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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mesmer - Mesopotamien

siedet bei 130°, letzteres bei 196°. Bei der Bildung von Mesitylen ans Phoron findet ein Übergang von einer Verbindung der Fettreihe zu einem aromatischen Kohlenwasserstoffe (Trimethylbenzol) statt.

Mesmer, Franz (nach andern Friedr. Anton), der Begründer des Mesmerismus oder der Lehre vom sog. Tierischen Magnetismus (s. d.), geb. 23. Mai 1733 zu Iznang am Bodensee, besuchte das Priesterseminar zu Dillingen und studierte in Ingolstadt Theologie, dann Naturwissenschaften, ging hierauf nach Wien und promovierte 1766 mit der Dissertation "De influxu planetarum in corpus humanum". Seit 1771 begann er mit dem Pater Hell die Heilkraft des Mineralmagnets zu untersuchen und kam dadurch auf die Annahme einer dem Menschen innewohnenden ähnlichen Kraft, die er tierischen Magnetismus nannte. Er veröffentlichte die neue Entdeckung in seinem "Schreiben an einen auswärtigen Arzt über den Magnetismus" (Wien 1775). M. wurde vom Kurfürsten von Bayern als Mitglied der Akademie nach München gerufen, kehrte aber nach Wien zurück, wo er seine magnetische Praxis fortsetzte. Da sich aber die Behauptung, er habe durch seine Methode ein blindes Mädchen sehend gemacht, als Betrug erwies, mußte er Wien verlassen und ging 1778 nach Paris, wo er den Magnetismus zur Modesache machte. Er versprach gegen eine Subskription, die seine Anhänger Deslon und Bergasse veranstalteten, und die ihm über 340 000 Livres einbrachte, den Subskribenten seine Heilmethode mitzuteilen, was jedoch niemals geschehen ist. Da M. durch seine Kuren den Tod mehrerer hochgestellter Personen herbeigeführt hatte, veranstaltete die Regierung eine Untersuchung des Verfahrens, wobei sich beide niedergesetzte Kommissionen zu Ungunsten M.s aussprachen. Dadurch verlor er in Paris sein Ansehen, ging nun nach England und von da nach Deutschland zurück, wo er 5. März 1815 zu Meersburg starb. - Vgl. Sierke, Schwärmer und Schwindler zu Ende des 18. Jahrh. (Lpz. 1874); Carpenter, Mesmerism and spiritualism (Lond. 1877); Kiesewetter, Franz Anton M.s Leben und Lehre (Lpz. 1893).

Mesoblast (grch.), soviel wie Mesoderm, s. Embryo und Keim.

Mesocarpium, s. Frucht (Bd. 7, S. 386b).

Mesocco, Valle, oder Mesolcina, deutsch Misor, das Thal der Moesa im schweiz. Kanton Graubünden, die im Lago Moesola am St. Bernhardin entspringt und durch die Buffalora und Calanca verstärkt bei Arbedo in den Ticino mündet, wird rechts durch eine 2-3000 m hohe Zweigkette des Rheinwaldgebirges, links vom Massiv des Pizzo della Lumbreda (2977 m) und einem Ausläufer des Pizzo Tambo (3276 m) umschlossen, erstreckt sich 36 km lang, an der Sohle selten über 1 km breit vom St. Bernhardin bis zu der Grenze des Kantons Tessin. Die wichtigsten Ortschaften des Thals, das von der St. Bernhardinstraße durchzogen wird, sind in der obersten Thalstufe der Kurort San Bernardino (1626 m) mit gipshaltiger Eisenquelle, in der mittlern Cremeo oder M. (777 m, 1686 E.) mit den gewaltigen Trümmern der 1526 von den Graubündenern zerstörten Burg M., in der untersten Grono (305 m) an der Mündung des Val Calanca (s. d.) und Roveredo (297 m, 1065 E.) mit der Ruine des Schlosses der Trivulzi.

Mesoderm (grch.), s. Embryo und Keim.

Mesogastrium (grch), Mittelteil des Bauches; mesogastrische Gegend, Nabelgegend.

