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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mikrocyten - Mikrometerschraube

(Histochemie) und findet auch bei mikropetrographischen Untersuchungen (s. Petrographie) Anwendung.

Mikrocyten (grch.), abnorm kleine, geschrumpfte Blutkörperchen; Mikrocythämie, Zustand des Blutes, wobei die roten Blutkörperchen abnorm klein und geschrumpft sind.

Mikrofarad, s. Farad.

Mikrofluidalstruktur oder Mikrofluktuationsstruktur, die nur mikroskopisch wahrnehmbare Fluidalstruktur (s. d.).

Mikroglossie (grch.), Kleinheit der Zunge.

Mikrographie (grch.), Beschreibung mikroskopischer Gegenstände; auch soviel wie Kleinschreibung (s. Schreibkunst).

Mikrogyrie (grch.), abnorme Bildung des Gehirns, bei welcher die Hirnwindungen auffallend schmal und wenig entwickelt sind, ist meist mit Blödsinn verbunden.

Mikrokardie (grch.), Kleinheit des Herzens.

Mikrokephalen (grch., d. h. Kleinköpfe), Menschen, bei denen alle Durchmesser des Schädels kleiner sind als im normalen Verhalten. Die Ursache hierfür liegt in einem krankhaften Zustande der Schädelknochen, der schon in frühester Jugend zu einer knöchernen Verwachsung ihrer Nähte führt. Hierdurch ist eine fernere Vergrößerung der Schädelknochen und damit eine Raumzunahme der Schädelhöhle unmöglich geworden. Oder es ist eine Bildungshemmung des Gehirns die Veranlassung, wodurch dieses und damit auch der Schädel am fernern Wachsen verhindert wird. Da der Körper und das Gesicht aber weiter zu wachsen pflegen, wenn auch in etwas geringerm Verhältnisse, als bei dem gesunden Menschen, so steht die kleine Schädelkapsel in einem erheblichen Mißverhältnis zu der Körpergröße. Da gleichzeitig auch das Gehirn nicht die normale Ausbildung erlangen kann, befinden sich die M. meist in einem Zustande von Idiotismus mit Neigung zu Schwächezuständen oder zu Lähmungen am Gesicht, am Rumpfe oder an den Extremitäten. Es ist daher die Mikrokephalie als ein unzweifelhafter Krankheitsprozeß, als etwas Pathologisches, aufzufassen. Und dennoch haben sich selbst erfahrene Naturforscher verführen lassen, in dem unsteten Gebaren der M., in ihrer Körperhaltung, ihrem schlotternden Gange, ihrem Grimassenschneiden, ihrer nicht selten bestehenden Unfähigkeit, artikulierte Laute von sich zu geben, und in ihrer niedern Stirnbildung echte Tierähnlichkeiten anzuerkennen und die M. als ein durch Rückschlag (Atavismus) entstandenes Zwischenglied zwischen den Menschen und den Affen zu erklären und sie als Affenmenschen (s. d.) zu bezeichnen.

Mikroklin (vom grch. mikrós, klein, und klinein, neigen, weil die Neigung der beiden Hauptspaltungsflächen 90° 16' nur wenig vom rechten Winkel abweicht), ein von Des Cloizeaux 1876 erkanntes Glied der Feldspate, das zwar chemisch genau dieselbe Zusammensetzung besitzt wie der Kalifeldspat Orthoklas, aber nicht im monoklinen, sondern im triklinen System (übrigens nach der ganzen äußern Formentwicklung dem Orthoklas möglichst ähnlich) krystallisiert, weshalb hier ein ausgezeichnetes Beispiel des Isomorphismus vorliegt. Als M. hat sich eine große Menge der früher als Orthoklas geltenden Kalifeldspate in Graniten, Syeniten, Gneisen und verwandten Gesteinen herausgestellt, und es wird für nicht unwahrscheinlich gehalten, daß der Orthoklas überhaupt nur ein M. mit einer selbst durch das Mikroskop nicht mehr auflösbaren gitterförmigen Zwillingsstruktur ist, womit die Übereinstimmung des specifischen Gewichts der beiden Feldspate im Einklang stehen würde; in den Hohlräumen der Granite bildet er auch schöne aufgewachsene Krystalle. Eine Varietät des M. ist der Amazonenstein (s. d.).

