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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mignet - Migrationstheorie

sanctorum patrum, doctorum scriptorumque ecclesiasticorum" (lat. Serie, 221 Bde., 1844-55; 2 griech. Serien, 1851-61,81 Bde., und 1857-66, 166 Bde); ferner "Scripturae sacrae cursus completus" (28 Bde., 1840-45), "Theologiae cursus completus") (28 Bde., 1840-45), "Collection intégrale et universelle des orateurs sacrés" (100 Bde., 1844 - 66), "Encylopédie théologique") (171 Bde., 1844-66). Die Ausgaben tragen vielfach den Charakter schneller, unkritischer Arbeit. 1868 wurde ein großer Teil der Vorräte durch eine Feuersbrunst vernichtet. M. starb 25. Okt. 1875 zu Paris. Die hinterlassenen Vorräte wurden 1879 von der Firma Garnier Frères angekauft, die die vernichteten und vergriffenen Bände durch anastatischen Druck ergänzen läßt.

Mignet (spr. minnjeh), François Auguste Marie, franz. Geschichtschreiber, geb. 8. Mai 1796 zu Aix in der Provence, studierte die Rechte in seiner Vaterstadt. Der Erfolg einer preisgekrönten Abhandlung: "De l'état du gouvernement et de la législation en France à l'époque de l'avènement de St. Louis et des institutions de ce prince" (Par. 1822), bestimmte M. zu dem Entschlusse, sich dem litterar. Berufe zu widmen. Er ging nach Paris, wurde hier Mitarbeiter am "Courrier francaise" und hielt gleichzeitig am Athénée Vorlesungen über neuere Geschichte. Nach der Julirevolution von 1830 erhielt er mit dem Staatsratstitel die Archivarstelle im Ministerium des Auswärtigen. Seit 1832 Mitglied und seit 1837 Sekretär der Akademie der moralischen und polit. Wissenschaften, erlangte er 1836 auch einen Sitz in der Französischen Akademie. Die Revolution von 1848 beraubte M. seiner Stellen im Ministerium und Staatsrat. Seitdem lebte er zurückgezogen und starb 24. März 1884 zu Paris. Von seinen Werken ist vor allem seine "Historie de la révolution française" (2 Bde., Par. 1824 u. ö.; deutsch von Burckhardt, Lpz. 1842, und von Köhler, ebd. 1895) zu nennen. Die Gedächtnisreden, die M. als Sekretär der Akademie zu halten hatte, Muster in ihrer Art, sind gesammelt in den "Notices et mémoires historiques" (2 Bde., Par. 1843 u. ö.; deutsch von Stolz, Lpz. 1843). Er veröffentlichte ferner die "Négociations relatives à la succession d'Espagne" (4 Bde., Par. 1836-44), einen vortrefflichen Beitrag zur Geschichte Ludwigs XIV., sodann "Antonio Perez et Philippe II" (ebd. 1845), "Historie de Marie Stuart" (2 Bde., ebd. 1851; deutsch von Bülau, 3. Ausg., Lpz. 1869), "Charles-Quint, son abdication, son séjour et sa mort au monastère de Yuste" (Par. 1851 u. ö.), "Eloges historiques" (ebd. 1863), "Rivalité de Francois Ier et Charles-Quint" (2 Bde., ebd. 1875), "Nonveaux éloges historiques" (ebd. 1877). - Vgl. Trefort, M. und seine Werke (Budapest 1885).

Mignon (frz., spr. minnjöng, d. h. Liebling), Name eines lieblichen weiblichen Wesens in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre". - M. wird auch ein mechan. Musikwerk genannt (s. Musikinstrumente, mechanische). - In der Buchdruckerkunst ist M. oder Kolonel eine Letterngattung von 7 typogr. Punkten.

Mignonetten (frz., spr. minnjo-), ganz schmale Zwirnspitzen; klein gemusterte Kattune; kleine Briefoblaten u. s. w.

