Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

943
Mittelfreie - Mittelländisches Meer
Der Regierungsbezirk wird eingeteilt in secks
Reichstagswahlkreise: Nürnberg (Grillenberger,
Socialdemokrat), Erlangen-Fürtb (Weiß, freisinnige
Volkspartei),Ansbach-Echwabach(Eonrad, Deutsche
Volk^partei), Eichstätt (I)r. Sebädler, Centrum),
Dinkele'bühl (Lutz, deutschkonservativ), Rotbenburg
a. d. T. (Hilpert, Bauernverein).
Mittelfreie nennt der Schwabenspiegel die
zweite Klasse der Freien, indem er 1) Semperfreie,
'2) Mittelfreie, 3) freie Landsassen unterscheidet. Die
M. sind die Besitzer von Gütern, an denen das
Schöffenamt baftet oder die zur Leistung des Ritter-
dienstes befäbigen.
Mittelfuftknochen, s. Fuß.
Mittelgans, s. Bläsigans.
Mittelgebirge, s. Gebirge
Mittelgebirge, Vöhmisckeo, eruptive Ge-
birgsgruppe zu beiden Seiten der obern Elbe, auf
einer breiten Vasaltplatte, durch die Biela vom
sächs. Erzgebirge und durch den Pollen vom Lau-
sitzer Berglande getrennt, ist durch zablreicbe Kuppen
charakterisiert, deren böchste der 835 m hohe Pbono-
lithkegel Milesckauer (Milleschauer, Donners-
berg) und der Kletschenberg (704 m) sind. Auf dem
rechten Ufer der Elbe hat das M. den Namen Kegel-
gebirge, mit dem Geltschberg (725 m). Das Ge-
birge enthält oenPoliersckiefervonBilin. TerBoden
ist von großer Fruchtbarkeit und entbalt die berübm-
ten Heilquellen von Püllna, Bilin und Teplitz.
Mittelhand, s. Hand. Bei den Haustieren, be
sonders bei Pserden, ist M. oder Mittelteil der
mittlere Teil des Körpers: Rücken, Lenden, Rippen,
Bauch, Flanken.
Mittelhirn, s. Gebirn (Bd. 7, S. <;<<;!''.
Mittelhochdeutsch, abgekürzt Mbd., dient zur
Bezeichnnng eines nicht genauer abgrenzbaren Zeit-
raums der Entwicklung des Hockdeutschen in Bezug
auf Sprache und Litteratur. Im allgemeinen rechnet
man hierher die Zeit vom 12. bis 14. (oder 15.)
Jahrh. Im besondern nennt man M. die spracklicken
und litterar. Zustände wäbrend der Blütezeit der
mittelalterlichen dentschen Litteratur in der zweiten
Hälfte des 12. und der ersten Hälfte deo 13. Iabrb.
(S. Deutfcke Sprache, Bd. 5, S. 75, und Deutscke
Litteratur, Bd. 5, S. 3d.) lIagd.
Mitteljagd oder Mittlere Jagd, s. Höbe
Mittelkrebse, s. Einsiedlerkrebs.
Mittelkurs, s. Kurs (Bd. 10, S. 835 d).
Mittelland, Bezirk im schweiz. Kanton Appen-
zcll-Aufterrboden, bat 58 ^m und (l^8) 11248 E.,
darunter U>3<, Katholiken, in 5 Gemeinden. Haupt-
ort ist Teufen (s. d.).
Mittelländische Raffe, s. Kaukasische Rasse.
Mittelländisches Meer oder Mittelmeer
(bei den Römern ^Iui-6 inwi-iniin, später ^Illio
mßäiwi'i'^nouin), so genannt von seiner Lage zwi-
schen Europa, Asien und Afrika, ein mit dem Ädria-
tischen, Agäischen, Marmara- und Schwarzen Meere
2 885522 qkm großes Becken, .^"800 Xm lang, an
der breitesten Stelle 1800, im Mittel <^00 Km'breit,
bangt im W. mit dein Atlantischen Oeean durch die
Meereuge von Gibraltar, im O. setzt durch den Kanal
von Sues mit den: Roten Meer zusammen. Man
teilt das M. M. in ein westl. und ein östl. Becken ein,
die beide durch die nur nngefäbr 450 in tiefe und
größtenteils durch viel seichtere Baute lSckern- uud
Advcntnrebänke) ausgefüllte Siciliscke Strafte sowie
durch die schmale Straße von Messina miteinander
in Verbindung stebeii. In jodem dei' beiden erkennt
man ;wei sich durch große Tiefe auszeichnende Teile,
welche im westl. Hauptbecken durch Sardiuien und
Eorsiea, im östlichen durch Kreta, das Plateau von
Barta und die diese beiden verbindenden unter-
seeischen Erdöbungen getrennt sind. Von W. nack
O. sind die Maße dieser vier tiefsten Stellen 3148,
3731, -1067 und 3317 m, während die mittlere Tiefe
des ganzen M. M. nur 1300 in beträgt.
