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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Miolan - Mir
name für alle aus dem Bismarck-Archipel kommen-
den eingeborenen Arbeiter. ^Karoline.
Miolan, Felix, franz. Sängerin, s. Carvalho,
Mionnet (spr^ -neh), Theodore Edme, franz.
Numismatiker, geb. 10. Sept. 1770 zu Paris,
machte feinen iurist. Kursus auf dem ^oUöFL 1.6-
ni0in6 und wurde 1789 Parlamentsadvokat; 1792
mußte er Soldat werden, kehrte jedoch bald nach
Paris zurück, widmete sich nun dem Studium des
Altertums und erhielt eine Anstellung an der Na-
tionalbibliothek, wo er bis zu feinem Tode (5. Mai
1842) beschäftigt blieb. Seine "Descri'Mon ä68M6-
6ai1i63 Äntihu08, Fr6csiu63 6t iom^in68" (17 Bde.,
Par.1806-39) ist noch jetzt ein unentbehrliches.Hand-
buch aller Sammler. Außerdem ist hervorzuheben sein
Werk "Ds 1a. rai-6t6 6t dn piix ^63 ni6diii1i63 10-
iuÄw63') (2 Bde., Par. 1815; 3. Aufl., 2 Vde.,1847).
NI!-p2.rtituln, geteilte Tracht, Mode des 10.
bis 16. Jahrh., die Männerkleidcr aus zwei Farben
zusammenzustellen und zwar entweder so, daß die
eine Hälfte des Kleidnngsstüctcs eine, die ändere
eine andere Farbe hatte ff. Tafel: Kostüme II,
Fig. 5) oder die Tracht im ganzen oder im einzel-
nen, z.B. an den Beinlingen, einen mehrfachen
Wechsel (gestreift, gefchacht u. dgl.) der beiden Far-
ben zeigte (f. Taf. III, Fig. 3).
M"</., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für
Friedr. Anton Wilh. Miquel (s. d.).
Miquel (spr.-kel), Friedr. Anton Wilh., Bo-
taniker, geb. 24. Okt. 1811 zu Neucnhaus in Han-
nover, studierte auf der Universität Groningen
Medizin, wnrde 1833 Hospitalarzt zu Amsterdam,
1835 Lektor der Botanik an der klinischen Schule zu
Rotterdam, 1846 Professor am ^VtIi6NH6uin illustre
in Amsterdam, 1859 Professor für Botanik an der
Universität Utrecht, 1862 außerdem Direktor des
Reichsherbariums in Leiden. Er starb 23. Jan. 1871
in Utrecht. Von feinen zahlreichen Schriften beson-
ders über Systematik sind hervorzuheben: "^oinni6n-
tarii pk^to^rapliici etc." (Leid. 1838-40), "Nono
Li'apkia. F6ii6ri8 Ncüocacti" (Bonn 1841), "8x3t6iuii
1^6i-ac6Hruin" (Rotterd. 1843-44) und "lilu8ti'H-
tioii63 ?ii)6i-Hc6ln'um" (Vresl. 1846, mit 92Tafeln",
"^lora Indigo VatHva6" (nebst Supplement, Amstcrd.
1855-61), "^nnal68 Nu86i dutliiiici I^uFduno-
Natavi" (4 Bde., ebd. 1863-69).
Miquel (spr. -kel), Johann, Staatsmann, geb.
21. Febr. 1829 zu Neuenhaus in Hannover, stu-
dierte 1846 - 50 in Heidelberg und Gottingen die
Rechte, ließ sich dann als Anwalt in Göttingen nie-
der und gelangte sowohl dnrch seine gerichtliche wie
seine polit. Thätigkeit zu bedeutendem Rufe. Er
war Mitbegründer des Nationalvcreins, zu dessen
leitendem Ausschuß er gehörte, und später (1864)
Mitbegründer des Deutschen Abgeordnetcntags.
