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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Mozart

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Mozart

Nachdem das J. 1769 in Salzburg, wo Wolfgang M. zum Konzertmeister ernannt wurde, in ernsthaften Studien hingebracht war, trat der Vater mit seinem Sohn eine Reise nach Italien an. Sie führte mit einem längern Aufenthalt in allen Hauptorten bis nach Neapel und war eine ununterbrochene Kette von Triumphen für den jugendlichen Virtuosen auf dem Klavier, auf der Orgel und Violine und im Gesang, wie für den Komponisten, der sich für die verschiedensten Aufgaben allezeit gerüstet erwies. Äußere Ehren blieben nicht aus. Wichtiger war der Auftrag, die Oper «Mitridate» zu schreiben, die im Dez. 1770 in Mailand mit Beifall aufgeführt wurde. Hierauf folgte das Festspiel «Ascanio in Alba» im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia zur Vermählung des Erzherzogs Ferdinand in Mailand 1771, die Serenade «Il sogno di Scipione» zur Einführung des Erzbischofs Hieronymus 1772 in Salzburg, die Oper «Lucio Silla», im Winter 1773 in Mailand mit Beifall aufgeführt. Daran schlossen sich die komische Oper «La finta giardiniera», 1775 in München, und die Serenade «Il re pastore», 1775 in Salzburg aufgeführt. Während sich M. so auf dem Gebiete der ital. Oper, welcher im wesentlichen auch das Oratorium «La Betulia liberata» angehört, vollkommen heimisch machte, bot ihm seine Stellung in Salzburg zugleich Veranlassung, sich auch nach andern Seiten hin als Komponist zu entwickeln. Sechzehn Messen, vier große Litaneien, eine ausgeführte Vesper und eine große Zahl von Offertorien u. dgl. bezeugen, in welchem Grade sich M. der Kirchenmusik sowohl in ihren strengern als den damals vorherrschend freiern Formen bemächtigt hatte. Auch in den verschiedensten Gattungen der Instrumentalmusik bewährte er eine staunenswerte Fruchtbarkeit. Gegen 40 Sinfonien, zahlreiche Serenaden, Divertimenti, Kassationen und andere Formen der Orchestermusik stehen an der Spitze einer Reihe von Werken der Kammermusik.

Die unwürdige Behandlung, welche M. von seiten des Erzbischofs Hieronymus erfuhr, bestimmte ihn im Sept. 1777 seinen Abschied zu nehmen und auswärts sein Glück zu suchen. Der Aufenthalt in München, Mannheim (wo Karl Theodor mit vortrefflichen Kräften eine deutsche Oper zu begründen suchte) und in Paris erweiterte zwar seinen künstlerischen Blick, brachte ihn aber nicht dauernd in einen anderweitigen Wirkungskreis, so daß er nach dem in Paris erfolgten Tode (3. Juli 1778) der ihn begleitenden Mutter wieder, wenn auch ungern, in die frühere Stellung als Konzertmeister nach Salzburg zurückkehrte. Seine größere Reife offenbart sich in den mannigfaltigen Kompositionen für Kirche und Orchester, die während der Reise und nach seiner Rückkehr in Salzburg entstanden, sowie in den Chören und Zwischenakten zu «König Thamos» und der nicht vollendeten deutschen Oper «Zaïde», vor allem aber in der Oper «Idomeneo», die im Jan. 1781 in München aufgeführt wurde. Elemente der ital. Opera seria sind hier unter dem belebenden Einfluß der durch Gluck angebahnten dramat. Reformation ihrer Vollendung entgegengeführt. Der Ernst der Auffassung, die Kraft der Erfindung, die Sorgfalt der Durchführung macht diese Oper zu einem Meisterwerk, obgleich es noch unter dem Gesetze einer fremden Form steht.

