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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mondalter - Monddistanzen
keine größern Gewässer auf dem M. vorhanden sein können. Charakteristisch ist für die Mondoberfläche das massenhafte Auftreten von großen und kleinen Ringgebirgen, teilweise von Dimensionen, für die sich auf der Erde nicht annähernd Gleiches findet. Häufig haben dieselben einen kegelförmigen Berg oder ein kraterähnliches Gebilde in der Mitte. Ferner kommen vor massige Gebirgszüge, einzelne Bergkegel, sehr schmale, fast geradlinige Schluchten und Furchen von 300 bis 500 km Länge, als Rillen bezeichnet, und Lichtstreifen, deren eigentliche Natur noch unbekannt ist, die aber meist strahlenförmig von einem Ringgebirge ausgehen, z. B. dem Tycho. Ganz besonders häufig aber sind kraterähnliche Gebilde der verschiedensten Form und Größe, mit denen der M. förmlich übersät ist und von denen J. F.^[Julius Friedrich] Schmidt in seiner Karte gegen 33000 verzeichnet hat. Zur bequemern Unterscheidung hat man den größern und auffallendem derselben die Namen berühmter Männer beigelegt. Die Namen der auf der Karte mit Zahlen bezeichneten Krater und Berge finden sich auf der Rückseite verzeichnet. Vor den Bergen auf der Erde zeichnen sich die auf dem M. auch durch ihre bedeutenden Höhen aus, die bei einzelnen bis zu 7000 m oder 1/470 des Monddurchmessers betragen und die Veranlassung zu mächtigen Schatten geben, wenn sie nahe der Lichtgrenze des M. liegen. In diesem Stadium befinden sich die in den Ecken der Karte dargestellten Krater.
Vielfach ist in neuerer Zeit die Frage erörtert worden, ob noch jetzt auf der Mondoberfläche für uns sichtbare Veränderungen vor sich gehen; indessen ist es noch nicht gelungen, solche sicher zu beobachten. Wenn dieselben auch schon in Anbetracht der enormen Temperaturschwankungen, die in Ermangelung einer dichtern Atmosphäre zwischen Neumond und Vollmond vorkommen müssen, wahrscheinlich sind, werden sie sich doch unserer Wahrnehmung meist entziehen, da Gegenstände selbst von 2000 m Durchmesser in der Mitte des M. uns der großen Entfernung wegen nur als Punkte erscheinen. Daher sind auch die Berichte älterer Beobachter von wahrgenommenen Bauten u. s. w. auf dem M. in das Bereich der Fabel zu verweisen.
Die beste Mondkarte ist die von J. F.^[Julius Friedrich] Schmidt, die 2 m Durchmesser hat und auf Grund mehr als 30jähriger Beobachtungen hergestellt, 1878 in Begleitung eines erläuternden Textes vom preuß. Kultusministerium herausgegeben wurde, sehr vorzügliche, wenn auch ältere Karten sind die von Beer und Mädler, "Mappa selenographica" (4 Blatt, Berl. 1834-36), mit erläuterndem Text: "Der M. nach seinen kosmischen und individuellen Verhältnissen" (2 Bde., ebd. 1837); sodann die Karte von Lohrmann, "Topographie der sichtbaren Mondoberfläche" (Abteil. 1, Dresd. 1825), in neuester Zeit (Mondkarte in 25 Sektionen und Erläuterungstafeln nebst Text, Lpz. 1878) von J. F.^[Julius Friedrich] Schmidt vollendet. Nachdem in neuester Zeit die Himmelsphotographie so bedeutend vervollkommnet worden ist, hat man auch vorzügliche Photographien einzelner Teile des M. hergestellt; so namentlich auf der Lick-Sternwarte.
Von den Einwirkungen des M. auf die Erde ist namentlich die auf der Anziehung der flüssigen Teile der Erdoberfläche beruhende Ebbe und Flut (s. Gezeiten) im Meere zu erwähnen. Ebenso ist eine Ebbe und Flut in der Erdatmosphäre vorhanden, der Betrag dieser ist aber so geringfügig, daß er durch Instrumente kaum nachzuweisen ist. Ein ähnlicher Einfluß des M. auf das Erdinnere, der sich durch Erregung von Erdbeben u. s. w. äußern soll, ist zwar, namentlich von Falb, behauptet, keineswegs aber erwiesen worden. Solange wir überhaupt nichts Sicheres über die Beschaffenheit des Erdinnern wissen, sind wir hier nur auf Vermutungen angewiesen, über den Einfluß des M. auf die Witterung s. Mondeinfluß auf die Witterung. Über M. der andern Planeten s. Nebenplaneten. - Vgl. Neison, The Moon and the condition and configuration of its surface (Lond. 1876), und Nasmyth und Carpenter, Der M. betrachtet als Planet, Welt und Trabant (aus dem Englischen von Klein, Lpz. 1876).
Mondalter, der zwischen einem gegebenen Kalendertag und dem nächstvorhergegangenen Neumond liegende Zeitabschnitt. Bei Berechnung des Osterfestes hat man von dem M. des 1. Jan., der sog. Epakte (s. d.), auszugehen.
Mondamīn (engl. corn-flour), Handelsname für eine sehr feine Art der Maisstärke.
Mondbeglänzte Iaubernacht, ein aus dem Prolog zu Tiecks "Kaiser Octavianus" (1804) entlehntes Losungswort für und gegen die romantische Richtung in der Litteratur.
Mondbein (Os lunatum), einer der acht Handwurzelknochen, s. Hand.
Mondblindheit oder periodische Augenentzündung, eine Krankheit der Pferde, welche entweder nur ein oder alle beide Augen betrifft und durch ihr anfallsweises Auftreten gekennzeichnet ist. Die Augen der Pferdethränen während des Anfalls, und die Tiere halten das erkrankte Auge geschlossen; die durchsichtige Hornhaut ist trübe und in der vordern Augenkammer findet sich blutig-eitriges Exsudat. Nach dem Verschwinden der Anfälle bleiben anfänglich nur eine weichere Beschaffenheit des Augapfels und Verwachsungen der Regenbogenhaut mit der Linsenkapsel zurück. Vermittelst des Augenspiegels können jedoch auch zwischen den Anfällen weitere Veränderungen im Innern des Auges, namentlich am Glaskörper, festgestellt werden. Schließlich führt die M. zu völliger Erblindung durch Netzhautablösung. Die M. ist ein Gewährsmangel (s. d. und Gewährsfristen). (S. auch Hemeralopie.)
Möndchen, die weiße Stelle des Nagels (s. d.).
Möndchen des Hippokrates, s. Lunulae Hippocratis.
Monddistanzen, eine Methode der Ortsbestimmung zur See, die, ohne daß die Greenwicher Zeit durch Chronometer bekannt ist, die Berechnung der geogr. Länge des Schiffsortes gestattet. Infolge seiner Nähe zur Erde ändert der Mond sehr schnell seine Rektascension und damit auch seine Stellung zu den übrigen Gestirnen. Diese Bewegung beträgt täglich etwa 13° nach Osten; von der Sonne entfernt sich der Mond nur etwa 12°, da diese selbst etwa 1° täglich ostwärts von den Gestirnen vorwärts schreitet. Einem bestimmten Zeitmoment entspricht daher nur ein ganz bestimmter Abstand des Mondes von einem andern Gestirn. Erst nachdem Tobias Mayer 1755 durch seine Mondtafeln den Ort des Mondes für jeden Zeitpunkt bestimmt hatte, konnten die M. verwertet werden. Kurz darauf, 1759,