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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Militärärzte - Militäreisenbahnen
Handbuch sür M. (2 Bde., Vorl. 1896); Der Mili-
täranwärter, Zeitschrift (Berlin, seit 1893).
Militärärzte, früher zu den Militärbeamten
gehörig, sind seit der Organisation des Sanitäts-
torps (vgl. Verordnungen von: 26. Febr. 1868 und
6. Febr. 1873) Personen des Soldatenstandes, haben
Ofsiziersrang und bilden das Sanitätsoffizier-
korps (s. Sanitätsoffiziere). Dieses ergänzt sich
teils aus den militärärztlichen Bildungsanstalten
(s. d.), teils durch solche Mediziner, die nach beendig-
tem Üniversitätsstudium auf Beförderung eintreten.
Militärärztliche Bildungsanstalten, s. Vil
dungsanstalten, militärärztliche.
Militärattache, ein Offizier, der offiziell der
Botschaft seines Landes bei fremden Staaten bei-
gegeben ist mit dem Zweck, aus eigener Anschauung
Kenntnis von den Heereseinrichtungen des betreffen-
den Landes zu nehmen. Die Aufgabe der M.
besteht nicht in dem Erkunden von Geheimnissen,
sondern vielmehr in der klaren Beurteilung der all-
gemeinen militär-polit. Verhältnisse des betreffen-
den Landes. Der Nang der M. schwankt zwischen
Zauptmann und General. Deutschland hat zur Zeit
M. bei Rußland, Frankreich, England, Österreich-
Ungarn, Italien, ferner in der Schweiz, Rumänien,
Belgien, Schweden; von diesen Ländern sind auch in
Berlin M. beglaubigt. Ferner hat Preußen einen
M. in Bayern, während Bayern, Sachsen und Würt-
temberg M. in Berlin haben, welche Militärbe-
vollmächtigte heißen, stellvertretende Mitglieder
des Bundesrats sind und die Kricgsministericn in
gewissen Beziehungen vertreten.
Militärbeamte, die in der deutschen Armee und
Marine angestellten Beamten. Sie gehören zu den
Militärpersonen (s. Militär), aber nicht zu den Per-
sonen des ^oldatenstandes, stehen unter dem Kriegs-
ministerium oder der Admiralität und haben Militär-
rang. Die im Offizierrang stehenden heißen obere,
die übrigen untere M. Zu den M. gehören die
Auditeure, Militärgeistlichc-n, Zahlmeister, Inten-
danten und Intendanturräte, die Beamten der
Kriegskasse, Fcldpostbeamten u. a. Die Gerichts-
barkeit über sie beschränkt sich auf Strafsachen und
wird durch die Militärpersonen ausgeübt. Bei
Dienstvergehen unterstehen die M., sofern die Ent-
fernung aus dem Amt in Frage kommt, den für
Reichs- und Staatsbeamte geltenden Bestimmungen.
Wegen der Ordnungsstrafen kommt beim Reichsheer
die Preuß. Discipliuarstrafordnung vom 13. Okt.
1872, bei der Marine die Disciplinarstrafordnung
vom 23. Nov. 1877 zur Anwendung.
Militärbevollmächtigter, s. Militärattache.
Militärbezirke, die Bezirke, in die das Rus-
sische Reich zu militär. Zwecken eingeteilt ist. Es
bestehen 13 M.: Petersburg, Finland, Wllna, War-
schau, Kiew, Odessa, Moskau, Kasan, Kaukasus,
Turkestan, Omsk, Irkutsk und Amur. Das Trans-
kaspische Gebiet wird auf gleichen Grundlagen ver-
waltet, wäbrcnd das Gebiet der Donischcn Kosaken
eigene Verwaltungsgrundsätze hat.
'Militärbildungsanstalten, s. Militärschulen.
Militärbillets (Militärkarten), s. Eisen-
bahnfahrkarten.
Militärbrieftaube, s. Taubenposten.
Militärbudget, s. Militäretat.
Militärdienst, s. Kriegsdienst.
Militärdienststeuer, s. Wehrsteuer.
Militärdienstversicherung, s. Lebensversiche-
rung l,Bd. 10, S. 10KN,).
