Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

1006
Montalembert - Montalemberts Befestigungsmanier
am Parlament zu Bordeaux, wo er eincn engen
Freundschaftsbund mit E. de la Boetie schlosi. M.
veröffeutlichte zuerst eine vortreffliche Übersetzung
der natürlichen Theologie des Raymundus Sebon-
dus (Par. 1569), 1580 die ersten zwei Bücher seiner
((N83ai8" (2 Bde., Bordeaux) und machte dann Reisen
in Deutschland, Italien und der Schweiz. 1581
wählten ihn die Bürger von Bordeaux zu ibrem
Maire, welches Amt er mehrere Jahre verwaltete.
Er kam 1588 uach Paris, um eine ueue bereicherte
und um ein drittes Buch vermehrte Ausgabe seines
Werkes herauszugeben: in dieser Zeit lernte er
Fräulein de Gournay kenuen, die spätere Heraus-
geberin seiner "N88Ä18", die sich ihm so eng anschloß,
daß er sie seine "Ado^tivtochter" uanutc. M. starb
13. Sept. 1592. Was M. dachte und empfand,
zeichnete er nach Zufall und Laune auf, und so ent-
stand gleichsam ein psychol. Gemälde, in dem seine
eigene Persönlichkeit den Mittelpunkt bildete und
das einen Schatz von praktischer Lebensweisheit ent-
hält. In seiner Weise auf die Relativität alles Den-
kens aufmerksam, gelangte er zu jenem Skepticis-
mus, den er in seiner Devise "Huo 8lN8-^e?" aus-
drückte. In seinem Stil zeigt er sich bald fahrlässig
und holperig, bald entwickelt er Grazie, Energie und
eine Fülle des Ausdrucks, die seine Werke zu einer
Schatzkammer der franz. Sprachbildung machen.
Von seinen "N88lli8" erschien kurz nach seinem Tode
die vermehrte Ausgabe von Mlle. de Gournay (Par.
1595), die lange Zeit für definitiv galt, aber keinen
Nutzen aus dem mit eigenen Verbesserungen M.s
versehenen Exemplar von 1588 (auf der Bibliothek
von Bordeaux) gezogen hat. Für klafsisch gilt fer-
ner die Ausgabe von I. V. Leclerc (5 Bde., Par.
1826 - 29; neue Aufl., 4 Bde., ebd. 1865 - 66).
Eine kritifche Ausgabe unternahmen Dezeimeris und
Varckhausen (2 Bde., Bordeaux 1873). Eine dentsche
Übersetzung lieferte Vode ("M.s Gedanken und
Meinungen", 7 Bde., Verl. 1793-99). - Vgl.
Malvezin, Nieliol äs N., 8on oriFino, 8li> tamiÜ"
(Par. 1875); Leveanx, I^wäo 8ur I08 1^88ai3 äe N.
(ebd. 1870); P. Vonnefon, N. I^iwmmo ot I'wnvro
(ebd. 1893); Stapfer, Nont^Fus (ebd. 1894).
Montalembert (spr. mongtalangbähr), Charles
Forbes de Tryon, Graf von, franz. Publizist und
Staatsmann, geb. 29. Mai 1810 zu London, be-
geisterte sich in seiner Jugend für Romantik und
neukath.-liberale Politik und war Mitarbeiter an
Lamennais' revolutionär-kath. "^V6nir" (1830),
dessen Verdammung von seiten der röm. Kurie M.
jedoch zu orthodoxer Gesinnung zurückführte. Durch
Erbrecht Mitglied der Pairskammer, machte er sich
zum Vertreter der kath. und klerikalen Interessen,
söhnte sich aber mit der aus der Februarrevolution
von 1848 hervorgegangenen Republik aus. M.
wurde in die Konstituierende Nationalversammlung
und in die Gesetzgebende Versammlung gewählt,
stimmte anfangs mit den gemäßigten Republikanern,
ging aber bald wieder vollständig zur Reaktion über.
