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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Monte-Vergĭne; Monteur; Monteverde; Monteverdi; Montevico; Montevidēo

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Monteur - Montevideo

«Dialogue de Sylla et d'Eucrate» (1748). Nach zwanzigjähriger Vorbereitung erschien endlich M.s Hauptwerk «Esprit des lois» (2 Bde., Genf 1748 u. ö.; deutsch von Ellissen, neuere Ausg., Lpz. 1854), in welchem er die Entwicklung gesetzlicher Einrichtungen und ihr Verhältnis zu den örtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen in den verschiedenen Ländern zum erstenmal in einem großartigen Überblick darzustellen versuchte. Dadurch wurde dieses Werk für die Entwicklung der Staatswissenschaften von epochemachender Bedeutung. Für die konstitutionelle Theorie, und für die praktische Politik wurde besonders einflußreich die in dem 11. Buche des Werkes enthaltene Darstellung der engl. Verfassung, die ihm als Ideal galt, und die auf diese zurückgehende Lehre von der Dreiteilung der Gewalten. Für Frankreich wünschte er eine maßvolle und monarchische Freiheit auf ständischer Grundlage. M. starb 10. Febr. 1755 zu Paris. Die Ausgaben seiner sämtlichen Werke sind sehr zahlreich; wichtig sind unter den ältern die Londoner von 1757 (4 Bde.), die Baseler (8 Bde., 1799); unter den neuern die Pariser von 1827 (8 Bde.), mit Anmerkungen von Destutt, de Tracy, Villemain, d'Alembert u. a., und als die beste die von Ed. Laboulaye (7 Bde., Par. 1875–79). – Vgl. Dangeau, M., bibliographie de ses œuvres (Par. 1874); Jannsen, M.s Theorie von der Dreiteilung der Gewalten im Staate (Gotha 1878); E. Zevort, Montesquieu (Par. 1887); A. Sorel, Montesquieu (ebd. 1887; deutsch Berl. 1895); Schvarcz, M. und die Verantwortlichkeit der Räte der Monarchen in England, Aragonien, Ungarn, Siebenbürgen und Schweden (Lpz. 1892).

Monteur, s. Montieren.

Monteverde, Giulio, ital. Bildhauer, geb. 8. Okt. 1837 zu Bistagno (Piemont), besuchte die Akademie in Genua und erhielt 1865 den Preis für Rom. Nach einigen kleinen Genreskulpturen trat er mit seiner lebensgroßen, realistischen Marmorgruppe: Jenner impft seinen eigenen Sohn zur Probe (jetzt im Hospital zu Genua), auf und begründete damit seinen Ruf. Andere Bildwerke von ihm sind: die Kolossalstatue Victor Emanuels für Rovigo (1881), das Standbild Vinc. Bellinis in Catania (1882), Thalbergs in Neapel, das Reiterstandbild Victor Emanuels Ⅱ. in Bologna (1888); ferner die erste Inspiration des Columbus, L' eterno dramma, d. i. Tod und Mädchen (1892). Seit 1874 ist M. Professor an der Akademie von San Luca in Rom, seit 1889 Senator.

Monteverdi, Claudio, ital. Tonsetzer, geb. im Mai 1567 in Cremona, studierte bei dem Kapellmeister des Herzogs von Mantua, Marc Antonio Ingegneri, den Kontrapunkt und wurde 1604 herzogl. mantuanischer Kapellmeister, 1613 Kapellmeister an der Markuskirche in Venedig. Dieses Amt verwaltete er bis zu seinem 26. Nov. 1643 erfolgten Tode. M. gab den Anstoß zu freierer Handhabung der Kunstmittel und zu charaktervollerer Benutzung des harmonischen und melodischen Materials. Besonders bahnte er auch eine bessere Verschmelzung des Wortausdrucks mit dem musikalischen an. Das alles kam zuvörderst dem Madrigal zu gute, welche Kunstgattung er durch acht gedruckte Sammlungen bereicherte, später aber in noch höherm Grade dem Sologesang. Für eine Hoffestlichkeit in Mantua komponierte er die Oper «Orfeo» (1607) und hierauf «Arianna» (1608), die in dem berühmten Klagelieds der Ariadne den bedeutendsten Operngesang der damaligen Zeit enthält. Außerdem schrieb er noch Opern und Ballette, mit denen die 1637 in Venedig errichteten Operntheater eröffnet wurden. Bisher war nur der «Orfeo» vollständig erhalten; neuerdings ist in Venedig die letzte seiner Opern, «L'incoronazione di Poppea» (1642), aufgefunden worden. – Vgl. E. Vogel, Cl. M. (Lpz. 1887); Kretzschmar, L'incoronazione di Poppea (in der «Vierteljahrschrift für Musikwissenschaft», ebd. 1894). ^[Spaltenwechsel]

