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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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mt – Mucier

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Mstislawl'

1 Synagoge, Handel mit Getreide. – M. war einst Hauptstadt eines russ. Teilfürstentums.

mt, Abkürzung für Metertonne (s. d.).

Mtesa, König des Reichs Uganda in Afrika, am Nordufer des Victoria-Njansa, bekannt durch seine Gastfreiheit gegen europ. Reisende (Speke, Grant, Baker, Stanley u. a.) und namentlich gegen den engl. Missionar Mackay, dem er die Verbreitung des Christentums gestattete; er starb 10. Okt. 1884. Sein Nachfolger heißt Mwanga.

M. Tr., hinter den lat. Namen von Fischen und Echinodermen Abkürzung für Johannes Müller (s. d.) und Franz Hermann Troschel (s. d.), welche zusammen ein Werk über Fische: «Horae ichthyologicae. Abbildungen neuer Fische» (mit 16 Tafeln, Berl. 1845–49), und eins über Seesterne: «System der Asteriden» (mit 12 Tafeln, Braunschw. 1842), herausgaben.

Muang Thaï, s. Siam.

Muata Jamvos Reich (Mutiamvos oder Matiamvos Reich), Negerstaat im südl. Westafrika, zwischen 6. und 11.° südl. Br. und zwischen 18. und 24.° östl. L. von Greenwich. Seine Grenzen sind unbestimmbar, weil es aus einer Menge von einzelnen Vasallenterritorien zusammengesetzt ist und diese Vasallen oft jahrelang Tribut und Gehorsam verweigern. Man kann nur im allgemeinen sagen, daß es im W. an das Gebiet der Schinsche und Kassongos Reich am Kuango, im N. an den Kongostaat, im O. an den Fluß Lubilasch-Sankuru und im S. an das Quellgebiet des Sambesi und Kassai grenzt. In diesem Umfang hat es einen Flächeninhalt von etwa 540000 qkm und etwa 2 Mill. Bewohner. M. J. R., nach der Hauptmasse der Bevölkerung, der Kalunda, auch Lunda genannt, auf dem gegen 1000 m hoch gelegenen Plateau Innerafrikas, ist leichtgewelltes Savannenland mit Lateritboden, bedeckt mit dichten Galeriewäldern an den zahlreichen Flüssen, die entweder dem Kuango oder vornehmlich dem Kassai, wie der Kuilu, Loange und Lulua, von S. nach N. zu strömen. (S. Karte: Äquatorialafrika, Bd. 1, S. 190.) Das Land liefert überall genügende Nahrungsmittel; Maniok und Hirse werden am meisten angebaut. Die Fauna ist auffallend dürftig; an Haustieren werden nur Ziegen und Hühner gehalten, keine Rinder. Zur Bevölkerung vom Stamme der Bantuneger gehören außer den friedlichen Kalunda die intelligenten, zu weiten Handelszügen geneigten Kioko. – Zur Zeit von Pogge und Büchner (s. unten) war Muata Jamvo der Beherrscher des Reichs, ein habgieriger und grausamer Negerfürst; sein Reichtum bestand in den Tributleistungen seiner Vasallen, in Sklaven, Elefantenzähnen, Pantherfellen und in allen möglichen europ. Waren, die er den gern gesehenen Handelskarawanen der Ambakisten aus der portug. Kolonie Angola durch Bedrohungen oder Betteleien abnahm. Strenges Ceremoniell beherrschte den pomphaften Hofstaat. Eine weibliche Seitenverwandte, die Lukokessa, führte neben ihm ihr eigenes Regiment und fürstl. Haushalt. Sie hieß «Mutter des Volks», war nie verheiratet, wählte sich aber Männer nach Belieben. Die Residenz, Mussumba, wird in größern Jahreszwischenräumen von einem Ort zum andern verlegt, aber stets zwischen den beiden Zuflüssen des Lulua, dem Kallanjie und Luisa. Als Büchner 1880 nach Lunda kam, zählte Mussumba 2000 E. Allen Händlern und Reisenden, die in die Machtsphäre Muata Jamvos gerieten, wurde das Weiterziehen nach O. oder N. verwehrt; so mußten ↔ Pogge 1876 und Büchner 1880 wieder nach Angola zurückkehren; erst Pogge und Wissmann gelang es (1881), im W. des Reichs den lauernden Abgesandten Muata Jamvos zu entkommen und nach N. in das Land der Baschilange vorzudringen. M. J. R. gehört gegenwärtig teils zur Machtsphäre des portug. Angola, teils zu jener des Kongostaates. – Vgl. Pogge, Im Reiche des Muata Jamvo (Berl. 1880); Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland, Bd. 1 (ebd. 1878–79); Wissmann, Wolf, von François und H. Müller, Im Innern Afrikas (Lpz. 1888; 3. Aufl. 1891).

