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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Melosa – Melusine

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Melos'

von Athen Kolonisten ein. Von 1204 bis 1537, wo sie von den Türken unter Cheir eddin Barbarossa unterworfen wurde, gehörte sie zum venet. Herzogtum Naxos. Am 20. Aug. 1661 erfochten hier die Venetianer einen Seesieg über die Türken. – Vgl. Roß, Reisen auf den griech. Inseln des Ägäischen Meers, Bd. 3 (Stuttg. 1845); Ehrenburg, Die Inselgruppe von Milos (Lpz. 1889).

Melosa, Pflanze, s. Madia.

Melosira, Alge, s. Bacillariaceen.

Melote, Pflanzengattung, s. Melilotus.

Melozzo, ital. Maler, s. Forli, Melozzo da.

Melpomene, eine der Musen; auch Name des 18. Planetoiden.

Mel rosatum, Rosenhonig (s. d.).

Melrose (spr. -rohs), Ort in der schott. Grafschaft Roxburgh, am rechten Ufer des Tweed, mit (1891) 1432 E. und der dem Herzog von Buccleuch gehörenden Ruine der Abtei M., die 1136 durch David II. gegründet und 1322 von Eduard II. von England zerstört wurde. Der schönste Teil der noch stehenden Kirche, der spätgot. Chor, stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh. – Vgl. Wade, History of St. Mary’s Abbey M. (Edinb. 1861).

Melsungen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Cassel, hat 389,11 qkm und (1890) 27276, 1895: 27487 (13095 männl., 14392 weibl.) E., 3 Städte, 61 Landgemeinden und 10 Gutsbezirke. –

2) Kreisstadt im Kreis M., an der Fulda, über die zwei Brücken (1596 und 1891 erbaut) führen, und der Linie Bebra-Cassel der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Cassel), hat (1895) 3742 E. (1890: 3663, darunter 44 Katholiken und 119 Israeliten), Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Reste alter Befestigungen, große Kirche (1415–25) mit roman. Turm (12. Jahrh.), landgräfl. Schloß und Rathaus (1556), 2 Privatlehranstalten, landwirtschaftliche Winter- und Handwerkerschule, Sparkasse, Vorschußkasse, Hospital, Schlachthaus; Tuchfabriken, Webereien, Gerbereien und Märkte. In der Nähe die Burg Spangenberg, westlich die Ruine Heiligenberg.

Meltau, weiße oder grauweiße, schimmel-, woll- oder mehlartige Überzüge auf Teilen lebender Pflanzen (Blättern, Stengeln, Früchten), unter deren Einwirkung die befallenen Pflanzen mehr oder weniger leiden und verkrüppeln, oft ganz und gar, bisweilen überaus rasch eingehen. Der M. rührt entweder von den abgestreiften, mit feiner weißer Wolle bedeckten Häuten von Blatt- und Schildläusen her, die durch die von diesen Insekten abgesonderte klebrige, süße Flüssigkeit (sog. Honigtau, s. d.) an die von solchen Läusen bewohnten Pflanzenteile angeklebt werden, oder er besteht aus den Mycelien schmarotzender Pilze. Letztere Art von M. ist viel häufiger und weit verderblicher als erstere. Die betreffenden Pilze gehören meist zu der den Pyrenomyceten, Abteilung der Perisporiaceen (s. Ascomyceten) angehörigen Gattung Erysiphe L. und zur Familie der Peronosporeen. Das Mycelium der Erysiphearten besteht aus einem dicht verzweigten, fädigen Gewebe, das sich auf der Oberfläche der befallenen Pflanzenteile befindet und sich durch Saugorgane, Haustorien, festhält und seine Nahrung den Pflanzen entnimmt. Dies Mycelium entwickelt während des Sommers Conidien, die sich in großer Zahl an den Enden der aufgerichteten Conidienträger abschnüren und die rasche Verbreitung des Pilzes im Sommer bewirken. Sie bilden das weiße mehlartige Pulver, ↔ dessen plötzliches Erscheinen den Namen erklärt. Im Herbst werden die kapselartigen Perithecien gebildet, die sehr charakteristische fadenförmige Anhängsel besitzen. Sie sind ohne Mündung, daher können ihre Sporen, deren sich meist acht in einem Schlauch befinden, nur durch Verwesung oder zufälliges Zerbrechen der Kapselwand ins Freie gelangen. Die verbreitetsten Erysiphearten sind Erysiphe communis Link, welche unter anderm Erbsen, Klee, Cichorien befällt, und Erysiphe graminis Lév., welche auf Getreidearten und Gräsern auftritt. Auch das die Traubenkrankheit des Weins hervorrufende Oidium Tuckeri Berk. gehört hierher. Der bekannteste Repräsentant der Peronosporeen ist der Kartoffelpilz (Phytophthora infestans De By., s. Kartoffelkrankheit). Die erfolgreiche Bekämpfung des M. ist bisher noch nicht gelungen. – Vgl. Kühn, Krankheiten der Kulturgewächse (2. Aufl., Berl. 1859); R. Wolff, Die Meltaupilze (ebd. 1875); Frank, Die Krankheiten der Pflanzen (Bresl. 1880–81).

