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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Meißnisch; Meissonier; Meistbegünstigungsklausel; Meister; Meistergesang

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Meißnisch - Meistergesang

Meißnisch, s. Deutsche Mundarten (Bd. 5, S. 32 b).

Meissonier (spr. messonnjeh), Ernest, franz. Maler, geb. 21. Febr. 1815 zu Lyon, bildete sich, nachdem er nach Paris gekommen war, hauptsächlich nach den alten Meistern des Louvre und lernte kurze Zeit bei Cogniet. Er begann seine Künstlerlaufbahn mit Illustrationen zu weitverbreiteten Werken, wie den Romanen von de Saint-Pierre. Mit einem Schlage bekannt wurde er 1841 mit dem Bilde Die Schachpartie. Auf dieser Bahn des Sittenbildes schritt er dann weiter, ohne besondern Wert auf wirkungsvolle Scenen zu legen. Einfache Vorgänge in vollendetster Weise bei meist kleinem und kleinstem Maßstabe darzustellen, ist ihm Hauptsache geblieben. Musikdilettanten, Bücherleser, Raucher (s. Tafel: Französische Kunst Ⅵ, Fig. 5), Biertrinker, Schachspieler, Kunstliebhaber, Künstler im Atelier führt er uns vor, höchst selten bewegte Scenen, wie seine Kegelspieler (1847), Die Bravi (1852), Folgen eines Streits beim Spiel (1865). Das 1875 gemalte Bild Rast des Reiters befindet sich in der Kunsthalle zu Hamburg. Eine Zeit lang griff er auch mit gleichem Erfolg zu histor. Einzelfiguren oder Scenen aus der Revolutionszeit und dem ersten Kaiserreich, wie Die Kürassiere von 1805, Napoleon Ⅰ. mit seinem Stab im Winterfeldzug 1814 (1864; Baltimore, Walters Galerie),Schlacht bei Friedland (1875; Neuyork, Metropolitanmuseum) und Napoleon Ⅲ. in der Schlacht bei Solferino (1864;im Luxembourg zu Paris). Dazu kommen auf verschiedenen Ausstellungen Porträte, die aber seine weniger starke Seite ausmachen. Seine Bildchen stehen in höchstem Preise; so wurde sein berühmtes Bild «1814» im Mai 1880 um 850000 Frs. verkauft. Trotz aller Feinheit sind seine Gemälde mit einer gewissen Breite behandelt und von außerordentlichem Reiz der Charakteristik. 25 Meisterwerke von ihm befinden sich in Hertford-House zu London. Er hat auch meisterhafte Radierungen und Lithographien ausgeführt. 1861 ward er Mitglied der Académie des beaux-arts zu Paris. M. starb 31. Jan. 1891 zu Paris. 1894 wurde ihm ein Denkmal in Poissy, 1895 ein solches (von Mercié) im Louvregarten zu Paris errichtet. – Vgl. J. Claretie, Ernest M. (Par. 1884); G. Larroumet, Meissonier (ebd. 1893).

Meistbegünstigungsklausel, s. Differentialzölle und Handelsverträge.

Meister (aus lat. magister), jeder, der ein Handwerk selbständig betreibt. Zur Zeit der Zünfte (s. d.) war das Recht des selbständigen Betriebes von der Ablegung einer Meisterprüfung (s. d.) abhängig. Über die neuern Bestrebungen zur Wiedereinführung eines solchen Nachweises s. Befähigungsnachweis.

In der Kunstgeschichte wird M. mit einem näher bezeichnenden Zusatz gebraucht, um Künstler zu benennen, deren Namen nicht genau bekannt sind. So von Malern: der «M. des Kölner Dombildes», ein Kölner Maler zu Anfang des 15. Jahrh., neuerdings als Stephan Lochner festgestellt; der «M. der Lyversbergschen Passion» (um 1463‒80), der «M. des Bartholomäus» (um 1500), der «M. vom Tode der Maria» (um 1515‒30; jetzt als Joos van der Beke, genannt Joos van Cleve, erkannt), alle drei benannt nach den Werken in der Münchener Pinakothek. Namentlich benennt man Holzschneider und Kupferstecher mit dem Meisternamen und dem hinzugefügten Monogramm; daher faßt man diese zusammen unter dem Namen Monogrammisten. So: der «M. von 1423», der «M. E. S.», der «M. mit den Bandrollen» (Maître aux banderolles), weil seine Blätter fast alle mit Bandrollen versehen sind, der «M. mit dem Würfel» (s. Dé). – Vgl. Nagler und Andresen, Die Monogrammisten (5 Bde., Münch. 1857‒79).

