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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mietschisko - Migne
ob der Rechtsnachfolger des Vermieters an den Ver-
trag gebunden ist, s. Kauf bricht Miete. Nder das
Rechtsverhältnis der Aftermiete s.d. Nack der Deut-
schen Konkursordnung §. 41 und dem Reicksgesetz
vom 9. Mai 1894 steht dem Vermieter von Grund-
stücken oder Wohnungen im Konkurse des Mieters
Abgesonderte Befriedigung (s. d.) aus den vom Mie-
ter eingebrachten Sachen zu, sofern sich diese uock
auf dem Grundstück befinden, wegen des laufenden
und des für das letzte Jahr vor der Eröffnung des
Verfahrens rückständigen Mietzinses sowie wegen
anderer Forderungen. Erhebt er solche Forderuug
infolge der Kündigung des Konkursverwalters, so
hat er den Anspruch auf abgesonderte Befriedigung
nicht. Dieses gesetzliche Pfandrecht und ein Zurück-
bchaltungsrecht an den eingebrachten Sachen geben
dem Vermieter auch die meisten neuern Gesetzgebun-
gen außerhalb des Koukurses. Der vielfack ausge-
sprochenen Ansicht, dasi diesem Recht Sacken, welcke
nach der Civilprozeftordnung der Pfändung nicht
unterliegen, nicht unterworfen feien, haben die neueste
preusi. Gesetzgebung (1894) und der Tcutscke Ent-
wurf §.501 Rechnung getragen. Die M. endigt mit
Ablauf der Zeit, auf welche sie geschlossen ist. Dock
kaun die M. nach Ablauf der Zeit stillsckweigend
fortgesetzt werden; die Gesetze enthalten verschiedene
Bestimmungen darüber, auf wie lange die Parteien
in folchem Fall gebunden sind. Der Vermieter kann
die M. vor Ablauf der Zeit nach den meisten Gesetz-
gebungen wegen Misibrauchs des gemieteten Gegen-
standes, und wenn der Mieter mit zwei aufeinander
folgenden Mietzinsraten im Rückstände bleibt, nack
Osterr. Bürgert. Gesetzb. ß. 1118 und ^ckweizer
Obligationenrecht Art. 287 schon wegen Rückstandes
einer Rate, aufheben. Die meisten Gesetzgebungen
geben dem Vermieter auch ein Kündigungsrecht,
wenn ein den vertragsmäßigen Gebrauck aus-
schliesicuder Hauptbau des vermieteteu Gebäudes
notwendig wird. Der Tod des Mieters giebt dein
Vermieter und den Erben des Mieters nach Preuß.
Allg. Landrecht, dem Schweizer Obligationenreckt
und dem Deutschen Entwurf ein Kündigungsreckt;
ebenso, wenn der Mieter Beamter ist, seine Ver-
setzung. Über die Beendigung der M. im Fall
des Konkurses hat die Deutsche Konkursordnuug
ߧ. 17,18 Bestimmung getroffen. Nack Ablauf der
M. ist der gemietete Gegenstand dem Vermieter so
zurückzugeben, wie es nach ordnungsmäßigem Ge-
brauch möglich ist.
Mietschisko, Stadt im Kreis Wongrowitz des
preuh. Reg.-Bez. Vromberg, an der Welna, bat
(1895) 1051 (1890:977) E., darunter 85 Eoangeliscke
und 60 Isracliten, Postagentur. Telegraph, kath.
Pfarrkirche.
Mietsteuer, eine als Aufwandsteuer zu betrack-
tcnde Abgabe, die nach dem Mietwerte der Wobnung
des Steuerpflichtigen bemessen wird. Technisch bat
dic M. den Vorteil, daß sie sich nach einem verbält-
nismä'ßig leicht festzustellenden äußern Merkmal
richtet, das mit dem Einkommen des Besteuerten in
einem gewissen, wenn auch keineswegs gleichmäßi-
gen Zusammenhange steht. Im Gegenteil stellt sie
namentlich in Großstädten eine verhältnismäßig be-
deutende Belastung der untern gegenüber den obern
und reichen Klassen dar.
