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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mensch

Trinil auf Java gefundenen Resten des Pithecanthropus erectus den Übergang vom Affen zum M. erkennen wollen. Andere sehen in diesen Resten nur Teile eines riesigen fossilen Gibbon. Eine Anzahl von Naturforschern nimmt für den M. einen besondern Schöpfungsakt an.

Über die Lage der lebenswichtigen Organe des menschlichen Körpers giebt die beigefügte Tafel: Der Körper des Menschen (Durchschnitt) Aufschluß, die nach dem Durchschnitt in der Mittellinie einer gefrorenen männlichen Leiche angefertigt ist. Der Kopf zerfällt in den Schädel und das Gesicht; von den einzelnen Schädelknochen ist auf dem Durchschnitt das Stirnbein mit der Stirnhöhle sowie das Hinterhauptsbein zu erkennen. In der geräumigen Schädelhöhle liegt, von den Gehirnhäuten umschlossen, das Gehirn mit den beiden Großhirnhemisphären, dem Hirnbalken, der Zirbeldrüse und den Vierhügeln, darunter das Mittelhirn mit der Varolsbrücke und dem verlängerten Mark, sowie das Kleine Gehirn mit dem Lebensbaum (s. Gehirn). Unterhalb der Schädelhöhle befinden sich die Nasenhöhle, von der man auf dem Durchschnitt nur die Nasenscheidewand erblickt, sowie die Mundhöhle mit ihrem knöchernen Dach, dem harten Gaumen, mit dem beweglichen weichen Gaumen und dem Zäpfchen, die die Grenze zwischen Mund- und Rachenhöhle bilden, mit der Zunge, dem Unterkiefer und dem Schließmuskel des Mundes. Der Hals, dessen knöcherne Grundlage die sieben Halswirbel bilden, vermittelt die Verbindung zwischen dem Kopf und dem Rumpf und enthält außer zahlreichen wichtigen Nerven und Blutgefäßen das Zungenbein, den Kehlkopf, von dem man auf der Tafel den durchschnittenen Schild- und Ringknorpel sieht, die Luftröhre mit der vorgelagerten Schilddrüse, dahinter die Speiseröhre, die Halswirbelsäule mit dem eingeschlossenen Rückenmark, die Zwischenwirbel- und Nackenmuskeln sowie das starke Nackenband. In der von dem Brustbein, den Rippen und den Rückenwirbeln umschlossenen und durch das Zwerchfell von der Bauchhöhle getrennten Brusthöhle liegen das Herz mit seinen beiden Kammern und Vorkammern, die Lungen, von denen in der Mittellinie nur ein kleiner Teil der rechten Lunge sichtbar ist, der untere Teil der Luftröhre mit dem rechten und linken Bronchus, die Speiseröhre und die großen Blutgefäße, von denen auf der Tafel die Schlüsselbeinschlagader, die unbenannte Blutader (s. Anonyma), die aufsteigende und die absteigende Brustschlagader sichtbar sind; an der hintern Wand der Brusthöhle liegen die Wirbelsäule mit ihren Wirbelkörpern und Dornfortsätzen, das Rückenmark und die Rückenmuskulatur. (S. Brust.) Die vom Bauchfell fast allenthalben ausgekleidete Bauchhöhle enthält die Leber mit der Gallenblase und Pfortader, den Magen, den Darmkanal mit dem Zwölffingerdarm, dem Dünndarm und Grimmdarm (s. Darm) sowie die Bauchspeicheldrüse. Milz und Nieren sind auf der Tafel nicht sichtbar, weil sie nicht in der Mittellinie liegen; nur die linke Nierenblutader ist erkennbar. Von sonstigen Blutgefäßen erblickt man die große Bauchschlagader, die obere und untere Gekrösblutader sowie die linke Hüftblutader. In der Beckenhöhle endlich, die vorn vom Schambein, hinten vom Kreuzbein und Steißbein begrenzt wird, liegen beim Manne die Harnblase mit dem Anfangsteil der Harnröhre und der Vorsteherdrüse sowie der Mastdarm, der nach außen durch einen kräftigen Schließmuskel verschlossen wird. Über die Extremitäten s. Arm und Bein. - Vgl. auch die Artikel Bänder, Bauch, Blutgefäße, Brust, Gehirn, Gehör, Herz, Muskeln, Nerven, Schädel, Skelett mit den zugehörigen Tafeln.