Meistergesang, die Dichtung, die seit dem Anfange des 14. Jahrh. von Bürgern der deutschen Städte gepflegt wurde. Sie kann als eine Fortsetzung der im 12. und 13. Jahrh. von den höfischen Dichtern, den adligen Minnesingern (s. Minnesang), begründeten und ausgebildeten lyrischen Kunstdichtung gelten. Die Dichter selbst werden Meistersinger genannt. Ihren Ursprung führt die sagenhafte Überlieferung der Singschulen auf 12 alte Meister zur Zeit Kaiser Ottos, darunter vor allem auf Heinrich von Meißen, den Frauenlob (s. d.), zurück, und es prägt sich darin wenigstens die richtige Erkenntnis aus, daß die gelehrten Spruchdichter, wie Frauenlob, die «Meister» des ausgehenden 13. Jahrh., die unmittelbaren Vorläufer des M. waren. Der älteste wirkliche Meistersinger war aber nicht der theologisch gebildete Frauenlob, sondern der mit diesem im Range wetteifernde Regenbogen. In Mainz, wo beide sangen, bildete sich jedenfalls eine der ältesten, wenn nicht die älteste Singschule, ein Verein ungelehrter Bürger zur Pflege des Gesangs; diesem Beispiel folgten zuerst am Rhein, bald in ganz Deutschland, viele andere Städte. Während aber in Mainz, Speyer, Worms u. s. w. aller frische Geist bald erstarrte und ängstlichste Nachahmung der angeblichen alten Meister und ihrer Töne Gesetz wurde, erstand in Nürnberg durch den begabten, wenn auch rohen Hans Folz zu Ende des 15. und im 16. Jahrh. die eigentliche Blüte des M., deren Höhepunkt der geniale Hans Sachs bezeichnet. Eine größtenteils aus Handwerkern bestehende geschlossene Verbindung wie die Singschule der Meistersinger mußte sich notwendig zunftmäßig gestalten und also auch der Kunst einen handwerksmäßigen Charakter, einen schulmäßigen Betrieb und ihren Pflegern eine zunftmäßige Rangordnung (Schüler, Schulfreund, Singer, Dichter, Meister) geben. Das rein Äußerliche, die feste Beobachtung der Regeln, deren Inbegriff die Tabulatur (s. d.) hieß, ward zur Hauptsache, und den Namen «Meister», der eine bestimmte Stellung und Würde innerhalb der Schule bezeichnete, erhielt nur, wer einen neuen Ton erfand und nach dem Urteile der «Merker» fehlerfrei vortrug. Um durch Neuheit den Meisterrang zu erwerben, überbot man in der äußern Form des Liedes, in Zahl und Verschlingung der Verse und Reime, die bis zu 100 in der Strophe anwuchsen, die Künsteleien der letzten Minnesänger bis ins Ungeheuerliche hinaus, während man im Rhythmus der Verse die natürliche Silbenbetonung sträflich vernachlässigte, sich grobe Wortkürzungen erlaubte und sich mit roher Silbenzählung begnügte. Auch das im Minnesang so wichtige musikalische Element trat vollständig in den Hintergrund. Die Namen, die man den neu erfundenen Tönen beilegte, wetteiferten in grotesker Geschmacklosigkeit. Den Inhalt bildeten im 14. und 15. Jahrh. mit Vorliebe scholastisch-theol. Spekulationen und Schulkünste, d. h. gereimte Tabulaturen; im 16. Jahrh. wurden namentlich in prot. Schulen versifizierte Stellen der Lutherschen Bibel beliebt; daneben Novellen, Schwänke, histor. Anekdoten, Lehrhaftes u. s. w. Dichterische Begabung zeigte sich sehr selten und ge- ^[folgende Seite]