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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Miguel – Mikindani

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Migrationstheorie'

nötig sei, wenn natürliche Zuchtwahl stattfinden solle, denn bei allen Tieren und Pflanzen würden kleine Veränderungen der Organisation nur bei einigen Individuen auftreten, und da diese beginnenden Varietäten der normalen Stammform gegenüber in sehr bedeutender Minorität sein müßten, so müßten auch ihre besondern Eigentümlichkeiten durch wiederholte Kreuzung mit der von diesen freien Stammform bei der Nachkommenschaft nach und nach verschwinden. Nur das Auswandern der betreffenden beginnenden Varietäten (auch nur eines Pärchens) in schwer zugängliche Lokalitäten, oder das Zerreißen des Verbreitungsgebietes durch in demselben neu auftretende unübersteigliche Schranken und die dadurch herbeigeführte Isolation der Varietät mache es möglich, daß diese ihre Eigentümlichkeiten vererben und so die Stammform einer neuen Art werden könne. Die Wohnstätte des Elternpaars würde dann das Centrum der Verbreitung einer neuen Art um so sicherer werden, je mehr die Lebensbedingungen dieser isolierten Wohnstätte durch Mannigfaltigkeit u.s.w. der Bildung individueller Abänderungen günstig wäre.

Miguel, San, s. San Miguel.

Miguel (spr. -gehl), Dom Maria Evarist, portug. Usurpator, geb. 26. Okt. 1802 zu Lissabon, der dritte Sohn des Königs Johann VI. und der span. Infantin Charlotte Joachime, wuchs in Brasilien ohne alle Erziehung und Bildung heran. Nachdem 1821 die königl. Familie wieder nach Portugal zurückgekehrt war, stellte er sich an die Spitze der absolutistisch-theokratischen Partei daselbst und suchte die Verfassung wieder abzuschaffen. Am 30. April 1824 ließ M. als Generalissimus die Minister verhaften, seinen Vater aber im Palast bewachen. Dieser jedoch entkam 9. Mai auf ein engl. Schiff, und M. sah sich genötigt, um Gnade zu bitten. Er wurde des Landes verwiesen und ging nach Wien. Nach dem Tode des Vaters 10. März 1826 erklärte dessen ältester Sohn, Dom Pedro I. (s. d.), der als Kaiser von Brasilien nicht zugleich die Krone von Portugal tragen konnte, seine siebenjährige Tochter Maria II. (s. d.) da Gloria als Königin von Portugal, bestimmte ihr seinen Bruder M. zum Gemahl, der bis zu ihrer Volljährigkeit Regent sein sollte, und gab dem Lande eine freisinnige Verfassung. M. genehmigte alles, beschwor die Konstitution, verlobte sich mit seiner Nichte und übernahm 26. Febr. 1828 in Lissabon die Regentschaft. Doch schon 13. März löste M. die konstitutionellen Cortes auf, berief 3. Mai die alten Cortes und ließ sich 30. Juni als König proklamieren. Zwar erklärte Dom Pedro seinen Bruder aller Rechte für verlustig und hob dessen Verlobung mit seiner Tochter auf; allein M.s Waffen siegten. Durch ein wildes Schreckenssystem unterdrückte nun der Usurpator die Gegenpartei. Endlich gelang es Dom Pedro, von Terceira aus 1832 Oporto zu erobern, 1833 Lissabon zu besetzen und Donna Maria dahin zurückzuführen. Am 26. Mai 1834 mußte M. zu Evora die Kapitulation unterzeichnen, wonach er allen Ansprüchen auf den Thron entsagte und Portugal nie wieder zu betreten versprach. Aber von Genua aus, wohin er sich 1. Juni eingeschifft hatte, protestierte er gegen die von ihm unterzeichnete Akte und verlor dadurch den ihm ausgesetzten Jahresgehalt von 375000 Frs. Im Sept. 1851 vermählte er sich mit der Prinzessin Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (geb. 3.April 1831). ↔ Seitdem lebte er auf Schloß Heubach bei Miltenberg, seit 1856 auf Schloß Bronnbach bei Wertheim, wo er 14. Nov. 1866 starb.

