Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

953
Mobilität - Mochnacki
die Klasse der Großgrundbesitzer vielfach die Ge-
bundenheit im Interesse der Familie durch Stiftung
von Familicnfide'i'kommissen (s. d.) zu sichern gewußt,
überhaupt macht sich in der neuesten Zeit eine Ge-
genströmung gegen die Mobilisierung bemerkbar,
indem man einerseits, uameutlick im Interesse der
Erhaltung des Bauernstandes, das Veräußerungs-
reckt des Eigentümers zu beschränken und erbpacbt-
artige Verhältnisse wiederherzustellen sucbt, und
andererseits die Beschränkuug des Hypothckentredits
auf eine mäßige Quote des Wertes des Grund-
stückes und die Einführung unkündbarer Renten
befürwortet. (S. Erbpacht und Rentengut.)
Mobilität (lat.), Beweglichkeit, Rührigkeit.
Mobilmachung oder Mobilisierung, die
Überführung militär. Streitkräfte von: Friedcns-
anf den Kriegsfuß. Diese Thätigkeit umfaßt-. 1) die
Aufstellung des Großen Hauptquartiers, der Armee-
Oberkommaudos und aller Stäbe und Verwaltungs-
behörden, die im Frieden nicht vorbanden sind'.
2) die Vermehrung der Kopfstärke und Pferde der
im Frieden vorhandenen Stäbe, Truppen und Ver-
waltuugsbehördcn; 3) die Aufstellung neuer Trnp-
pcn für die Feldarmee und das Vesatzungsheer so-
wie von Ersatztruppcn für beide Heere; 4) die Ve-
wc^nvmg und Ausrüstuug aller vorgenannten Auf-
stelluugen; 5) die Bereitstellung vou allein Kriegs-
material für Landbeer und Festungen; 6)^die Für-
sorge für die Verpflegung, Krankenpflege, ^eelsorge
uud Iustizpflege im Heere; 7) die Kriegsbereitschaft
der Festungen; 8) die Kriegsbereitschaft der Marine;
'.>) die Andernngen in der Verwaltung des Landes,
soweit solche, namentlich in den bcdrobten Landes-
teilen, erforderlich sind. Vorarbeiten und Mobil-
machuugsplan werden von den meisten Staaten ge-
heimgehalten. Die Aufstellung des letztern erfolgt
in Deutschland dnrch das Kriegsministerinm und
den Generalstab. Auf Grund diefes Planes werden
die Anwcisnngeu von den General- oder Divisionen
lommandos für den betreffenden Bereich erlassen. Die
M. erfolgt auf Befehl des Kaisers, in Bayern auf Ver-
anlassung des Kaisers durch deu König von Bayern.
Das Gegenteil ist Demobilmackung (s. d.).
MobtlzuchtderBiencn,s.Viene(Bd.2,S,986^).
Möbius, Aug. Ferd., Matbematiker und Astro-
nom, geb. 17. Nov. 1790 zu Schnlpforta, studierte
,u Leipzig, Göttingen und Halle anfangs die Rechte,
dann Mathematik, babilitierte sich 1815 in Leipzig
nnd wnrde 1816 außerord. Professor der Astrono-
mie. Nach cincin voll ibm entworfenen Plan wnrde
l 818-21 die Leipziger Sternwarte umgestaltet. M.
wurde 1844 zum ord. Professor der böbcrn Mecha-
nik und Astronomie ernannt und starb 26. Sept.
1868 zu Leipzig. Uuter seinen Schriften sind ber-
vorzuheben "Der baryccntriscbc Ealeül, ein ncnes
Hilfsmittel znr analytischen Behandlung der Geo-
metrie" lLpz. 1827), "Lehrbuch der Statik" (2 Bde.,
ebd. 1837) und "Die Elemente der Mecbanik des
Himmels" (ebd. 1843), ein Versuch, die Theorie
der Störungsrechnnngen, ohne Anwendung hoberer
Lehren der mathem. Analysis zu entwickeln; ferner
"Hauptsätze der Astronomie zum Gebrauche bei sei-
nen Vorlesungen für Gebildete" (7. Aufl., Stuttg.
1890). Nach seinem Tode erschienen seine "Gesam-
melten Werke" (hg. vonValtzer, Klein und Echeibncr,
4Vde., Lpz. 1885 -87).
Möbius, Karl Aug., Zoolog, geb. 7. Febr. 1825
zu Eilenburg, studierte in Berlin Naturwissen-
schaften, war 1853-68 Lehrer am Iobanncum in
Hamburg und folgte 1868 einem Rufe als Pro-
fessor der Zoologie an die Universität Kiel. Er be-
reiste 1868 und 1869 die deutschen, franz. und engl.