Unter Napoleon III., den er nur kurze Zeit unter-
stützte, vertrat er in dem Gefetzgebenden Körper bei-
nahe allein die Opposition. Bei den Wahlen 1857
nicht wiedergewählt, wandte er sich ausschließlich
litterar. Arbeiten zu; doch glänzte er als Schrift-
steller weniger als auf der Nednerbühne. Er starb
13. März 1870, nachdem er gegen den Plan der
Proklamation der päpstl. Unfehlbarkeit protestiert
hatte. M. ist durch mehrere Werke bekannt, die ihm
1851 einen Sitz in der Französischen Akademie ver-
schafften, und von denen er selbst eine Gesamtaus-
gabe (9 Bde., Par. 1861-68) besorgte. Als die
merkwürdigsten, Schriften sind zu erwähnen: "Hi8-
toirL 60 8t6. Ni8iiI)6tQ äs Hon^i'ik" (Par. 1836
u.ö.; deutsch, 3. Aufl., Regensb.1862; nene Ausg.,
Einsiedeln 1880) und "1^68 Noin63 ä'Occiäknt"
(5 Bde., Par. 1860 -67; 5. Aufl., 7 Bde., 1874
-77; deutsch, 5 Bde., Regensb. 1860-68). Nacd
seinem Tode erschienen "I^tti-L?, ^ vin ^nii ä6
coli^s 1827-30" (Par. 1873). - Vgl. Madame
Craven, 1^6 comte äs N. (Par. 1873); Hoffmann,
Karl Graf von M. (Heidelb. 1876).
Montalembert (spr. mongtalangbähr), Marc
Rene, Marquis de, franz. General, bekannt durck
seine Vefestigungsmanier (s. Montalemberts Ve-
festigungsmanier), geb. 16. Juli 1714 zu Angouleme,
trat 1731 bei der franz. Kavallerie ein, war während
des Siebenjährigen Krieges bei den russ. und schwed.
Heeren als Kommissar Frankreichs thätig, befestigte
Anklam und verstärkte Stralfund durch Feldwerke.
Hierauf wurde er mit der Befestigung der Inseln
Aix und Oleron beauftragt, bei letzterer wandte er
sein System der sortiücation perpenäicuIlni'L oder
Tenaillcnsystem an. Er starb 29. März 1800. M.
war seit 1747 Mitglied der Akademie der Wissenschaf-
ten. VonseinenWerkenist hervorzuheben: "I'oi'titicÄ-
tion P6i'ponl1icu1air6, 011 688lli 8ur i)1u3i6ui'8 ina-
niör63 äo tortilier 1^ liZno äroite 6tc." (5 Bde.,
Par. 1776), gegen das seitens der franz. Fachinge-
nieure heftige Streitschriften gerichtet wurden, denen
M. 1793 mit seinem auf 11 Bände angeschwollenen
Werke "I^i-t d"f6N8it', Lupei-ieur ü> 1'0n"en8if"
(deutfch, 4 Bde., Verl. 1819) begegnete.
Montalemberts Befestigungsmanier, das
von M. N. Montalembert im Widerspruch gegen
die in Frankreich herrschende Vefestigungsmanier
Vaubans (s. Französifchc Befestigungsmanier) ent-
worfene Vefeftigungssystem, das auf folgenden
Grundfätzen beruhte: Anwendung eines dem An-
greifer überlegenen Gefchützfcuers aus etagenformig
übereinander liegenden Mauerhohlbauten; Verwer-
fung des bastionierten Grundrisses und Anwendung
des Tenaillierten Grundrisses (s. d.) oder des Poly-
gonalen Grundrisses (s. d.); Anlage zahlreicher Vcr-
teidigungskasematten und permanenter Abschnitte.
Der Hauptwall hat als Eskarpenbckleidung eine
einstöckige kasemattierte Galeric, dahinter die in
Erde ausgeführte Partikular-Couvreface,dann einen
^^^>
nassen Abschnittsgraben, hinter dem der eigentliche
Wall folgt, in dessen Tenaillen runde zwei- bis drei-
stöckige Türme als Neduits liegen. Der nasse Haupt-
graben wird durch eine große, im eingehenden Win-
kel gelegene, kasemattierte Flankenbatterie bestrichen;
jenseit desselben liegt eine Enveloppe (General-