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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Modeldruck - Modena (Herzogtum)
namentlich von Vignola, Palladio und Vicenzo
Ecamozzi weiter ausgebildet. Durch Francois Blon-
de! verbreitete sie sich in die franz. Kunst' und von
da über ganz Europa. Schinkcl setzte an Stelle der
Regel mehr das individuelle Empfinden. -- Im
Maschinenbau ist M. die Vezugseinheit für die
Dimensionen von Maschinenteilen, so zwar, daß
man die Stärken der einzelnen Teile im Ver-
hältnis Mm M. angiebt, also daß man umgekebrt
die Dimensionen durch Multiplikationen des M.
mit dessen Verhältniswahlen, event, unter Anfügung
einer Konstanten erhält. Die vermöge dieses Ver-
fabrens gefundenen Dimei^sionen sind jedock in
der ^tegel nur als Anhaltspunkte für den Entwurf
aufzufassen und bedürfen nock einer speciellen Be-
rechnung anf Grund der Festigkeitsgesctze. -^ M.
oder Drnckmodel sind in Holz gestochene oder
geschnittene Druckplatten zum Aufdrucken der Far-
ben auf Kattnn, Wachsleinwand, Papiertapeten,
Buntpapier, Spielkarten u. s. w. (s. Fornrschneide-
tnnst). Außer den Drnckmodeln giebt es auch M.,
die zur Formgebung plastischer Massen dienen, in
welchem Sinne M. mit Form identisch ist. Solche
M. benutzt beispielsweise der Bäcker zur Herstellung
der Figuren aus Lebkuchenteig. Ferner sinden sie
Verwendung bei der Fabrikation figuraler Gegen-
stände aus Papiermache, Gips u. s. w.
Mödeldruck, s. Zeugdruck.
Modell, ein im kleinern Maßstab aus Holz,
Kork, Wachs, Gips, Thon, Stein u. dgl. bergestelltes
Vorbild zu einem Gebäude, architektonischen Kon-
struktionen, wie Dächern, Gewölben, einzelnen Bau-
teilen, Ornamenten, ferner zu Maschinen, Maschinen-
teilen, zu einem zur Ausführung in Marmor, Sand-
stein, Bronze, Eisen u. s. w. bestimmten Kunstwerk,
um eine klarere Übersicht über die projektierten Dis-
positionen und die Gesamtwirkung des Gan;en zu
erlangen, als solches durch Zeicknung möglich ist.
< S. auch Gießerei, Gußformen.) Aucb beißen M. die
lebenden Individuen, an denen die Bildhauer und
Htaler ihre Studien machen. - In den Gießereien
und Maschinenfabriken ist meist zur Anfertigung
der M. eine besondere Abteiluug, die Modell-
tischlerei, eingerichtet. - über M. im juristi-
schen Sinne s. Gebrauchsmuster und Musterschutz.
Modellbrett, eine in der Formerei (s. d.) ange-
wendete Platte zum raschern Herausheben eines oder
mehrerer Modelle ans der Gußform. Das Modell ist
hierbei anf dem M. befestigt, welches beim Heraus-
heben in Führungen gleitet. ftcllen.
Modellformerei, die Formerei ls. d.) nach Mo-
Modellieren, aus bildsamem Stoff wie Thon.
Gips, Wachs u. dgl. für ein plastisches Kunstwerk
ein Vorbild zur Ausführung im gleichen, kleinern
oder grösiern Maßstab Mo-
dellierung, in der Malerei die richtige Anwen-
dung von Licht, Schatten und Halbtöne'n, um den
Formen den Schein des Körperlichen zu geben.
Modellierwachs, s. Vossierwaebs.
Modellschutz, s. Musterschutz.
Modellstämme, s. Vestandsschätzung.
Modelltischlerei, s. Modell und Tischlerei.
Modeltuch, Mustertnck mit ausgeführtenBuck-
staben und Verzierungen als Vorlagen zum Sticken.
