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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Miers - Miete
2 Bde., Verl. 1848), "?0^v8tHni6 poxnanzkis" ("Der
Aufstand in Posen", Par. 1860) und "Berichte über
den Feldzug in Baden" (Bern 1849).
Mie^s, hinter lat. Pflanzennamen Bezeichnung
für JohnMiers, Vicepräsidenten der Linne'schen
Gesellschaft in London, geb. 1789, gest. 1879; er
schrieb über südamerik. Pflanzen.
Mierzwinski (spr. mjärschw-), Ladislaus, Te-
norist, geb. 21. Okt. 1850 zu Warschau, trat erst im
Alter von 30 I. als Sänger an die Öffentlichkeit.
Er gastierte mit großem Erfolg in Paris und Mai-
land und wurde dann auf drei Jahre an das Co-
vent-Gardentheater in London engagiert. Er erhielt
in Berlin und Wien den Titel als Kammersänger.
Seine Hauptrollen sind Arnold in "Wilhelm Tell",
Raoul in den "Hugenotten", Manrico im "Trou-
Mies, Fluh, s. Beraun. ftadour".
Mies. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen,
hat 869,02 hkin und (1890) 64 691 (31309 männl.,
33 382 weibl.) meist deutsche E. in 126 Gemeinden
mit 155 Ortschafteil und umfaßt die Gerichtsbezirke
M., Staab und Tuschkau. - 2) M., czech. 8t.iidi-0
(d. h. Silber), Stadt und Sitz der Bezirkshaupt-
mannschast sowie eines Bezirksgerichts (285,56 qkm,
24526 E.) und Revierbergamtes, an dem zur
Veraun gehenden Miesbache und an der Linie
Pilsen-Eger der Osterr. Staatsbahnen (Station
M.-Madrau), hat (1890) 3978 deutsche E., Post,
Telegraph, Dekanatskirche, Überreste der Minoriten-
kirche (1253), ein schönes Rathaus, eine Brücke mit
Turm (16. Jahrh.), Stadtpark, deutsches Obergym-
nasium; Steinkohlengruben. Es ist Mittelpunkt
des böhm. Bleibergbaues (silberhaltiger Vleiglanz);
die bis 6 in mächtigen Erzgänge liegen im Iirthon-
schiefer. Die Produktion der zwei Gewerkschaften
mit 450 Arbeitern betrug (1891) 1923 t Bleierze
im Werte von 163 903 Fl. - Die Stadt soll von
Herzog Sobieslaw I. 1131 gegründet worden sein,
der auch den Bergbau eröffnete. M. wurde im
Dreißigjährigen Kriege von den Schweden wieder-
holt eingenommen und geplündert. Nach der Er-
mordung Wallensteins und seiner Generale wurden
die Leichen zuerst in M. begraben.
Miesbach. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Vez.
Oberbayern, hat 843,87 qkin, 1890: 27 532, 1895:
29869 (15509 männl., 14380 weibl.) E. in 29 Ge-
meinden und 742 Ortschaften. - 2) Markt und Haupt-
ort des Bezirksamtes M., an der Schlierach und der
Linie Holzkirchen-Schliersee der Vayr. Staatsbahnen,
Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Land-
gericht München II) und Rentamtes, hat 1890:
2638, 1895: 3051 E., darunter 98 Evangelische,
Posterpedition, Telegraph; Steinkohlenbergbau und
in der Nähe mehrere Papierfabriken.
Miescherfche Schläuche, Psorospermien-
schläuche, schlauchförmige, in den Muskeln der
Schweine, Schafe, Pferde, Rinder u. a. vorkom-
mende Gebilde, welche offenbar durch Parasiten
(s. Gregarinen) erzeugt werden. Die Gebilde füllen
bei guter Entwicklung den ganzen Raum der ein-
zelnen Muskelfaser aus. Häufig verkalken sie und
erzeugen dabei Formen, welche verkalkten Trichinen
ähnlich sind. Das Fleisch von Tieren mit M. S. ist
genießbar, wenn die Verkalkungen nicht zu zahl-
reich vorhanden sind.