Als Staatssteuern besteht die M. in England
(inwiditeä Iiousß taxs), in Frankreick als Teil der
sog. Personal- und Mobiliarsteuer (coMi-idution
I)6i'80ini6^L-in<MIiLi-k), in Belgien und den Nieder-
landen. In Deutschland und Österreich ist die M.
dagegen nur Gemeindeabgabe. Als solche hat sie
zunäckst in Preußen Eingang gefunden und besteht
noch in Frankfurt a. M., Halle, Danzig, Emden,
Ottensen, Tönning und einigen andern kleinern
Orten. Berlin beschloß infolge der Kommunal-
steuerreform die Aufhebung der M.; sie wurde
1894 zum letztenmal erhoben. In Osterreich bildet
die M. unter dem Namen Zins kreuz er eine
Gemeindeanlage auf den Mietzins und trägt in
Wien durchschnittlich 3,4 Mill. Fl. ein. (H. auch
Gebäudesteuer.)
Mietstruppen, s. Söldner.
Mietvertrag, Mietzins, s. Miete.
Miflorence (frz., fpr. -rangß'), eine Art Tasfet
(s. d.). ftiitaio.
Migliaio (spr. miljaio), Handelsgewicht, s. Cen-
AliTlio (ital., spr. miljo), Meile (s. d.).
Mignard (svr. minnjahr), Pierre, sranz. Maler,
geb. im Nov. 1612 zu Troycs,warSchüler von Simon
Vouet in Fontainebleau, ging 1635 nach Rom, wo
er Studien nach der Antike, nach Raffael, Poussin
und den Carracci machte und als Bildnismaler be-
rübmt wurde. Nach 22 Jahren lieft ihn Ludwig XIV.
nach Frankreich zurückberufen. Er malte nun dic
Bildnisse der tönigl. Familie und aller Großen des
Hofs. Die Königin-Mutter beauftragte ihn, die
Domkuppel des Val de Grace in Fresko aus-
zumalen; er malte (bis 1663) das Himmelsgewölbe
hinein, mit der Herrlichkeit des Paradiefes, eine
weitläufige Komposition von 200 überlebensgroßen
Figureu, die von Moliere in einem Gedicht geseicrt
wurde. Später wurde M. erster Hofmaler, Direktor
der königl. Gobelinsmanufaktur, endlich 1690 Direk-
tor der Akademie, deren erbittertster Gegner er jahre-
lang gewesen war. Er starb 30. Mai 1695. Die
meisten seiner Bilder (13) sind im Louvre, darunter:
Die Kreuztragung, Die schmerzensreiche Mutter
Maria, Die Madonna mit der Traube, Die heil.
Cäcilie, das Bildnis der Frau von Maintenon, der
Familie des Dauphins; audere in der Eremitage zu
Petersburg (Iephthas Rückkehr), im Museum zu
Madrid (Bildnisse). Von seinen anmutigen Ma-
donncnbildern besitzt ein Exemplar die Münchener
Pinakothek. Seine Bilder sind warm und klar in der
Farbengebung, aber nicht tief in der Charakteristik.
Sein älterer Bruder, Nicolas M., geb. 1605 zu
Troyes, war ein tüchtiger Porträtmaler. Er ließ
sich nach seiner Rückkehr aus Italien in Avignon
nieder, wurde 1661 nach Paris berufen, 1663 Mit-
glied der Akademie und starb 1668. Sein Selbst-
bildnis ist im Museum zu Lyon.
Mignardise (frz., fpr. minnjardihs', d. i. Zier-
lichkeit), zur Verzierung dienende Litzen oder Gim-
pen, besonders leinene oder baumwollene Vörtchen,
welche bei gehäkelten Spitzen in der Art Verwen-
dung finden, daß beim Häkeln der Faden durch die
feinen Qsen derselben hindurchgezogen wird.
Migne (spr. minnj), Jacques Paul, Abbe, geb.
25. Okt. 1800 zu Et. Flour (Depart. Cantal), stu-
dierte im theol. Seminar zu Orlöans, erhielt 1824
die Priesterweihe, war dann Pfarrer zu Puisseaur
bei Orleans, siedelte aber 1833 nach Paris über,
wo er zunäckst das Blatt "I^'Univers roUFieux"
(später "i^nivei'Z") und 1836 in Petit Montrouge
bei Paris eine Buckdruckerei (Iinpriinm-i" catlio-
lihue) begründete. Aus derselben ist vor allem eine
große Ausgabe der Kirchenväter hervorgegangen:
"^Htro^o^iae cui'FN8 C0ini)l6ti.i3 81V6 Vibliotliec^
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