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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mesen - Mesityloxyd

blume), M. pomeridianum L. (Nachmittagsblume) und einige andere Arten durch schone, rote, goldgelbe oder weiße Blumen aus. Sie werden im Mistbeet oder im Zimmer in Töpfen aus Samen gezogen und Mitte Mai ins Freie gebracht. Von den mehrjährigen Arten wird M. cordifolium variegatum Hort. (s. nachstehende Abbildung), eine krautartige Pflanze mit niederliegenden Stengeln und schönen gelb und weiß gezeichneten, herzförmigen Blättern, als Teppich- und auch als Ampelpflanze verwendet. M. aurantiacum Haw., M. coccineum Haw. und andere Halbsträucher sind dankbar blühende Zimmerpflanzen und werden leicht durch Stecklinge vermehrt. Die süßen Früchte von M. edule L. (Feigeneisblume) und M. acinaciforme L., zweier Sträucher ebenfalls im Kaplande, sind eßbar (Hottentottenfeigen). Die saftreichen Blätter derselben Arten dienen bei Wassermangel zur Stillung des Durstes, werden auch wie Gurken in Essig eingemacht.

^[Abb.]

Mesen (spr. -sénj). 1) Fluß in den russ. Gouvernements Wologda und Archangelsk, entspringt in einer sumpfigen Hügelgegend an der Wasserscheide zur Petschora, macht einen Bogen nach S., wendet sich dann nach NW. und mündet in die Mesen-Bucht des Weißen Meers. Er ist 876 km lang, von der Mündung der Pishma an schiffbar (370km) und sein Flußgebiet beträgt 78 760 qkm. Hauptnebenflüsse sind die Waschka (398) und Pesa (302 km). - 2) Kreis im östl. Teil des Gouvernements Archangelsk, der größte im europ. Rußland, am Eis- und am Weißen Meer, hat mit den dazugehörigen Inseln Kolgujew, Waigatsch, Nowaja Semlja 508 456,7 qkm, an Festland allein (mit dem Delta der Petschora) 408 921 qkm, 51 758 E. (Großrussen, etwa 13 000 Syrjanen, 5000 Samojeden); Vieh-, Renntierzucht, Waldindustrie, Jagd, Fischerei, etwas Ackerbau nur im Süden. - 3) Kreisstadt im Kreis M., rechts an der Mesenbucht, hat (1893) 1840 E., Post, Telegraph, 3 Kirchen; Handel mit Holz, Fischerei, Viehzucht und Schiffbau.

Mesencephalon, Mittelhirn, s. Gehirn (Bd. 7, S. 676 b).

Mesenterialdrüsen (Gekrösdrüsen, Glandulae mesentericae), die zwischen den beiden Blättern des Gekröses (s. d.) eingelagerten Lvmphdrüsen. Chronische Schwellungen der M. finden sich oft bei unzweckmäßig ernährten Kindern und werden als Unterleibsskrofeln oder Unterleibsdrüsenschwindsucht (Tabes mesaraica, Paedatrophia) bezeichnet (s. Pädatrophie).

Mesenterialemphysem, eigenartige Affektion des Gekröses bei Schweinen, bei welchen der Darm (Leerdarm) an der Anheftungsstelle des Gekröses mit traubenartigen Anhängseln besetzt ist, die sich aus gashaltigen prallen Blasen zusammensetzen. Auch an andern Stellen des Gekröses finden sich solche Gasblasen vor. Die Ursache der Gasbildung, die offenbar zu diesen Bildungen führt, ist unbekannt. Wahrscheinlich sind Mikroorganismen bei der Entstehung des M., das übrigens für die Schweine scheinbar völlig bedeutungslos ist und oft erst beim Schlachten beobachtet wird, beteiligt.

Mesenteritis (grch.), die Entzündung des Gekröses.

Mesenterium (grch.), Gekröse (s. d.).

Meseritsch, Stadt, s. Großmeseritsch.

Meseritz. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Posen, hat 1152,55 qkm und (1890) 49 458, 1895: 50 697 (24 055 männl., 26 642 weibl.) E., 5 Städte, 80 Landgemeinden und 37 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis M., am Einflusse der Packlitz in die Obra und an den Nebenlinien Reppen-Rokietnice und Bentschen-Schwerin der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Posen) mit neun Amtsgerichten (Bentschen, Birnbaum, Grätz, M., Neutomischel, Schwerin a. d. Warthe, Unruhstadt, Tirschtiegel, Wollstein), eines Amtsgerichts, einer Reichsbanknebenstelle und Eisenbahnbau-Inspektion, hat (1895) 5356 (1890: 5167) E., darunter 1555 Katholiken und 260 Israeliten, Postamt erster Klasse, zwei evang., eine kath. Kirche, Synagoge, ehemaliges Piaristenkloster, jetzt Rathaus, Gynmasium, Präparandenanstalt, Waisenanstalt, Hospitäler, Krankenhaus, Kreis- und städtische Sparkasse, Vorschußverein; Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen, Spiritusbrennerei, Dampfziegeleien, Landwirtschaft und Obstbau.

Meshirjetschje, poln. Miedzyrzecz, Stadt im Kreis Radin des russ.-poln. Gouvernements Sjedlez, an der Krzna und an der Eisenbahn Warschau-Teresvol, hat (1892) 12 119 E., in Garnison das 5. Infanterieregiment Kaluga, Post, Telegraph, 1 kath., 2 unierte Kirchen; Messingfabriken, Mühlen, Gerbereien und Handel.

Mesites, s. Cystideen.

Mesitylen, das symmetrische Trimethylbenzol, C6H3(CH3)3. Es findet sich im Steinkohlenteer (neben Pseudocumol im Teercumol) und entsteht durch Kondensation von drei Molekülen Aceton:

2 C3H6O (Aceton) = C9H12 (Mesitylen) + 3 H2O.

Es ist eine angenehm riechende Flüssigkeit vom Siedepunkt 163°. Durch Oxydation der Methylgruppen zu Carboxylgruppen entstehen nacheinander die Mesitylensäure, C6H3(CH3)2(COOH), die Uvitinsäure, C6H3(CH3)(COOH)2, und die Trimesinsäure, C6H3(COOH)3. (S. Mesityloxyd.)

Mesityloxyd. Durch die Einwirkung wasserentziehender Mittel (konzentrierte Schwefelsäure, Chlorzink, Chlorwasserstoff u. s. w.) wird Aceton zu einer Reihe komplizierter Substanzen kondensiert. Zwei Moleküle Aceton treten auf diese Weise zu M., drei Moleküle zu Phoron zusammen, welch letzteres unter Wasseraustritt Mesitylen (s. d.) bildet:

2 C3H6O (Aceton) = C6H10O (Mesityloxyd) + H2O,

3 C3H6O = C9H14O (Phoron) + 2 H2O,

C9H14O = C9H12 (Mesitylen) + H2O.

M. und Phoron sind noch Ketone. Ersteres, (CH3)2.C:CH.CO.CH3,