Miesmuschel (^tilug), eine Gattung von
Muscheln, die sich durch gleichklappige, keilförmige
Form der Schale auszeichnet. Das Schloß, wo-
mit die Schalen zusammenhängen, ist glatt, rinnen-
förmig, ohne Zähne, das Schloßband äußerlich, der
Fuß des Tiers bcilförmig geknickt und mit einer
großen Bysfusdrüse versehen, durch deren Gespinst
das Tier sich an Steinen, Pfählen u.s. w. festhält. In
allen europ. Meeren ist die eßbare M. (N^tilus
6äu1i8 ^., s. Tafel: Weichtiere I, Fig. 10) sehr
häufig und wird als Speise benutzt. Sie kommt
selbst im Brackwasser bestens fort. An vielen Orten
wird die violettblaue Muschel, deren gelbgefärbtes
Tier auch als Köder für Fische benutzt wird, in der
Weise gezüchtet, daß man Pfähle oder Holzwellen im
Wasser befestigt, an welche die jungen Mufcheln sich
ansetzen, die nach 3-4 Jahren marktmäßige Größe
erreichen. In stehendem, unreinem Wasser werden
die M. bisweilen sehr giftig. (S. Mufchelvergiftung.)
- Vgl. Möbius, über Austern- und Miesmuschel-
zucht (Berl. 1870).
Miete (Lehnwort von lat. meta), Bezeichnung
sür regelmäßig geschichtete Haufen von Getreide,
Stroh und Heu (foviel wie Feimen, s. d.), sowie für
ähnliche Vorrichtungen zur Aufbewahrung und Über-
winterung von Kartoffeln, Obst, Rüben (s. Rüben-
ausbewahrung).
Miete, das durch den Mietvertrag begrün-
dete Rechtsverhältnis, nach welchem der Mieter
eine fremde nicht fruchttragende Skche (Grundstück,
Wohnung, Tier oder andere bewegliche Sache) oder
eine zur Verfügung eines andern stehende Kraft
(Wasserkraft, Dampfkraft, Elektricität u. s. w.) oder
ein fremdes Recht während eines Zeitraums ge-
brauchen darf, dagegen aber dem Vermieter,
welcher ihm den Gebrauch gestattet, einen nach der
Zeitdauer bemessenen Mietzins zu zahlen hat.
Erstreckt sich das Rechtsverhältnis auf den Gebrauch
und den Fruchtgenuß einer fruchttragenden Sache
oder eines fruchttragenden Rechts, so liegt Pacht
(s. d.) vor; die Dienstmiete (s. d.) hat menschliche
Dienste zum Gegenstand. Der Vermieter hat den
Gegenstand der M. in einem zu dem vertragsmäßi-
gen Gebrauch geeigneten Zustande dem Mieter zu
überlassen und ihn während der Mietzeit in diesem
zu erhalten. Der Vermieter hat die Lasten der Sache
zu tragen, Fütterungskosten eines vermieteten Tieres
der Mieter. Andere notwendige Verwendungen aus
den vermieteten Gegenstand hat der Vermieter dem
Mieter zu ersetzen; nützliche Verwendungen, soweit
sie den Wert erhöhen, nach Ablauf des Mietvertrags;
wegen anderer Verwendungen steht dem Mieter die
Wegnahme zu, wenn er den vorigen Zustand wieder-
herstellt; doch kann der Vermieter die Wegnahme
durch den Ersatz der Verwendung ablehnen. Der
Mietzins ist nach gemachtem Gebrauch zu zahlen,
bei längerm Zeitraum periodisch (monatlich, viertel-,
halbjährlich oder jährlich). Für Mängel, welche dem
Mieter bei Eingehung des Vertrags unbekannt
waren oder die erst später hervorgetreten sind, has-
tet der Vermieter, wenn sie den Gebrauch hindern
oder erschweren (Gewährleistung des Vermic -
ters). Der Mieter kann, wenn den Vermieter ein
Verschulden trifft, Schadenersatz fordern, sonst einen
Abzug am Mietgclde machen, oder, wenn dies in
seinem Interesse liegt, vom Vertrage zurücktreten.
Geht der vermietete Gegenstand ohne Verschulden
des Vermieters durch höhere Gewalt oder einen
andern Zufall unter, fo verliert diefer von da ab
seinen Anspruch auf Mietgeld, d. h. der Vormieter
trägt die Gefahr. Wird dem Mieter der Gebrauch
auch durch EntWährung (s.d.) eines Dritten entzogen,
so baftet der Vermieter auf Schadenersatz. Darüber,