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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Menschenaffen; Menschenalter; Menschenfloh; Menschenfresser; Menschenhai; Menschenopfer

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Menschenaffen - Menschenopfer

geschlechts aus der Erde (deutsch von L. Büchner, 2. Aufl., Lpz. 1874); Diefenbach, Vorschule der Völkerkunde (Frankf. 1864); H. Ploß, Das Weib in der Natur- und Völkerkunde (4. umgearbeitete Aufl., von M. Bartels, Lpz. 1895); J. Ranke, Der M. (2. Aufl., 2 Bde., ebd. 1893-94); Ellis, Man and Woman (Lond. 1894; deutsch Lpz. 1894); Camboulives, L'homme et la femme à tous les âges de la vie (Par. und Lpz. 1894); L'Anthropologie (Paris, seit 1890); Matériaux pour l'histoire positive et philosophique de l'homme von G. de Mortillet (Paris, seit 1864); The Anthopological Review der Gesellschaft zu London (seit 1863); Archivio per l'antropologia e la etnologia, hg. von P. Mantegazza (Florenz); Bulletino di paleontologia italiana von Pigorini und Strobel (Pavia); The American Antiquarian von L. Peet (Chicago); The American Anthropologist (Washington).

Menschenaffen, Anthropoiden, Pithekoiden oder Anthropomorphen, hat man die großen, schwanzlosen, menschenähnlichen Affen genannt, welche die heißen Zonen der Alten Welt bewohnen. Sie gehören den Schmalnasen (Catarrhinae) an, haben 32 Zähne wie der Mensch und unterscheiden sich von allen andern altweltlichen Affen und auch den Gibbons durch den gänzlichen Mangel von Gesäßschwielen. Mit den andern Affen haben sie auch die geringere Entwicklung des Daumens an den Vorderhänden, dagegen die größere Ausbildung und Entgegenstellbarkeit desselben an den Hinterhänden und die größere Länge der Vorderarme im Verhältnis zu den Hinterbeinen gemein.

Durch die Stellung der Augen und Ohren, die Bildung des Schwanzbeins, die Breite der Brust, welche nicht wie bei den andern Affen gegen die Mitte keilförmig zusammengedrückt ist, nähern sie sich mehr dem Menschen, während das dichte, mit langen Grannen untermischte Haarkleid, welches nur das Gesicht, die Ohren und die Zehen frei läßt, wieder affenartig ist. Der Kopf ist nach Alter und Geschlecht sehr verschieden. In der Jugend gerundet und einem Kinderkopfe ähnlich, gewinnt er mit dem Alter durch das Zurückbleiben der Schädelkapsel, die ein im Verhältnis zum Menschen nur kleines Gehirn birgt, und durch das Vorwachsen der Kiefer sowie die stets platte, der Schnauze gewissermaßen aufliegende Nase ein tierähnliches Ansehen. Bei den ältern Männchen entwickeln sich noch die Eckzähne als stark vorstehende, kegelförmige Fänge, während sich zugleich hohe Knochenleisten auf dem Schädel und stark vorspringende Augenbrauenbogen ausbilden, die dem Tiere ein wildes Ansehen geben. Alte Männchen erreichen die Größe des Menschen, doch ist bei der Kürze der Beine der Rumpf oft größer und breiter als bei diesem. Die afrikanischen M., Schimpanse (s. d. und Tafel: Affen der Alten Welt III, Fig. 1) und Gorilla (s. d. und Tafel: Affen der Alten Welt I, Fig. 2), sind schwarz, der auf Borneo und Sumatra lebende Orang-Utan (s. d. und Taf. I, Fig. 1) rotbraun. Über die Stellung dieser Geschöpfe zu dem Menschen s. Mensch. M. gelangen alljährlich auf den europ. Tiermarkt, namentlich Schimpansen und Orang-Utans, wogegen erst wenige Gorillas eingeführt worden sind. Meist sind es junge Tiere, und erst 1893/94 gelang es ausgewachsene Orangs einzufangen und lebend nach Europa zu bringen. Der Preis für junge Schimpansen beträgt etwa 800 M., für Orangs bis zu 1200 M., und die von E. Pinkert in Leipzig erworbenen erwachsenen Orangs haben sogar bis zu 12000 M. das Stück gekostet. Die Mehrzahl der M. erträgt jedoch die Gefangenschaft nur wenige Monate. - Vgl. R. Hartmann, Die menschenähnlichen Affen und ihre Organisation im Vergleich zur menschlichen (Bd. 60 der "Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek", Lpz. 1883).