Modena, bis 1859 souveränes ital. Hcrzogtnm,
das die fruchtbare Ebene, welche der Panaro be-
wässert, umfaßte und zwischen dem Lombardisch-
Venetianischen Königreich, dem Kirchenstaat, dem
Großherzogtum Toscana, dem Herzogtnm Parma
und dem Meer lag; es hatte einen Flächenraum
von 6132 ci^m und eine Bevölkerung (Ende 1857)
von über 004 000 Seelen. Gegenwärtig bildet es
einen Bestandteil des Königreichs Italien und
zerfällt in die Provinzen Modena (s. d.), Massa-
Earrara und Reggio. Durch den fruchtbaren Boden
begünstigt, befinden sich Ackerbau, Wein- und Oli-
venkultur, Vieh- und Seidenzucht in Blüte. Der
Bergbau ist namentlich auf Marmor sehr bedeu-
tend, die gewerbliche Industrie dagegen nur von ge-
ringem Belang. - Seit dem 6. Jahrh, gehörte M.
den Langobarden, dann zu Toscana und nackher
nebst Ferrara den Torelli, welche seit 1290 die Este
(s. d.) zu verdrängen begannen. 1452 von Fried-
rich III. zu Herzögen von M. und Neggio erhoben,
siedelten diese nach Ferrara über, das ihnen Eir-
tus IV. 1471 zu Lehn gab, Clemens VIII. aber
1598 wieder nabm. Nnn gehörte zu M. nur noch
das Herzogtum Rcggio und das Fürstentum Eapri.
Der Herzog Franz I. erwarb 1633 das Fürstentum
Eorreggio, Franz II. 1710 das Herzogtum Miran-
dola, 1737 das Herzogtum Novellara und 1741
durch Heirat das Herzogtum Massa-Carrara. Der
letzte Herzog von M. aus dem Hause Este, Ereolc III.
Rinaldo (gest. 1803), ergriff beim Einrücken der
Franzofcn in Italien 1796 die Flucht. Auf Grund
des Friedens zuEampo-Formio wurde M. zur Cis-
alpinischen Republik geschlagen, während Ercolo
im Lune'viller Frieden mit dem Vreisgau entschä-
digt wurde, den er an den mit seiner einzigen Toch-
ter und Erbin, Maria Beatrix, verheirateten Erz-
berzog von Österreich, Karl Anton Joseph Ferdi-
nands überließ. Letzterer, der sich nun Herzog von
Modena-Breisgau uannte, verlor den Brcisgau
dnrch den Prcsiburger Frieden 1805 und starb 1806.
Sein Sohn, der Herzog Franz IV. (s. d., Bd. 7,
S. 133 a), gelangte erst 1814 wieder in den Besitz,
der großväterlichen Staaten; gleichzeitig übernahm
seine Mntter die Regierung des Herzogtums Massa-
Earrara, dem der Kongreß zu Wien die kaiserl.
Lehn in der Lnnigiana hinzufügte. Dieses Herzog-
tnm fiel bei dem Tode der Mutter (14. Nov. 1829)
dem Sohne zu: 1847 trat Toseana anläßlich der
Angliederung von Lucca vertragsmäßig Fivizzano
an M. ab, und nach dem Tode der Kaiserin Marie
Luife, Herzogin von Parma, kam dazu Guastalla,
zusammen 320 c^in Gebietszuwachs mit 50000 E.
Noch verhaßter als Franz IV., der sich gegen den
Aufstand von 1831 nur durch österr. Hilfe halten
konnte, machte sich dessen Sohn Franz V. (s. d.), der
von Anfang an seinen Rückhalt ausschließlich an
Österreich suchte. Dessen Siege gaben ihm sein nach
seiner Flucht bereits zu Sardinien abgefallenes
Herzogtum nochmals 1848 zurück, wo nun ein will-
kürliches Regiment unter dem Schutz der östcrr.
Bajonette und den 1850 zurückgerufenen Jesuiten
Fürst und Volk einander vollends entfremdeten.
Die wachsende Aufregung im Lande bestimmte den
Herzog nach der Schlacht von Magenta, 1859 mit
dem größten Teil seiner Truppen letwa 4000 Mann)
Schutz im Anschluß an die österr. Truppen zu suchen,
worauf schon 19. Aug. 1859 eine modenesische
! Nationalversammlung die Absetzung der Dynastie
erklärte; das Land schloß sich nun dem sog. Gou-
vernement Emilia an, dessen Bestandteile durch
Dekret vom 18. März 1860 init den Staaten des
Königs Victor Emanuel vereinigt wnrden.
Vgl. Muratori, Dollo luitioiiit^ I^Ltenäi eä it<T-
1wl0 l2Bde., Mod. 1717-40); Tiraboschi, )Io-