In den Flugschriften "Das neue hannov. Finanz-
gesetz vom 24. März 1857" (Lpz. 1861) und "Die
Ausscheidung des hannovcrschcn Domanialguts"
(ebd. 1863) unterwarf er die hannov. Finanzver-
hältnisse einer schonungslosen Kritik. 1864 wurde
er in die hannov. Zweite Kammer, 1865 von der
Stadt Osnabrück zum Bürgermeister gewählt (seit
1869 mit dem Titel Oberbürgermeister). Dieses Amt
vertauschte er 1870 mit dem eines Direktors der
Diskontogesellschast in Berlin, welche Stellung er
bis 1873 bekleidete, worauf er bis 1876 Vorsitzen-
der des Verwaltungsrats war. Im Herbst 1876
kehrte er auf den Oberbürgermeisterposten von Osna-
brück zurück, nahm aber 1880 die auf ihn gefallene
Wahl zum Oberbürgermeister von Frankfurt a. M.
an. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen
war M. von Osnabrück auch in das preuß. Ab-
geordnetenhaus gewählt worden, dem er ununter-
brochen bis zu feinem 1882 auf Präsentation der
Stadt Frankfurt erfolgten Eintritt ins Herrenhaus
angehörte. Dem Norddeutschen und dem Teutschen
Reichstage gehörte M. 1867-77 an, zuerst sür
Osnabrück, dann für Waldeck. Als eins der hervor-
ragendsten Mitglieder der nationalliberalen Partei
erwarb er sich namentlich als Vorsitzender der zur
Beratung der Reichsjnstizgesetze bestellten Kommis-
sion große Verdienste. In seinem Frankfurter Ober-
bürgermeisteramt bewährte sich M. als Verwaltungs-
beamter, so daß seine Verdienste selbst von den polit.
Gegnern anerkannt wurden. Zugleich bemächtigte
er sich mit Lebhaftigkeit einer Reihe socialpolit.
Fragen und wirkte namentlich für die Verbesserung
der Wohnnngsverhältnisse der ärmern Klassen. Ein
Reicbstagsmandat nahm M., der 1884 auch in den
prenß. Etaatsrat berufen worden war, erst 1887,
als mit der Bildung des Kartells ihm aufs nene die
Bedingung für eine ausgleichende, mäßigende Wirk-
samkeit gegeben schien, wieder an und trat mit dem
gleichfalls zurückgekehrten Bennigsen erneut an die
Spitze der nationalliberalcn Partei. Am 24. Juni
1890 wurde M. vom Kaifer Wilhelm II. zum preuß.
Finanzminister berufen. Es gelang ihm in der Ses-
sion 1890-91 ein Einkommensteuer- und ein Ge-
werbestcucrgesetz mit den gesetzgebenden Faktoren zu
vereinbaren, dann 1892-93 als Ergänzung eine
Vermögenssteuer durchzusetzen und schließlich auch
im Zusammenhang damit die Gemeindebesteuc-
rung durch ein Kommunalabgabcngesetz zu ordnen.
<S. Preußen.) Dann wandte er sich der Frage der
Deckung der durch die Vermehrung des Heers
(Okt. 1893) entstandenen Ausgaben und der Reform
der Reichsfinanzen zu. Sein Reformplan fand zwar
die Billigung der deutschen Finanzminister auf der
Konferenz in Frankfurt a. M., erfreute sich aber im
Reichstag keiner günstigen Aufnahme, fo wenig
wie die vorgeschlagenen Steuern.
Miquelets (frz., spr.mik'lcb', span.^Ii<iu6i6t68),
die kriegerischen und räuberischen Bergbewohner
der südl. Pyrenäen, in Catalonien und den sranz.
auf den Höhen des Gebirgskamms, der die Grenze
zwischen Frankreich und Spanien bildet. Sie sind
im Kriege gefährliche Parteigänger und machten sich
namentlich den Heeren Napoleons I. in Catalonien
durch ihre Überfälle furchtbar. Im Frieden dienen
sie den Fremden als Führer auf den Gebirgen. In
den baskiscbcn Provinzen hießen so die Soldtruppen,
die bis 1877 die nach altem Recht militärdienstfreien
Städte zum Garnisondienst ausstellten.
Miquelon (spr. mit'löng), Insel, s. Saint Pierre
und Miquelon.
Mir, die bäuerliche Dorfgemeinde in Rußland
und zugleich der gemeinsame Besitz der Bauern-
gemeinde am Grundeigentum. Mit Sicherheit läßt
sich diese Gestaltung des Bodenbesitzes erst seit Be-
ginn des 17. Jahrh, erkennen, gewissermaßen als
das Resultat der allgemeinen Verbreitung der Leib-
eigenschaft (s. d.), der Einführung einer von jeder
"Seele" gleichmäßig erhobenen Steuer und der soli-
darischen Haft der Gemeinden für die von ihren
Mitgliedern aufzubringende Kopfsteuer (s. d.). Da
jedes Mitglied die gleichen Lasten aufzubringen hat,
teilt man ihm auch einen gleichen Anteil am Ge-