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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Münchberg - München
tete er eine "Iphigenie in Delphi" (1856) im Anschluß
an Goethes "Iphigenie auf Tauris" und das dra-
mat. Gedicht "Eine Königin" (Wien 1857). 1803
übergab er der Bühne das histor. Drama "Begum
Somru" und das interessante Lustspiel "Wildfeuer"
(7. Aufl., Wien 1896). M. baut hinreihende Verse,
schüttet verschwenderisch anziehende Bilder aus; er
schafft interessante Gestalten und Vorgänge; nament-
lich aber ist er stark in originellen Problemen, die
fesseln, auch wo man dem Dichter seine Lösung
nicht glaubt. Die Gesamtausgabe seiner "Werke"
(Bd. 1-8, Wien 1857-64) enthält auch seine "Ge-
dichte" (Stuttg. 1850; 3. Aufl., Wien 1877), "Neue
Gedichte" (Wien 1864). Seinen litterar. Nachlaß
gaben Pachler und Kuh heraus als 9. bis 12. Teil
seiner "Werke" lWien 1872), darin die ausgezeichnete
Spuknovelle "Die Marzipanlise". - Vgl. Brief-
wechsel zwischen M. Enk von der Burg und E. Frei-
herr von M., hg. von Schachinger (Wien 1890).
Münchberg. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez.
Oberfranken, hat 244,04 qkm, 1890: 26288, 1895:
26 333 (13114 männl., 13219 weibl.) E. in 25 Ge-
meinden mit 200 Ortschaften, darunter 2 Städte. -
2) Bezirksstadt im Bezirksamt M., an der zur Saale
gehenden Pulschnitz, der Linie Vamberg-Hof und
der Nebenlinie M.-Helmbrechts (9,7 km) der Bayr.
Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amts-
gerichts (LandgerichtHof), Rentamtes und Bezirks-
gremiums, hatte 1890:4451,1895:4801E., darunter
167 Katholiken, Posterpedition, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtung,Reste der alten Befestigung, gotiscke
evang. Kirche (1872), kath. Vereinshaus und Bet-
saal, Webeschule, Wasserleitung, vier mechan. Bunt-
webereien, mechan. Zwirnerei, bedeutende Hand-
weberei und Aktienfärberei. 15 kni südlich der Große
Waldstein (890 m), eine großartige Granitgruppe
des Fichtelgebirges, die Nuine des von Eparneckischen
Schlosses Waldstein und Teile eines wend. Walles,
1887 ausgegraben. - Vgl. Ludwig Zapf, Unter
den Vorfahren. Bilder und Züge aus dem Leben
der Stadt M. (Münchb. 1888).
Müncheberg, Stadt im Kreis Lebus des preuß.
Reg.-Bez. Frankfurt a. O., an der Linie Berlm-
Cüstrin(StationDahmsdorf-M.) der Preuß. Staats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Frank-
furt a. O.), hatte 1890: 3856, 1895: 3630 E., dar-
unter 12 Katholiken und 42 Israeliten, Postamt
zweiter Klasse, Telegraph, Stärke- und Spiritusfabri-
kation. Die Stadt wurde 29. Juni 1232 gegründet
und 23. April 1432 von den Hussiten gänzlich zerstört.
München. 1) M.I, Bezirksamt im bayr.Reg.-Bez.
Oberbayern, hat 765,io qicm, 1890: 30 733, 1895:
36750 (18 510 männl., 18240 weibl.) E. in 50 Ge-
meinden mit 145 Ortschaften. - 2) M. II, Bezirks-
amt im bayr. Neg.-Vez. Oberbayern, hat 961,9i qkm,
1890: 30816,1895: 31495 (15834 männl., 15661
^-------------------__, weibl.) E. in 77 Gemeinden mit
351 Ortschaften. - 3) Haupt-
nud Residenzstadt des König-
reichs Bayern, unmittelbare
Stadt (67,73 ykm) und Haupt-
stadt des Reg.-Bez. Oberbayern,
die drittgrößte Stadt des Deut-
schen Reichs, liegt 48" 9^ nördl.
Br. und 11" 35' östl. L. von
Greenwich, in 520 m Höhe, in
einer im N. und W. teilweise sumpfigen, im S. und
O. fruchtbaren und waldreichen Ebene zu beiden Sei-
ten der Iiar. Das Klima ist rasch wechselnd, mehr
rauh als mild und erinnert an die Nähe der Bay-
rischen Alpen. Der mittlere Luftdruck betrug (1895)
715,i mm, die mittlere Jahrestemperatur 7,?° 0.
