Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

825
Meter (Flüssigkeitsmaß) - Methfessel
-von 5130740 Toisen ergeben batten, wurde 1799
1)ie neue Maßeinheit (der zehnmillionste Teil dieser
Länge) gesetzlich (als "N(>tr6 viai et ä^iinitit", d. h.
wahres und endgültiges M.) mit443,296 alten Pariser
Linien (^ 3,o?844 alten Pariser Fuß) festgestellt.
Diese Länge ist dem M. als Maßeinheit auch unab-
änderlich verblieben, obgleich nach neuern Messun-
gen und Berechnungen (namentlich Bessels 1837)
sich die wahre Größe des Meridianquadrantcn, bei
Annahme einer Abplattung von nur ^299, auf
10000856 rQ erhöht. Das gesetzliche franzosische
M., das auch im Tauschvcrkchr und in den technischen
Gewerben an Stelle des frübern Fuß- und Ellen-
maßes allgemein gebräuchlich geworden ist, ent-
spricht 3,18620 frühern preuß. und gegenwärtig dän.,
3,ia3?5 frühern Wiener oder österr., 3,23000 engl.
und russ. Fuß. Die höhern und niedern Einbeiten
°des gesamten metrischen Systems werden nach dem
Decimalsystem gebildet und zwar in der Weise, daß
man sich für die Vielfachen griech., für die Teile lat.
Vorsetzungen bedient. So teilt sich das M. in
10 Decimeter zu 10 Centimeter zu 10 Millimeter,
während 10 M. 1 Dekameter, 10 Dekameter (oder
100 M.) 1 Hektometer, 10 Hektometer (oder 1000 M.)
1 Kilometer, 10 Kilometer (oder 10000 M.) 1 Mvria-
-meter bilden. Das Dekameter dient als Meßkette,
das Kilometer und Myriameter als Längenmaß für
.größere Entfernungen, über das Urmaß des M.
s. Normalmaß und Metrisches System.
Das Quadratmeter (^m) bildet die Grund-
lage des Flächenmaßes. Das land- und waldwirt-
schaftliche Flächenmaß ist das Ar ls. d.) von 100 hin:
zu geogr. Flächenbestimmuugen dient das Quadrat-
kilometer (hkm), in Österreich auch das Quadrat-
myriameter (^ 100 hkm) von 100 Kl5 oder 10 000 n
oder 1000000 hin; 1 c^kin ^ 0,0i8i6 deutsche geogr.
Quadratmeile, daher 1 deutsche geogr. Quadratmeile
^ 55,0629 Hkin. Eiuheit der Hohlmaße ist das Liter
>(s. d.) ^ ^yyy des Kubikmeters (cdm). Auck das
Oewickt ist aus dem M. abgeleitet, da das Kilo-
gramm ebenso schwer wie ein Liter (V1000 ^"w
destillierten Wassers bei dessen angeblich größter
Dichtigkeit (-^ 4^ (.'!. oder 3^// R.), im luftleeren
Raume auf der Pariser Sternwarte gewogen, ist.
S. Vtaß und Gewicht, sowie Meile.
Meter, türk. Flüssigkeitsmaß, s. Alma.
Metercentner, s. Metrischer Centner.
Meterkerze, s. Beleuchtung (Bd. 2, S. 603 a).
Meterkilogramm, soviel wie Kilogrammmetcr
(s. d.). frisches System.
Meterkonvention, internationale, s. Me-
Metertonne (engl. moteiton), ein Maß, um
1)ie großen lebendigen Kräfte eines Geschosses in
irgend einem Teile seiner Flugbahn auszudrücken.
Es wird abgekürzt in int und ist gleich dem Tausend-
fachen eines Kilogrammmeters (s. d.). Man bezieht
dieses Maß entweder auf den Centimctcrumfang des
Geschosses oder auf den Quadratcentimeter seines
Querschnittes oder anch total auf fein ganzes Ge-
wicht. Z. V. hat die Kruppsche 42 cm-Küstenkanone
I<33 eine lebendige Kraft an der Mündung von:
total ^ 18594 mt, für den Quadratccntimeterquer-
schnitt^ 13,4 int, für den Centimeterumfang ^ 141 int
bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 604 in und
cinem Gesckoßgcwi'ckt von 1000 1^.
Meth, Gttränk, s. Met.