Meltaupilze, die den Meltau (s. d.) verursachenden Pilze aus verschiedenen Familien.

Melton-Mowbray (spr. mellt’n mohbré), Parlamentsborough in der engl. Grafschaft Leicester, in fruchtbarem Thale, am Wreak, 24 km im NO. von Leicester, Eisenbahnknotenpunkt, Mittelpunkt eines berühmten Jagddistrikts (Fuchshetzen), hat (1891) 6392 E.; Handel mit Fleischpasteten und Stiltonkäse.

Meltzer, Gregor, Jurist, s. Haloander.

Melun (spr. -löng). 1) Arrondissement des franz. Depart. Seine-et-Marne, hat 1089,83 qkm, (1891) 68615 E., 97 Gemeinden und 6 Kantone. –

2) Hauptstadt des franz. Depart. Seine-et-Marne, 45 km südöstlich von Paris, nahe dem schönsten Teile des Waldes von Fontainebleau, an der schiffbaren Seine und an der Linie Paris-Lyon der Mittelmeerbahn, Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Assissenhofs und zweier Friedensgerichte, der 5. Kavalleriedivision, hat (1891) 10200, als Gemeinde 12792 E., in Garnison einen Teil des 113. Infanterieregiments und das 2. Husarenregiment, zwei alte Kirchen, ein Stadthaus mit dem Standbild Amyots, ein Collège, Lehrerseminar, ein großes Centralgefängnis; Baumwollspinnerei, Fayencefabrik, Brauerei, lebhaften Handel mit Getreide, Mehl, Kohlen, Wein, Schlachtvieh und Käse aus der Brie. – M. ist das gallisch-röm. Melodunum. 886 eroberten und verheerten es die Normannen; unter den Kapetingern war M. Königsresidenz. Während der Belagerung durch Heinrich V. von England (1420) unterzeichnete Karl VI. den Vermählungsvertrag seiner Tochter mit jenem König. Erst 1430 wurde die Stadt mit Hilfe der Jeanne d’Arc befreit.

Melusine, auch Fischweibchen, eine schöne Meerfee, welche die genealog. Sage Raimondin, einem Sohne des Grafen von Forét, zur Gattin, dem Geschlecht Lusignan zur Stammmutter giebt. Einst überraschte sie ihr Gemahl in Fischgestalt und sie verschwand mit lautem Wehklagen. So oft seitdem dem Königreich oder ihren Nachkommen, den Grafen von Lusignan, Unglück bevorstand, wurde sie drei Tage vorher auf dem Turme des Schlosses von Lusignan in Poitou in Trauer gesehen. Zuerst schrieb (1387) Jean d’Arras in franz. Prosa (gedruckt 1478), bald darauf der Trouvère Couldrette (1401) in Versen die Sage nieder. Ihm folgend faßte (1456) Thüring von Ringoltingen seinen deutschen Melusinenroman ab (gedruckt Augsb. 1474),

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 759.