Mu'awija, andere Schreibung für Mo'awija, Chalif.

Mubarraz, arab. Festung, s. El-Hasa.

Mucedīn, ein eiweißartiger, in Alkohol unlöslicher Bestandteil des Klebers (s. d.).

Much ado about nothing (engl., spr. möttsch ĕduh ĕbaut nöthĭng, «Viel Lärm um Nichts»), sprichwörtlicher Titel eines Shakespeareschen Lustspiels.

Mücheln, Stadt im Kreis Querfurt des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, an der zur Saale gehenden Geisel und der Nebenlinie Merseburg-M. (16,1 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Naumburg) und Steueramtes, hatte 1890: 1644, 1895: 1641 meist evang. E., Post, Telegraph, altertümliches Rathaus (1571), städtische Sparkasse, Vorschußverein; in der Nähe eine große Zuckerfabrik (Stöbnitz) und Braunkohlengruben.

Muchówez, rechter Nebenfluß des westl. Bug im russ. Gouvernement Grodno, entspringt in den Sümpfen bei Pruschany, fließt südwestlich und mündet nach 111 km bei Brest-Litowsk. Er ist durch den Dnjepr-Bugkanal (s. d.) mit der Pina verbunden. Den M. passierten bei Brest-Litowsk (1892) 73 Schiffe und 17155 Flöße.

Much-Wenlock (spr. möttsch), Ort, s. Wenlock.

Muciānus, s. Mucier.

Mucĭer (Gens Mucia), röm. plebejisches Geschlecht, das im 2. Jahrh. v. Chr. zuerst im Besitz höherer Staatsämter auftritt. Seinen Ursprung leitete es ab von dem sagenhaften Gajus Mucius Scävola. Als 507 v. Chr. der Etrusker Porsenna Rom belagerte, soll Mucius gegen diesen einen Mordversuch unternommen haben und, als man ihn festnahm, zum Zeichen seiner Furchtlosigkeit die rechte Hand über einem glühenden Kohlenbecken verbrannt haben. Die Mitteilung, daß noch 300 Jünglinge gleicher Art sich verschworen hätten, soll Porsenna zum Abzug bestimmt haben. Mucius selbst erhielt die Freiheit und von den dankbaren Mitbürgern den Beinamen Scävola («Linkhand»).

Unter den spätern M. zeichneten sich besonders aus Publius Mucius Scävola. Er unterstützte 133 v. Chr. als Konsul mit seinem Bruder Publius Licinius Crassus Mucianus u. a. die Pläne des Tiberius Sempronius Gracchus und weigerte sich gegen diesen einzuschreiten. Auch eröffnet er die Reihe der berühmten Juristen seines Hauses.

Des vorigen Vetter, Quintus Mucius Scävola, der Augur, war 117 Konsul und widersetzte sich der Ächtung des Marius durch Sulla. Er war Ciceros Lehrer in der Rechtswissenschaft.

Quintus Mucius Scävola, der Pontifex Maximus, ein Sohn des Publius, wurde von den asiat. Griechen wegen seiner gerechten Provinzialverwaltung (um 98) gefeiert; 95 bekleidete er mit Lucius Licinius das Konsulat. Das von beiden eingebrachte Gesetz über Revision und Abgrenzung des Bürgerrechts bereitete den Bundesgenossenkrieg

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 43.