Im J. 1781 gab M. seine Salzburger Stellung auf und ließ sich in Wien nieder, wo er sich 1782 mit Konstanze Weber verheiratete. Der Kaiser Joseph ernannte ihn 1787 zum Kammermusikus mit 800 Fl. Gehalt. Da auch M.s Kompositionen trotz alles Beifalls und ihrer großen Verbreitung nur geringen Ertrag brachten, so war er auf die Einnahmen von Konzerten und Unterrichtsstunden angewiesen, so daß sein Hausstand ihn, den zur Sparsamkeit wenig Geeigneten, fast immer in Sorgen hielt. M.s Ansehen in Wien gründete sich zunächst auf seine Meisterschaft im Klavierspiel, die er auf zwei Kunstreisen nach Berlin (1789) und Frankfurt (1790) auch über Wien hinaus zu glänzender Anerkennung brachte. Er galt unbestritten als der erste Komponist und auch als einer der ersten Virtuosen für dieses Instrument. In 27 Konzerten für Klavier und Orchester sowie in einer langen Reihe Kompositionen mit und ohne Begleitung für Klavier ist hauptsächlich der Grund für die Entwicklung des modernen Klavierspiels in Gestalt, Form und Technik gelegt worden. Namentlich die Konzerte sind nicht allein durch die Behandlung des Orchesters, sondern durch den Reichtum und die Originalität der Erfindung ein unversiegbarer Schatz musikalischer Schönheit. Seine Konzerte boten ihm zunächst auch die Veranlassung, die Orchestermusik in seinen Sinfonien weniger nach der Seite der Form als des Inhalts auf eine neue Stufe zu erheben. Auch in den verschiedenen Arten der Kammermusik, namentlich in den Quartetten und Quintetten, ist M. auf der von Haydn eingeschlagenen Bahn in eigentümlicher Weise fortgeschritten. Die höchste Bedeutung aber gewann er in Wien als dramat. Komponist. Kaiser Joseph, der den Versuch machte, neben dem deutschen Schauspiel auch eine deutsche Oper zu begründen, gab ihm den Auftrag, «Die Entführung aus dem Serail» zu komponieren, welche, Juli 1782 mit großem Beifall aufgenommen, M.s Namen rasch über ganz Deutschland trug. Es war die erste und blieb damals auch die einzige deutsche Oper, welche über die engen Grenzen des bisherigen Singspiels hinaus alle Mittel der ausgebildeten Kunst des Gesangs und Orchesters für die dramat.-musikalische Darstellung verwendete.

Der eigentliche Liebling des Kaisers war die ital. Opera buffa. In dieser gelang es M. 1786 mit «Le nozze di Figaro» («Die Hochzeit des Figaro») festen Fuß zu fassen, welche Oper in einer trefflichen Aufführung glänzenden Erfolg hatte. M. verstand es, dem geistreichen Intriguenspiel der franz. Komödie von Beaumarchais Seele und Gemüt einzuhauchen und das Ganze in eine höhere, wahrhaft poet. Atmosphäre zu heben, welche die Bedingung wurde für eine musikalische Darstellung, in welcher heitere Beweglichkeit, leichte Grazie und tiefe Empfindung aufs wunderbarste verschmolzen sind. Der Enthusiasmus, mit welchem diese Oper in Prag aufgenommen wurde, veranlaßte den Direktor Bondini, bei M. den «Don Giovanni» («Don Juan») zu bestellen, der im Okt. 1787 in Prag aufgeführt wurde und von vielen für M.s Meisterwerk gehalten wird. Das alte span. Fastnachtsspiel bot nicht allein für die Darstellung mannigfacher Leidenschaften, sondern der Kontraste des ausgelassenen Humors und der Schauer des Geisterreichs ein weites Gebiet. Die nächste Oper «Così fan tutte», 1790 in Wien aufgeführt, war der ganzen Anlage des Librettos nach in Handlung und Charakteristik der herkömmlichen Opera buffa um vieles näher gerückt; sie ragt hervor durch Schönheit der Musik, Vollendung