(^ 12,i Maximum, - 3,2 Minimum), die Nieder-
! fchlagsmenge 837 mm. (Hierzu ein Stadtplan
mit Verzeichnis der Straßen, Plätze u. s. w.)
Bevölkerung. M. batte 1871: 169 693, 1880:
230023, 1885: 261982, 1890: 350594, 1895:
! 407174 (197580 männl., 209 594 weibl.) E., dar-
! unter 11333 Militärpersonen, d. i. eine Zunahme
(1890-95) von 56580 Personen oder 16,i Proz.
Dem Religionsbekenntnis nach waren(1895) 360403
Katholiken, 57478 Evangelische, 1321 Altkatholiken
und 7167 Israeliten. 1895 gab es 16252 bewohnte
' Gebäude, 93 814 Haushaltungen und 180 Anstalten.
Die Zahl der Geburten betrug (1895) 14414, dar-
unter 477 Totgeburten, der Eheschließungen 4060,
der Sterbefälle 10 301. In Garnison liegen das Leib-
Infanterieregiment, das 1., 3. und 4. Bataillon des
1. Infanterieregiments König, das 2. Infanterie-
regiment Kronprinz, das 1. schwere Reiterregiment
Prinz Karl von Bayern, die 1., 3. und reitende Ab-
teilung des 1. Feldartillerieregiments Prinz-Regent
Luitpold, das 3. Feldartillerieregiment Königin-
Mutter, die 1., 2. und 4. Compagnie des 1. Train-
^ bataillons, je die 5. Compagnie des 1. und 2. Pio-
z nierbataillons und das Eisenbahnbataillon. Rechnet
man zu der Einwohnerzahl von 1890 noch diejenige
der Ortschaften, welche durch wirtfchaftliche In-
teressen mit der Hauptstadt verbunden sind, nämlich
Berg Am Laim (1284 E.), Laim (290), Nymphen-
burg (2603), Oberföhring (552), Pasing (2563),
Perlach (1043), Thalkirchen (1015), Unterföhring
(523), so ergiebt sich für das wirtschaftliche Weich-
bild von Groß-München eine Einwohnerzahl
(1890) von 360467 und (1895) von rund 420000.
Anlagen, Brücken. M. liegt zum größten
Teile auf dem linken Ufer der Isar, nur die Stadt-
bezirke XIV-XVIII mit (1895) 75000 E. liegen
rechts von der Isar, die durch 7 Brücken überbrückt
ist, von denen die südlichste, die eiserne Vraunauer
! Brücke, nur dem Eisenbahnverkehr dient; flußab-
wärts folgen die 1874-76 von Voit und Frauen-
holz erbaute eiserne Wittelsbacherbrücke, die höl-
zerne Reichenbachbrücke, die 1890-92 umgebaute
Ludwigsbrücke, die Maximiliansbrücke von Zenetti,
die neue von Oberbaudirektor Siebert in Stein und
Eisen mit einem Bogen (48 m) erbaute Luitpold-
brücke, ein Geschenk des Prinz-Regenten an die
Stadt, zwischen dem Englischen Garten und den
Bogenhaufer Anlagen, und die Max-Iofephs-Brücke.
Der größte Teil der öffentlichen und privaten Bau-
werke stammt aus den letzten 60 Jahren; erst seit
der Mitte des 19. Jahrh, sind große Straßenzügc
angelegt und durchgeführt und viele ältere Häuser
durch Neubauten ersetzt worden. Nur in der Nähe
der Isar finden sich noch kleine niedrige Häufer in
fchmalen, gangartigen Gäßchen, deren Zahl sich
aber beständig vermindert. Die Straßen sind meist
breit und geradlinig und unterbrochen von öffent-
lichen Plätzen.
Straßen, Plätze, Denkmäler. Von den
nahezu 717 Straßen und Plätzen sind die bedeu-
tendsten der Marienplatz, der als Mitte der Stadt
gilt, mit der Mariensäule (6 m) aus rotem Marmor,
1638 von Kurfürst Maximilian I. zum Gedächtnis
! des Sieges am Weißen Berge (1620) gestiftet, und
dem Fischbrunnen in Bronze von Knoll; die hier
mündenden Straßen bilden den Mittelpunkt von
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