Sein Sohn, Dom M., geb. 19. Sept. 1853, ist Oberst in österr. Diensten. Er vermählte sich

  • 1) 17. Okt. 1877 mit Prinzessin Elisabeth von Thurn und Taxis (geb. 28. Mai 1860, gest. 7. Febr. 1881);
  • 2) 8. Nov. 1893 mit Prinzessin Therese zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (geb. 4. Jan. 1870).

Aus seiner ersten Ehe gingen hervor zwei Söhne, die Prinzen M., geb. 23. Sept. 1878, und Franz Joseph, geb. 7. Sept. 1879, und die Prinzessin Maria Theresia, geb. 26. Jan. 1881. Von des ältern Dom M.s sechs Töchtern ist die zweite, Maria Theresia, geb. 1855, mit dem Erzherzog Karl Ludwig, dem Bruder des Kaisers Franz Joseph, die fünfte, Maria Anna, geb. 1861, mit dem Erbgroßherzog Wilhelm von Luxemburg vermählt.

Migulinskaja Staniza, Flecken im Kreis Ust-Medwjedizkaja des Donischen Gebietes in Rußland, rechts am Don, hat (1892) 27735 E., eine Kirche, beträchtlichen Handel.

Mihályfalva, s. Er-Mihályfalva.

Mihiel, Saint, s. Saint Mihiel.

Mihrâb, s. Kibla und Chatib.

Mijako, japan. Stadt, s. Kioto.

Mijan-Kaleh, Halbinsel, s. Astrabad.

Mijāres (spr. mich-) oder Millares, span. Küstenfluß, entspringt in der Provinz Teruel an der Sierra de Gudar und mündet, 134 km lang, südlich von Castellon in das Mittelmeer. Die hohe Peña Golosa scheidet ihn von seinem linken Nebenfluß Monlleo (Monleon). Er bewässert die Ebene (la Plana) von Castellon.

Mijáßk, Mijáßkij Sáwod, Stadt im Kreis Troizk des russ. Gouvernements Orenburg, am Fluß Mijaß (durch den Isset zum Tobol gehend, 451 km lang) und an der Eisenbahn Samara-Tscheljabinsk, hat (1885) 9448 E., Post, Kirche und Goldwäschereien an den Ufern des Mijaß und seiner Nebenflüsse.

Mijl (spr. meil), ältere holländ. Bezeichnung für Kilometer.

Mijotieren (frz., spr. mischo-), etwas langsam bei schwachem Feuer kochen.

Mik., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Joh. Christian Mikan, Professor in Prag, geb. 1769, gest. 1844; er schrieb über Flora und Fauna von Brasilien.

Mikādo (eigentlich «erhabene Pforte»), die ältere, jetzt nicht mehr übliche Bezeichnung für die Beherrscher Japans. (S. Japan, Bd. 9, S. 861a.)

Mikādobraun, Mikadoorange, künstliche Farbstoffe unbekannter Zusammensetzung, die aus Paranitrotoluolsulsosäure durch Erhitzen mit Natronlauge und Alkohol, Glycerin, Naphthol, Tannin oder ähnlichen Substanzen gewonnen werden. Sie färben Baumwolle direkt ohne Beize.

Mikanĭa W., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 60, sämtlich tropisch-amerik. Arten. Es sind meist schlingende oder kletternde, strauchartige Gewächse mit kleinen weißen oder blaßgelben Blütenköpfchen. Als Heilmittel gegen Wechselfieber und Schlangenbiß gilt in ihrer Heimat die Guaco genannte M. Guaco Humb. Einige andere Arten, z.B. M. scandens W. aus Centralamerika, werden als Schlingpflanzen oder in Ampeln kultiviert.

Mikindani, Ortschaft von 500 E. im südl. Teil der Küste von Deutsch-Ostafrika, besitzt in der innern

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 870.