
scbaften mit Tierstaffage und Seestncke; seine Ar-
beiten zeugen von Naturstudium und Kompositions-
talent, haben aber bereits eine gewisse Manier und
Zersabrenbeit. Man besitzt auch einige treffliche
Radierungen von ihm (besonders ein stehendes und
ein liegendes Schaf).
Ein anderer I an vander M., gewöhnlich Ver -
meer genannt, geb. 1632 zu Delft, gest. 1675, ist,
wie Pieter de Hoogh, im eigentlichsten Sinne ein
Maler des Lichtes gewesen. Das eigentümliche Spiel
des hellen, durch die Fenster einfallenden Lichtes in
einem Binnenranm ist der ihn vorzugsweise be-
schäftigende Vorwurf, den er in mannigfachster,
stets geistreicher und änßerst reizvoller Weise löst.
In der Regel sind es nur einzelne Figuren, die er
darstellt: Eine sich schmückeude Frau (Berlin), Ein
Mädchen mit dem Weinglas (Braunschweig; s. Ta-
fel: Niederländische Kunst VI, Fig. 4), Die
Briefleserin lAmsterdam und Dresden), Der Geo-
meter (Frankfurt a. M.), Dame am Klavier (seit
1893 in London). Nnr selten giebt er Grnppen, so
in dem berrlichen Maleratelier (Wien, Galerie Czer-