Migräne (frz. migraine, verstümmelt aus dem grch. hemikrania, d. h. halbseitiges Kopfweh), eine besondere Art von Kopfschmerz, welche gewöhnlich nur eine Seite des Kopfes einnimmt, heftiger auftritt als der gewöhnliche Kopfschmerz und in hartnäckiger Weise durch Jahre oder selbst das ganze Leben hindurch periodisch, meist ohne eine veranlassende Ursache, wiederkehrt. Sie ist der Hauptsache nach eine Neuralgie der sympathischen Halsnerven, welche bald mit einseitiger Erschlaffung, bald mit krampfhafter Verengerung der Kopfgefäße verbunden ist. In dem erstern Falle (Hemicrania sympathico-paralytica) ist das Gesicht auf der befallenen Seite gerötet, fühlt sich heiß an und die Pupille ist verengert, während im letztern Falle (Hemicrania sympatico-tonica) Stirn und Ohr der befallenen Seite blaß sind, die Haut sich kühl anfühlt und die Pupille erweitert ist. Der Schmerz selbst ist nach Stärke und Sitz verschieden; anfangs dumpf und drückend, wird er bald bohrend und spannend und steigert sich binnen kurzem zur Unerträglichkeit. Die Anfälle kommen in sehr verschiedenen Zwischenräumen, von einer Woche bis zu mehrern Monaten, beginnen meist mit übler Laune, Ohrensausen, Gähnen und Übelkeit, oft auch mit einer Fieberanwandlung, dauern 8-12 Stunden und endigen, nachdem häufig lästiges Würgen und stärkeres Erbrechen eingetreten, mit einem ruhigen Schlaf, aus dem der Kranke am nächsten Morgen völlig gesund erwacht. Das Übel befällt besonders Erwachsene und zwar vorwiegend mehr Frauen als Männer, aber es kann schon bei Kindern von 7 bis 8 Jahren auftreten; es verschwindet meist im Alter, bei Frauen gewöhnlich während der klimakterischen Jahre. Blutarme, bleichsüchtige, hysterische Personen sind der M. am meisten ausgesetzt, besonders nach Gemütsbewegungen; in vielen Fällen ist die Anlage zur M. ererbt. Beider Behandlung sorge man für Linderung der Schmerzen und suche vor allem die Ursache der M. festzustellen. Am besten ist es, den Kranken in einem dunkeln, kühlen Zimmer unter Entfernung aller Sinnes- und Seelenreize (Geräusche, Gerüche, Besuche, Geschäfte u. s. w.) ganz ruhig im Bett liegen und so den Anfall austoben zu lassen. Manche empfehlen im Anfall starken schwarzen Kaffee oder Thee, das Coffein (besonders das citronsaure), die Guarana, das Morphium, das Chinin, das salicylsaure Natron, das Antipyrin und Phenacetin, das Nitroglycerin, das Tief- und Langeinatmen; bisweilen nützen Ableitungen: Senffußbäder, Klystiere, Brausepulver u. s. w. Die Radikalkur kann sehr verschiedene Wege einzuschlagen haben, z. B. Stärkung (durch Stahlmittel, Chinin, Kaltwasserkuren, See- oder Gebirgsaufenthalt), auflösende Kuren (Karlsbader, Marienbader oder Kissinger Wasser) oder Bethätigung der Haut (Dampfbäder, Schwitzen in nassen Decken u. s. w.). Auch leistet mitunter die Anwendung des galvanischen Stroms gute Dienste.

Migränepastillen enthalten als wirksame Bestandteile Coffein oder Chinin oder in neuerer Zeit auch Antipyrin und ähnliche Arzneimittel.

Migränepulver von Kriebel, s. Geheimmittel.

Migränestift, s. Menthol.

Migränin, eine Mischung aus Antipyrin, Caffein und Citronensäure, in Gaben von 1 bis 2 g gegen Migräne empfohlen.

Migration (lat.), Wanderung; migrieren, wandern, wandernd umherziehen; migratorisch, wandernd.

Migrationstheorie, eine von Moritz Wagner aufgestellte Theorie, nach welcher die Verbreitung der Organismen durch Wanderung unumgänglich