Küsten, um im Auftrage der preuß. Regiernug Un-
tersuchungen über die küustliche Austernzucht anzu-
stellen, nabm 1871 und 1872 als Mitglied der
Ministerialkommission für wissenschaftliche Unter-
suchung der deutschen Meere teil an den Expeditio-
nen des dentscben Marinedampfers Pommerauia
durck die Ost- und Nordsee und reiste 1874-75
nacb Mauritius und den Seychellen, um die Fauua
der dortigen Korallenriffe zu studieren und zoolog.
Sammlungen anzulegen. Seine wichtigsten Schrif-
ten sind: "Die Nester der geselligen Wespen" (im
"Archiv für Naturgeschichte", Hamb. 1856), "Die
cchtcu Perlen" (ebd. 1858), "Bau, Mechauismus
uud Entwicklung der Nesselkapscln" (ebd. 1866),
"Fauna der Kieler Bucht" (mit H. A. Meyer be-
arbeitet, 2 Bde., Lpz. 1865 u. 1872), "Die wirbel-
losen Tiere der Ostsee" (mit andern, im "Jahres-
bericht der Commission zur wissenschaftlicheu Unter-
sncknng der deutschen Meere", Verl. 1873), "Die
Auster und die Austcruwirtschaft" (ebd. 1877), "Der
Bau des 1^050011 c^niiäoQ8L" (Cass. 1878), "Bei-
träge zur Meeresfauna der Insel Mauritius und
der Seychellen" (mit Richters und Mariens, Berl.
1880), "Die Fische der'Ostsee" (mit Fr. Heincke
bearbeitet, ebd. 1883). Nach seinem Plane wnrde
das neue zoolog. Museum in Kiel erbaut und ein-
gericbtet. 1887 übernahm er die Direktion der
zoolog. Sammlung der Universität Berlin und zer-
legte diese bei dem Einzug in das ueue Museum
für Naturkunde in eine für Vav Publikum bestimmte
^chausammlung und eine nur wissenschaftlichen
Zwecken dienende Hauptsammlung.
Möbius, Tbeodor, Germanist, Sohn von Aug.
Ferd. M., geb. 22. Juni 1821 zu Leipzig, studierte
iu Leipzig und Berlin, wurde 1845 Beamter der
Universitätsbibliothek zu Leipzig, habilitierte sich
daselbst 1852 sür skandinav. Sprache und Litteratur,
wurde 1859 außerord. Professor zu Leipzig, 1865
in Kiel. 1889 zog er sich uach Leipzig zurück, wo er
25. 'April 1890 starb. Von seinen Werken sind her-
vorzuheben: die Ausgaben der "^iimunäar-^cläa"
iLpz. 1860" und in Verbindnng mit Gudbr. Vig-
susson der ((I'm'nsö^ui'" (ebd. 1860); ferner der "(^w-
loß'UZ Iibi'01'nin isiliiiclicoi'um 6t nowkAicoruin"
lcbd. 1356" und das "Verzeichnis der auf dem Ge-
biete der altnord. Sprache und Litteratur 1855-79
erschienenen Schriften" (ebd. 1880), die "^nalocw
noi'i-00iia" (ebd. 1859; 2.Ausg. 1877), das "Altnord.
Glossar" (ebd. 1866), eine "Dän. Formenlehre"
lKiel 1871), die Ausgabe des "Nä^i^twkvNäi"
(Halle 1873) und der "iäionäin^äi'^M" (Kiel 1874),
eine Ausgabe von Snorre Eturlusons "H^ttatai",
Bd. 1 u. 2 (Halle 1879 - 81), eine Ausgabe der
"Xoi'maks 8a^a" (ebd. 1886).
Mofambique, s. Mozambique.
Mocha, s. Mokka.
Mochnacki (spr. -nazki), Maurycy, poln. Publi-
zist und Kritiker, geb. 13. Sept. 1803 zu Vojaniec
in Galizicn, stndierte in Warschau die Rechte, redi-
gierte 1.^27-30 polit. Zeitungen, ward einer der
Vorbcreiter des poln. Aufstandes und kämpfte bei
Grochow und Ostrolenka, wo er schwer verwundet
wurde. Er emigrierte uach Frankrcick und starb
20. Dez. 1835 zu Aurerve, wo ihm ein Denkmal
errichtet wurde. M.s verdienstvollste Arbeit ist eilt
kritisches Werk "Über die poln. Litteratur des