Mikrokokkus, Kugelbakterie, gleichbedeutend mit Kokkus; Sammelname für kleinste Bakterienformen von der Gattung Kokkus. (S. Bakterien.)

Mikrokosmos (grch.), s. Kosmos.

Mikrokrystallinisch, kleine Krystalle bildend, namentlich von Aggregaten derselben gebraucht.

Mikrolepidopteren (Microlepidoptěra), s. Insekten und Kleinschmetterlinge.

Mikrolithen (grch.), mikroskopisch kleine leistenförmige Krystallgestalten, die zwar keine scharfe Flächenausbildung erkennen lassen, aber dennoch zu einer bestimmten Mineralspecies gerechnet werden können. In ihrer Anordnung und Lage um die größern Krystalle lassen sich die stattgehabten magmatischen Bewegungen erkennen. Die hierdurch hervorgerufene Struktur pflegt man als fluidale (s. Fluidalstruktur) zu bezeichnen. (S. auch Krystalliten.)

Mikrolog (grch.), Kleinigkeitskrämer, Silbenstecher; Mikrologie, Silbenstecherei.

Mikromanie (grch.), Kleinheitswahn, der Gegensatz zum Größenwahn (s. d.). An M. Leidende glauben nichts zu besitzen, nichts zu gelten, nichts leisten zu können in geistiger und körperlicher Hinsicht, überhaupt nichts zu sein. Dieser Zustand findet sich besonders bei Melancholie und bei Dementia paralytica und senilis.

Mikromegas (grch.), ein "Kleingroß", d. i. Gernegroß.

Mikromelie (grch.), angeborene Kleinheit der Gliedmaßen.

Mikromembranfilter, s. Wasserversorgung.

Mikrometer (grch.), eine Vorrichtung zum Messen kleiner Größen; auch den Fühlhebel und den Nonius kann man M. nennen. Insbesondere aber bezeichnet man in der Astronomie als M. gewisse mit Fernrohren verbundene Vorrichtungen, mit denen man den scheinbaren Winkelabstand zweier nahe beieinander stehenden Gestirne oder bei Gestirnen von wahrnehmbaren Dimensionen die verschiedenen Teile des nämlichen Objekts genau bestimmen kann. Die gebräuchlichsten sind das Kreismikrometer (s. d.), das Fadenmikrometer (s. d.) und das Doppelbildmikrometer (s. d.).

Die M., die man zur Bestimmung der linearen Dimensionen mikroskopischer Objekte benutzt, bestehen aus einem Netze paralleler Linien, deren Abstände man kennt und die mit Diamant auf Glas eingeritzt sind. Bringt man ein solches Glasmikrometer in die Bildebene des mikroskopischen Präparats, so kann durch bloße Schätzung dessen Größe in Teilen dieses mikroskopischen Maßstabes ermittelt werden. Je nach der für solche Messungen nötigen Feinheit betragen die Abstände der einzelnen Parallellinien voneinander 0,1 mm bis 0,001 mm.

Mikrometerschraube, eine Schraube mit sehr feinem Gewinde, an deren Kopf eine Teilung angebracht ist, mit Hilfe deren man die durch Drehung der M. bewirkte lineare Verschiebung der Schraubenmutter scharf messen kann. In der Astronomie benutzt man die mittels der M. hervorgebrachten Verschiebungen zum Messen kleiner Winkel. (S. Fadenmikrometer.)

In der Feinmechanik dient die M. zur genauen Messung von Dicken. Umstehende Figur zeigt eine