Mesohippus, s. Hippotherium.

Mesokephalie (grch., d. h. Mittelköpfigkeit), die Form des menschlichen Schädels zwischen Brachykephalie (s. d.) und Dolichokephalie (s. d.). Der größte Breitendurchmesser hat dabei eine Länge von 751 bis 799 Promille des größten Längendurchmessers. (S. auch Menschenrassen.)

Mesolcina, s. Mesocco.

Mesolithisch (grch.), der mittlern Steinzeit (s. d.) angehörig.

Mesolongion, ital. Missolunghi, Stadt im westl. Mittelgriechenland in der Landschaft Ätolien, liegt höchst ungesund in sumpfiger Ebene am Binnenrande der großen Lagune, die die Nordküste des Golfs von Patras zwischen den Mündungen der Flüsse Achelous (Aspropotamos) und Euenos (Phidaris) begleitet. Nur kleine Fahrzeuge gelangen bis zur Stadt; größere Schiffe müssen an der Nehrung der Lagune, 7 km von der Stadt entfernt, ankern. Nicht weit nordwestlich liegt in den Lagunen die ebenfalls befestigte Stadt Ätolikon (Anatolikon). M. ist Hauptstadt des Nomos Akarnania-Ätolia und der Eparchie M., Sitz eines Erzbischofs, des zweiten Armeekommandos und eines Gymnasiums, zählt (1889) 9476 E. und ist durch Eisenbahn mit Agrinion und Antirhion (unvollendet)verbunden.

M. ist durchaus neuern Ursprungs und nicht viel über drei Jahrhunderte alt. Von Fischern gegründet, wurde es bald durch seine wichtige Lage am Eingange des Golfs von Patras von Bedeutung und hob sich schnell durch den Handel, hatte im 18. Jahrh. auch sehr achtbare Bildungsanstalten. Im griech. Unabhängigkeitskampfe war M. das Hauptbollwerk der Griechen in Westhellas und wurde von den Türken mehrmals vergeblich angegriffen. Am 27. April 1825 legte sich der Seraskier Redschid Pascha, genannt Kiutagi, mit ungefähr 20 000 Mann vor M., das der tapfere Notis Botzaris verteidigte. Alle Angriffe waren vergeblich; selbst als seit dem 7. Jan. 1826 Ibrahim Pascha mit dem ägypt. Heer an der Belagerung sich beteiligte, vermochte man nichts gegen M. auszurichten. Nur der äußerste Mangel an Lebens- und Kriegsbedarf nötigte am Ende die Besatzung und die Einwohner, 22. April 1826 abends nach 8 Uhr einen Versuch zu machen, sich durch die Belagerer durchzuschlagen. Allein nur einem Teile gelang dies; viele der in die Stadt Zurückgedrängten sprengten sich nebst den eingedrungenen Ägyptern und Türken in die Luft. Erst 14. Mai 1829 wurden M. und Ätolikon von den Griechen mit Kapitulation wieder eingenommen. In M. ist ein Mausoleum, welches das Herz Byrons enthält, der in M. 19. April 1824 starb, sowie eine 6. Nov. 1881 enthüllte Statue Byrons. - Vgl. Fabre, Histoire du siège de M. (Par. 1826).

Mesomphalion (grch.), Nabelmitte, der Nabel als Körpermitte.

Mesopentekoste (grch.), der mittelste Tag zwischen Ostern und Pfingsten, der vierte Tag nach Jubilate.

Mesophyll (grch.), die Gewebepartien der Blätter, die zwischen Nerven oder Leitbündeln mit den sie begleitenden Bast- oder Kollenchymsträngen liegen. Das M. besteht sonach vorzugsweise aus den assimilierenden Zellen, also aus dem sog. Palissaden- und Schwammparenchym. (S. Blatt, Bd. 3, S. 86b.)

Mesopotamien (grch., "Zwischenstromland"), das Land zwischen Euphrat und Tigris bis südlich zum Persischen Golf, nördlich bis zum armenischen Bergland. Von den spätern Griechen wird darunter