Menschenalter, s. Generation.

Menschenfloh oder gemeiner Floh (Pulex irritans L., s. Tafel: Insekten III, Fig. 10), die bekannteste Art aus der Gruppe der Flöhe, ist vor den verwandten Arten durch sehr kräftige Hinterbeine, die ihn zur Ausführung von gewaltigen Sprüngen befähigen, sowie durch das Fehlen der Stachelkämme auf dem Rücken ausgezeichnet. Das Männchen wird 2,5, das Weibchen 3-4 mm lang. Aus den Eiern, die das Weibchen in Dielenritzen, Kehricht u. s. w. absetzt, kriechen im Sommer etwa nach 6 Tagen die madenartigen Larven aus, die sich nach 11 Tagen verpuppen. Etwa nach weitern 11 Tagen schlüpft das ausgebildete Insekt aus. In der kältern Jahreszeit dauert die Entwicklung etwas länger. Besonders lästig wird der M. in wärmern Ländern. Zu seiner Vertilgung wendet man persisches Insektenpulver an und hält vor allem die Zimmerdielen sorgfältig rein.

Menschenfresser, soviel wie Kannibalen (s. Kannibalismus).

Menschenhai, s. Haifische.

Menschenopfer, ein bei fast allen heidn. Völkern üblicher Brauch, Menschen der erzürnten Gottheit als Sühne darzubringen. Im vorgeschichtlichen Europa hat man mehrfache Spuren von M. feststellen können, namentlich als Leichenfeier bei der Bestattung von Häuptlingen. Im histor. Altertum finden sich die M. besonders beim semit. Stamme; die Phönizier opferten Kinder dem Moloch. In Karthago war das Kinderopfern Staatseinrichtung. Auch die Araber brachten M., ebenso die Israeliten, wie viele Stellen des Alten Testaments bezeugen. Bei den alten Griechen waren M. zur Homerischen Zeit namentlich als Leichenopfer noch ziemlich allgemein. Mit Erstarkung des Humanitätsgefühls wurden sie hier allmählich verbannt. Am längsten hielt sich das Opfern von Verbrechern. Auch die Römer kannten das M., sowohl das freiwillige als das unfreiwillige. Hier galt es besonders, die unterirdischen Götter durch dasselbe zu sühnen. Allein man opferte auch hier vor allem Verbrecher. Am Feste des Jupiter Latiaris und den Compitalien wurden bis 97 v. Chr. M. dargebracht; in diesem Jahre wurden sie durch Senatsbeschluß abgeschafft. Bei den Germanen sind die M. unter allen Stämmen nachweisbar. Vor allem wurden sie dem Kriegsgott Ziu (Tyr) und dem Totengott Wodan (Odin) gebracht. Meist bediente man sich zu diesen Opfern der Kriegsgefangenen. Bei den Nordgermanen opferten zuweilen Könige ihre Kinder, um dadurch ihr Leben zu verlängern; Völker gaben ihren König dem Tode preis, um dadurch Mißwachs zu vertreiben. Noch bis heute haben sich im Volksaberglauben Erinnerungen an alte M. forterhalten. (S. Einmauerung.) Über die M. bei den alten Mexikanern s. d. In Afrika hat erst die neueste Zeit den massenhaften M. in Dahome (s. d.), Uganda u. a. O. ein Ende gemacht. - Auch die Witwenverbrennung oder -Erwürgung zur Leichenfeier des Gatten ist M., das sich in dieser Form namentlich in Indien erhalten hat.