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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mosaikdamast - Mosbach
nung verschieden zugeschnitten werden; das Wür-
felmosaik, bestehend aus kleinen würfelförmigen
Steinen, und das vorzugsweise zu Schmucksachen
dienende Stiftmosaik, bestehend aus kleinen
Stiften. (Hierzu die Tafel: Mosaik.)
Das antike M., zumeist Marmormosaik, reicht in
sehr hohes Altertum hinauf und hat gewiß ihren
Ursprung aus dem Belegen des Fußbodens mit
Marmorflicsen in farbigem Wechsel genommen. Aus
dem regelmäßigen geomctr. Muster (s. Fig. 1) wurden
ornamentale Zeichnungen mit Einfügung von Fi-
guren, danach ganze Gemälde. Die eigentliche Ent-
wicklung dieser Kunst fällt in die letzten Jahrhunderte
vor Christo und in die röm. Kaiserepoche (s. Fig. 2).
Hervorragende Stücke von M. aus dem Alter-
tum sind die Alexanderschlacht (s. d.), ein M. mit
etwa 50 lebensgroßen Gladiatorcnfiguren aus den
Thermen des Caracalla, und ein anderes, 1833 auf
dem Aventin gefundenes, mit Darstellung eines
ungesegten Eßzimmerbodens, beide im Lateranen-
sischen Museum zu Rom; das in der Villa Ha-
drians bei Tibur gefundene Taubenmosaik (Tan-
ben auf dem Rande einer Schale) im Kapitolini-
schen Museum zu Rom, die 1869 in Palermo aus-
gegrabenen und im hortigen Museum befindlichen
großen Steinmosaiken mitmytholog. Darstellungen,
das 1862 in Algier gefundene M. von Portus
Magnus, gleichfalls mit mytholog. Bildern, das
1884 in Trier gefundene und im dortigen Museum
befindliche M. des Monnus mit Darstellungen von
Musen und griech. Dichtern. Dieses griechisch-römi-
scye M. in Marmor ging nach Byzanz hinüber
(s. Fig. 4 und Tafel: Byzantinische Kunst,
Fig. 3) und von da zu den Arabern, bei denen es sich in
ornamentalen Formen erhielt (s. Tafel: Kunst des
Hslam I, Fig. 6) und statt in Marmor auch in
^honfliesen (s. Fliesen und Azulejos) geübt wurde.
Nach der staatlichen Anerkennung des Christentums
verwendete mau in Italien das M. mit Beibehaltung
der rüm. Technik zum Schmuck der Kirchen, aber nicht
sowohl sür Fußböden als vielmehr in künstlerischem
Maße (Darstellung von Heiligen) für Wände und
Apsiden, und zwar bediente man sich dazu vorzugs-
weise des Glasmosaiks. Die Bestandteile der
letztern Art waren kleine in der Masse gesärbte Glas-
würfel; die goldenen waren dadurch hergestellt, daß
ein Goldplättchen zwischen zwei Glasschichten ange-
schmolzen war. Beispiele aus dieser Zeit (4. bis
9. Jahrh.) finden sich in den Kirchen zu Ravenna
(San Vitale) und Rom (San Paolo suori le mura,
San Cosma-Damiano). Mit dem 10. Jahrh, trat
eine Zeit des Stillstands ein, bis im 12. Jahrh, die
Kunst des M. wieder lebhast in Italien und Sicilien
betrieben wurde; dahin gehören die M. an und in
der Markuskirche zu Venedig (s. Tafel: Mosaik,
Fig. 7), in San Elemente zu Rom (s. Fig. 3), in
der Cappella palatina und in der Kirche La Mar-
torana zu Palermo, besonders die prachtvollen,
einen Flächenraum von mehr als 6000 hin bedecken-
den M. im Dom zu Monrcale auf Sicilien. Im 13.
und 14. Jahrh, wurde in Italien von der Künstler-
familie der Cosmaten (s. d.) eine Nebenart des
Glasmosaiks, die farbige Steine und Glaswürfel zu
geometr. Zeichnungen zugleich verwendete, geübt.