Das westl. Hauptbecken, von der Form eines
stumpfwinkligen Dreiecks, entbehrt der Glieder und
hat nur rundliche Bückten, wie die zwiscken Ma-
rotko und Spanien im Baleariscken oder Iberischen
Meer gelegenen, den Golf von Valeneia, den Golf dll
^iion und den von Genua. Der zwischen Sicilien,
Italien, Eorsiea ilnd Sardinien gelegene Meeresteil
wird unter dem Namen des Tyrrhenischcn Meers Zu-
sammengefaßt. Da5 östl., größere Hauptbecken,
das ungesädv die Form eines Rechtecks hat, ist viel
mebr gegliedert und im N. durch zwei Binnenmeere,
dao Adriatiscke Meer (s. d.) und das Ägäiscke Meer
ls. d.) init dem Marmarameer (s. d.) erweitert. Der
westt. Teil ist da^ Ionische Meer, der östliche das
^evantische' ersterem bat iin S. die flachen Ausbuck-
tuugen der Kleinen und Großen Syrte, letzteres im N.
die rundlicken Buchten von Adalia und Iskanderun.
Geolog, und biolog. Gründe inachen es gewiß,
daß noch in sebr junger Vergangenheit ein Zusam-
menbang zwischen Afrika und Europa bei Gibraltar
und dei Malta stattfand, wie überbaupt der jetzige
Umriß dee> Mittelmeers dadurch zu stände kam, daß
eine größere Anzabl selbständiger Einsturzbecken sich
über niedere Bodenschwellen hinüber zu einem Gan-
zen verband. Vermöge seiner im W. gelegenen, nur
schmalen und seicbteu Verbindung mit dem ^cean
sowie seiner Kleinbeit bat das M. M. nur sckwacke
Ebbe und ^lut. Im Meerbusen von Venedig steigt
die ,^lut bei Neu- nud Vollmond 1 in und in der
Großen Svrte 1,<^ in, in der Kleinen Svrte 2,i in
ibier auch starke Ge-eiteuströme, wie inl Friesischen
Watteumeer), aber an den meisten andern Orten
sind die Gezeiten kaum bemerkbar (im W. etwa 60,
im O. nnr 10 cm). Wegen seiner starken Ver-
dunstung, des verbältnismäßig geringen Zuflusses
von Süßwasser bat das M. M. einen stärkern nach
O. wachsenden Salzgebalt als der Ocean (durchweg
über 37, bei Kreta 39 Promille). Im M. M. berrsckt
unterdalb der Tiefenlage der Schwelle von Gibral-
tar eine gleichmäßige Tcmperatnr von nicht ganz
13 ('., also soviel wie die mittlere Wintcrtemperatur
der Mittelmeerländer beträgt, wäbrend die Tempera^
tur der Oberfläche im Sommer bis auf etwa 22^ (^.
steigt. Der Grund davon liegt darin, daß das tie-
fere kalte Wasser des Atlantischen Meer^, welches
außerbalb in eiuer Tiefe von 3000 in eine Tempe-
ratur von uur etwa 3^ ('. bat, durch die fubmarine
nur 5<)0 in tief gelegene Schwelle am westl. Ein-
gänge der Strafte von Gibraltar abgesperrt ist. In
dieser, an der scbmalsten Stelle 12,.; Kin breiten
Straße selbst liegt der Gruud erbeblich tiefer, im
Marimum etwas östlich von der Verbindungslinie
zwischen Gibraltar und Eeuta in 1007 ni Tiese.
In der Mitte fließt nach O. beständig eine Strö-
mnng salzärmern, also leichtern Wassers ein, und
zwar 5,,-. Icm von beiden Küsten entfernt und unge-
stört durch die an den Küsten laufenden, 3,7 km
breiten Seitenströme, welcke wäbrend des Steigens
des Oceane westwärts, wäbrend seines Falles ost-
wärts fließen. Zum Teil wird diefer beständige
Zufluß durch die vorberrsckendenWestwinde bewirkt,
!