Methtterylfciure, eine ungesättigte organische
Cäure von der Zusammensetzung
isomer mit der Crotonsäure (s. d.). Sie kommt in
geringer Menge im Römischkamillenöl vor und
kann synthetisch dargestellt werden. Sie krystalli-
siert, schmilzt aber schon bei 15°, siedet bei 160" und
riecbt nacb faulen Pilzen.
! Methämoglobttt, eine Verbindung des Blut-
farbstoffes (Hämoglobin) mit Sauerstoff, die sich bei
gewissen Krankbcitcn, namentlich bei Vergiftungen
mit salpetriger Säure oder chlorsauren Salzen bil-
det, aber auch künstlich dargestellt werden kann, wenn
^ man Blut mit oxydierenden Snbstauzen versetzt. Es
giebt vor dem Epektralapparat charakteristische Ab-
sorption^streifen, mittels deren es mit Leichtigkeit
nachgewiesen werden kann.
Methämoglobinürie, das Auftreten von
Metbämoglobin im Harn.
Methan, Mcthvlwafferstoff, Methyl-
bvdrür, Snmpfgas, Grubengas, OH4, die
einfachste gesättigte Verbindung des Kohlenstoffs
und Wasserstoffs. M. bildet den Ausgangspunkt
für die Darstellung einer großen Zahl von orga-
niscken Verbindungen. Es findet sich in Gasquellen
in Petroleumgegendcn und entsteht bei verschiedenen
Zersetzungsprozesscn der organischen Materie, so
bei der trocknen Destillation der Steinkohlen, daher
sein Vorkommen im Leuchtgase; vielleicht ist sein
Austreten in den schlagenden Wettern (s. Gruben-
gas) der Kohlengruben auf gleiche Ursache zurück-
zuführen. Ferner entsteht es bei der durch Bakterien
bewirkten Gärung der Cellulose, daher sein Vor-
kommen unter den aus Sümpfen aufsteigenden und
den bei der Verdauung im Darm gebildeten Gafen.
Zur Darstellung wird 1 Teil vom Krystallwasser
befreites essigsaures Natrium innig mit 3 Teilen
Natronkalk gemischt und das Gemenge in einem
geeigneten Apparat zur schwachen Rotglut erhitzt.
Das M. ist ein färb- und geruchloses, brennbares
Gas von 0,5.6 spec. Gewicht, das durch einen Druck
von 1^0 Atmosphären zu verflüssigen ist. Gemenge
von M. und Sauerstoff oder atmosphärischer Luft
explodieren beim Entzünden heftig, sobald die bei-
den Bestandteile in angemessenem Verhältnis ge-
mischt sind. Alle Mischnngen, die auf ein Volumen
M. uicht weniger als 6 Volumina und nicht mehr
als 16 Volumina Luft enthalten, sind erplosions-
fähig. Bei der Explosion verbrennt das M. zu
Kohlensäure und Wasser und macht daher die At-
mospbäre eines Raums, in dem die Explosion statt-
gefunden bat, unatembar.
Methänderiväte, f. Fettvcrbindungen.
Methen,s. Methylen.
Methenyl, Bezeichnung für die nur in Ver-
bindungen vorkommende dreiwertige Atomgruppe
(0U^); z.B.istMetheuyltrichlorür,0H0I<;,Chloro-
form, Methenyltrijodid, Oll^, Jodoform, Methe-
nylorvdhydrat, dK>0H, die Ameisenfäure.
Methennltrijodld, soviel wie Jodoform (s. d.).
Methfessel, Albert, Licderkomponist, geb. 0. Okt.
1785 zu ^tadtilm (^chwarzburg-Rudolstadt), stu-
dierte in Leipzig und gab hier Kompositionen für
Gesang, Klavier, unter anderm auch ein "Journal für
die Guitarre" heraus. 1809 ging er nach Dresden und
ward 1811 als Kammerfänger und Musiklehrer der
regierenden Fürstin in Rudolstadt angestellt. 1822
-32 lebte er als Gesang- und Musiklehrer in Ham-
burg. 1832 wurde er als Hofkapellmeister nach
Braunfchweig berufen; nach einer zehnjährigen
Amtsfübrung pensioniert, erblindete er später fast
gänzlich und starb 23. März 1869 zu Heckenbeck bei