Eine neue, mühselige Ärt des M. bildete sich zu
Florenz seit dem 16. Jahrh, aus, daher Florentiner
Vt. oder das M. in pieti-a. lini-g. (von den harten
Steinarten) genannt; es beschränkt sich auf die
Verzierung von Altären und Kanzeln, auf Tisch-
Vrockhaus' Konversations Lexikon. 14. Aufl.. XU.
platten, Kasten, Kassetten u. dgl. und besteht darin,
daß aus der meist dunkeln Platte die Zeichnung
ausgesägt wird und die farbigen Steine nach den
Konturen eingesetzt werden. Die Gegenstände der
Zeichnung sind gewöhnlich Blumen, Vögel, Orna-
mente (s. Fig. 6). Schon am Ende des 16. Jahrh,
kam diese Kunst mit florentin. Künstlern nach Indien,
wo sie zu Dehli in den Palästen, Moscheen und Grab-
monumenten der Großmoguln in großartigster Weise
angewendet wurde. Während die Florentiner Art
mit den farbigen Steinen genau den Linien der Zeich-
nung folgt und sie danach schneidet und schleift, ver-
wendet die neben ihr heute blühende sog. römische
Art kleine, unregelmäßige Stückchen von Stein
oder Glas, deren Oberfläche dann meist abgeschliffen
und poliert wird. Obwohl man ganze Gemälde
daraus macht, ist die hauptsächlichste Anwendung
davon heute zu Schmuckartikeln aller Art. Ihr
Hauptsitz ist Rom, doch übt man diese Technik auch
in Florenz und Venedig. Ein berühmter Mosait-
künstler des 17. Jahrh, war Giovanni Battista Ca-
landra (s. d.), des 19. Jahrh. Giovanni Scappini
(gest. 1893) in Florenz und Salviati (s. d.) in Vene-
dig (s. Fig. 5). Eine deutsche Glasmosaikanstalt be-
findet sich in Rirdorf bei Berlin. - Vgl. Barbet de
Ioily, 1^68 U108Äi(1U08 c!ir6ti6NN63 663 d3.8i1iHU63
(^t (168 6AÜ868 äo liomt) (Par. 1857); Rossi, ^I083.ici
s^istiani (Rom 1872 fg.); Bucher, Geschichte der
technischen Künste, Bd. 1 (Stuttg. 1875); Gerspach,
I^ in03lliiiu6 (Par. 1881); Pohl, Die altchristl.
Fresko- und Mosaikmalerei (Lpz. 1888).
Mosaikdamaft, s. Damascieren.
Mosarkdruck, ein schon von Senefelder ange-
gebenes, aber zuerst von Ios. Liepmann in Berlin
1842 zur Ausführung gebrachtes Farbendruckver-
fahren, durch das sämtliche Farben und Töne eines
Bildes von einer einzigen Platte gedruckt werden und
somit durch einen einmaligen Abdruck ein Abzug, der
alle Farbeutöne enthält, zu gleicher Zeit erzielt wird.
Die Herstellung einer Mosaikdruckplatte geschah in
der Weise, daß sämtliche Farben, die aus einer
pastösen Masse bestanden, in Stücken oder Stiften
derart mosaikartig aneinander gefügt wurden, daß
sie in Zusammenstellung, Farben und Übergängen
dem Originalbilde ähnelten. Von einer solchen
Platte wurde auf einer einfach konstruierten Presse
gedruckt, die Resultate waren jedoch sehr unvoll-
kommen, und die Lithographie (s. d.) verdrängte den
M. gänzlich, der in den siebziger Jahren nochmals
als Stenochromie (s. d.) austauchte.
Mosaikgold, s. Musivgold.
Mosaiksteine, s. Pflasterung.
Mosaisch, auf Moses bezüglich, von ihm her-
rührend; sich zum Judentum bekennend. Mosai-
sches Gesetz, das auf Mofes zurückgeführte, im
Pentateuch (s. d.) vorliegende Gesetz des Judentums.
Mosaisches Gold, s. Musivgold.
Mosaismus, der Inbegriff aller auf Moses
zurückgeführten religiösen und religiös-polit. Ver-
hältnisse des jüd. Volks. Vielfach wird das Wort
geradezu als gleichbedeutend mit Judentum, jüd.
Religion, gebraucht. (S. auch Semitismus.)
Mosambik, s. Mozambique.
Mosasaurier, bis über 20 m lange schlangen-
artige Saurier der Kreideformation Europas und
Amerikas, die letzten uuter den meerbewohnenden
Eidechsen oder Dalisauriern.
Mosbach. 1) Kreis im Landeskommissariats-
bczirk Mannheim, hat 2167 qkm, 1890: 151840 E.,
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