In Bezug auf seine Entwicklung im Mutterleibe weicht der M. durchaus nicht von dem für die übrigen Wirbeltiere gültigen Plane ab. (S. Embryo.) Die Differenzierung in zwei verschiedene Geschlechter scheint nach neuen Untersuchungen, namentlich von Nagel, schon in der ersten Keimanlage vor sich zu gehen. Es entwickeln sich, abgesehen von der Verschiedenheit der Geschlechtsteile, eine große Anzahl sog. sekundärer Geschlechtscharaktere, unter denen Geschlechtsunterschiede in dem Bau des Schädels, des Gehirns, des Beckens, des Hautsystems mit seinem Zubehör, der innern Organe u. s. w. zu nennen sind. Auch in Bezug auf die Wachstumsverhältnisse, auf die Größe und das Körpergewicht finden sich Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern, ebenso in der Sterblichkeit (s. Sterblichkeitsstatistik). Im erwachsenen Zustande scheint bei allen Menschenrassen (s. d.) das Weib kleiner zu bleiben als der Mann, die Größenverhältnisse des letztern zeigen aber sehr erhebliche Schwankungen, welche teils individueller Natur, teils durch den Rasseneinfluß bedingt werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Körpergewicht. Auch die Entwicklung von den kindlichen zu den erwachsenen Zuständen, der Eintritt der Pubertät, findet bei verschiedenen Völkern in verschiedenem Lebensalter statt. Im allgemeinen tritt die Pubertät bei dem weiblichen Geschlecht früher ein als bei dem männlichen, und bei beiden Geschlechtern in tropischen und subtropischen Gegenden frühzeitiger als in der kalten Zone. Das Studium des M. hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer besondern Wissenschaft herausgebildet, zu der Anthropologie (s. d.).

2) Anthropometrie. Die Forschungen über die Naturgeschichte des M. (somatische Anthropologie und Rassenanatomie) haben besonders in der neuesten Zeit einen sehr bedeutenden Aufschwung genommen, teils durch die Entdeckung des größten und menschenähnlichsten Affen, des Gorilla (s. d.), teils durch die sich immer häufiger bietende Gelegenheit, Vertreter fremder Rassen in Europa oder in ihrer Heimat durch anthropologisch geschulte Forscher untersuchen zu können. Dafür wurden exakte Meßmethoden der Anthropometrie (Menschen- oder Körpermessung) ausgebildet, die nicht nur den Schädel in allen seinen Teilen, sowie seinem Innenraum nach, in Betracht ziehen (Kraniometrie), sondern ebenso genau jeden einzelnen Knochen des Skeletts und vor allem auch eine exakte vergleichende Aufnahme lebender M. gestatten. Wesentlich sind diese Forschungen gefördert worden durch die Stiftung anthropol. Gesellschaften (Berlin, Wien, München, Paris, London, Brüssel, Rom, Petersburg u. a.), die in ihren Gesellschaftspublikationen die wichtigsten Forschungsmethoden und -Ergebnisse mitteilen. In Frankreich (Paris) arbeiteten in dieser Richtung vor allem Broca (s. d.) und seine Schule, Topinard, Manouvrier u. a. und bildeten die Methoden der Technik namentlich für die Messung der einzelnen Knochen (Osteometrie) auf das feinste aus. Die von Göttingen ausgegangene, von Retzius (s. Menschenrassen) zuerst ausgebildete Schädelmessung wurde auch in Deutschland hauptsächlich fortgebildet, in der neuesten Zeit namentlich durch Virchow und seine anthropol. Schule, der es gelang, 1882 eine