Militärdienstzeichen, Ö st c r r cichi s cbes,
19. Sept. 1849 vom Kaiser von Österreich für lange
und gute Militärdienste gestiftet, ist 12. März 1890
abgeändert worden. DieMannschaften erhalten für
24jährige Dienstzeit die erste, für 12jährige die
zweite Klasse, falls sie sich freiwillig zu weiterin
Dienst verpflichten. Offiziere erhalten die erste Klasse
nach 50jähriger, die zweite nach 40jähriger, die dritte
nach 25jähriger Dienstleistung. Das Zeichen selbst
besteht für die Mannfchaftcn aus einem bronzenen
Kreuz, dem die lat. Zahl XXiv oder XII aufge-
prägt ist; das für Offiziere ist in der ersten Klasse
ein silbernes vergoldetes, in der zweiten und dritten
Klasse ein bronzenes Kreuz mit dem kaiserl. Adler,
welcher in der ersten Klasse von Gold, in der zweiten
von Silber und in der dritten Klasse von Bronze ist.
Das Dienstzeichen erster Klasse für Offiziere ist über-
dies mit einer vergoldeten Krone über dem Kreuze
verfehen. Beide Auszeichnungen werden an einem
schwarzgeränderten gelben Bande auf der linken
Brust getragen.
Militärehrenzeichen, von Friedrich Wil-
belm III. von Preußen 30. Sept. 1806 für persön-
liche Auszeichnung vor dem Feinde für Militärper-
sonen vom Feldwebel abwärts gestiftet. Das M. wird
in zwei Klassen, als silberne Medaille und silbernes
Kreuz, ferner als goldenes Militärverdienst-
kreuz verliehen und am schwarzweißen Bande ge-
tragen. Die Medaille trägt auf der Vorderseite die
Aufschrift "Kriegsvcrdienst" inmitten eines Lorbeer-
kranzes, auf der Rückseite den königl. Namenszug.
Die Inhaber des Militärverdienstkreuzes und des M.
erster Klasse empfangen eine Pension von 9 und
3 M. monatlich. (S. Kriegerverdienstmedaillc.)
Militär - Gisenbahnbehörden, diejenigen
Militärbehörden in Deutschland, welchen die Rege-
luug der Truppentransporte übertragen ist (s. Mili-
tärtransportordnungen und Eisenoahnabteilung des
Großen Generalstabcs).
Militär-Eifenbahndirektwnen, s. Militär-
transportordnungen.
Militäreifenbahnen, Eisenbahnen, die, von
der Militärverwaltung erbaut und betrieben, aus-
schließlich oder vorwiegend militär. Zwecken dienen.
M. bestehen in: Preußen. Von Berlin über
Zossen nach dem Schießplatz bei Kummersdorf
i45,0i kin, 1875 eröffnet), Fortsetzung bis Iaenickcn-
dorf (10,42 km, 1895 eröffnet), Iaenickendorf-Iütcr-
bog (14,?? km) im Bau, Eigentum des Militärfiskus.
Zunächst zur Ausbildung der Eisenbahntruppen (s. d.)
sowie zur Verbindung des Kummersdorfer Schieß-
platzes der Artillerie-Prüfungskommission angelegt,
dient die Bahn zugleich (die strecke Zossen-Schieß-
platz von vornherein, die Strecke Berlin-Zossen seit
1. Nov. 1888) dem öffentlichen Verkehr und wird
von der tönigl. Direktion der M. zu Schöneberg
bei Berlin verwaltet. Die Direktion besteht aus
Offizieren der Eisenbahnbrigade. (S. Deutsche
Eisenbahnen.) Österreich. Von Dobrlin nach Ban-
jaluka (105 km, 1872 eröffnet, dann außer Be-
trieb gesetzt und 1879 wieder eröffnet). Rußland.
Die Transkaspische Eisenbahn (s. d.). Serbien.
VonLepovo nach Kragujevac (29 km, 1887 eröffnet).
Auch wird z. B. in Osterreich der Zug-, Vahnunter-
daltungs- und Weichenstellerdienst auf den Strecken
Ht. Polten-Tulln unv Hadcrsdorf-Krcmö durch
! Eisenbahntruppen versehen; in Frankreich wer-
! den ständig eine Anzahl Offiziere und Mannschaften
! nach der ^taatsbahnlinie Orleans-Patay-Voves-