Monte-Vergĭne (spr. werdsch-), berühmtes ital. Kloster und Wallfahrtsort in der Provinz Avellino, bei Avellino, auf einem 1320 m hohen Berge. Die Kirche mit dem Marienbild wurde 1182 geweiht. Am Fuße des Berges das Kloster Loreto.

Montevico, Stadt, s. Mondovi.

Montevidēo, San Felipe de, Hauptstadt und wichtigster Seeplatz der südamerik. Republik Uruguay (s. d.), am nördl. Ufer und nahe der Mündung des La Plata auf einem in die Bai von M. vorspringenden Kap gegenüber dem 148 m hohen Cerro de M., 200 km östlich von Buenos-Aires gelegen, hat (1892) gegen 200000 E., fast ein Viertel der Bevölkerung der Republik, darunter die Hälfte Fremde, meist Spanier (Basken), Italiener, Franzosen und Argentinier. M. ist schön gebaut, trägt mit seinen niedrigen hellen Häusern und Aussichtstürmen echt span. Charakter, besitzt in der Altstadt zwischen Fort San José und der Plaza de Independencia ein schönes Regierungsgebäude, eine Kathedrale (1790–1804), ein Cabildo für den Kongreß und für die Gerichte, in der Neustadt die Wohnungen und Villen der Kaufleute. Hervorragende Bauten sind noch: die Börse, Zollhaus, Hauptpost, die bask. und die engl. Kirche und das große Hospital de Caridad (1825 gegründet). Es besteht Gas- und elektrische Beleuchtung, Kanalisation und Wasserleitung. M. hat eine Universität mit mediz. und jurist. Fakultät, Nationalmuseum mit wertvoller ethnolog. Abteilung, Bibliothek, Militär- und Polytechnische Schule, Blinden-, Waisen- und Armenhäuser, fünf Theater, darunter das Teatro Solis. Der Hafen ist nicht besonders sicher, da er an zahlreichen Klippen und schlechtem Ankergrunde leidet; er besitzt 2 Trockendocks, das größere Cibilsdock bei der Punta Lobos und das Manadock bei der Punta Gabriel. Tiefer gehende Schiffe ankern auf der Reede bei der Punta San José. (S. umstehenden Plan S. 1018.) Fast 90 Proz. der Einfuhr und 70 Proz. der Ausfuhr des Landes gehen über M. Die Ausfuhr aus M. allein betrug 1888: 19188427, die Einfuhr 26196334 Doll. Die Ausfuhr geht nach Belgien, England, Frankreich, Brasilien, Vereinigten Staaten, Argentinien, Cuba und besteht namentlich in Häuten, Wolle, Knochen, Hörnern und Fleischextrakt. Eingeführt werden Baumwollwaren aus England, Wollwaren aus Frankreich und Deutschland, landwirtschaftliche Maschinen, Eisenbahnmaterial, Tabak und Cigarren, Olivenöl, Zucker, Reis, Rum, Cognac und Wein. 1892 liefen in M. 1068 Seeschiffe mit 1,4 Mill. t ein; dazu kamen in Fluß- und Küstenfahrt 2571 Fahrzeuge mit 1,1 Mill. t. Drei Bahnlinien führen in das Binnenland. Mit den europ. Haupthäfen ist M. durch regelmäßige Dampfschiffahrten verbunden. – M. wurde 1726 unter dem Namen San Felipe del Puerto de M. gegründet und 1777 von den Spaniern befestigt. Im Unabhängigkeitskriege und den Parteikämpfen der südamerik. Staaten hatte es viel zu leiden. 1807 ward M. von den Engländern erstürmt, 1814 von den