Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

71
München
krankenkassen (9070 Mitglieder, 311813 M., 302 95?
M., 234 080 M.) und 6 Innungskrankenkassen <1830
Mitglieder, 30447 M., 28 829 M., 16 300 M.).
Wohlthätigkeitsanstalten. Diekünigl.Uni-
versitätskliniken und -Polikliniken, die städtischen
Krankenhäuser am Sendlinger Thor sowie in den
Vorstädten Haidhausen und Echwabing, die Kreis-
irrenanstalt,Rekonvalescentenanstalt,chirurg.-ortho-
päd. Anstalt des Frauenvereins vom Roten Kreuz
und zahlreiche Privatheilanstalten, mehrere städtische
Armenanstalten, Iosephsspital, städtisches Pensio-
nat, Versorgungsanstalt für Beamtentochter und je
ein städtisches Freibad für Männer und Frauen,
öffentliche Brause- und Wannenbäder.
Industrie. Obenan steht die Bierbrauerei: in
42 Brauereien werden jährlich 3 Mill. Kl Bier
gebraut, von dem der größere Teil in M. selbst
getrunken wird. Außerdem bestehen große Leder-,
Handschuh-, Maschinen-, Blumen-, Gummiwaren-,
Malz- und Malzkaffee-, Möbel-, Öl-, Papier-,
Faß-, Metallwaren-, Waggon-, Wagen- und Spi-
ritusfabriken, optische, photogr., lithogr. Anstal-
ten, Buchdruckereien, Glasmalereianstalten, mechan.
Werkstätten, Gold- und Silberstickereigeschäfte, Vau-
geschäste, Kunstmühlen, Ziegeleien. Weltberühmt
ist die Münchener Erzgiesierei (s. Miller). Von
Aktiengesellschaften ragen außer den Banken her-
vor die Lokalbahn-Aktiengesellschaft (s. d.), die
Trambahnaktiengesellschaft (3,7 Mill. M. Aktien-
kapital), Löwenbräu (5,4 Mill. M.), Hackerbräu
(3 Mill.), Schmedererbrauerei (2,9 Mill.), Vürger-
bräu (2,5 Mill.), Münchener Kindl (2 Mill.),
Eberl-Faber-Brauerei (1,7 Mill.), Salvatorbrauerei
(1,2 Mill.), Mathäserbrauerei (1 Mill.), Lokomotiv-
fabrik Kraus & Co. (1,?4 Mill.), Maschinenbau-
gesellschaft (i Mill.), Gasbeleuchtungsgesellschaft
(2,8 Mill.), Attienziegelei (1 Mill.), Hotelaktienge-
sellschaft (Vier Jahreszeiten), Lederfabrik (1,? Mill.),
die München-Dachauer Aktiengesellschaft für Ma-
schinenpapierfabrikation und die Lithographische
Anstalt (vormals Obpacher, 1 Mill. M.)/
Verufsgenossenschaften. M. ist Sitz der
Bayrischen Holzindustrie-, der Bayrischen Bau-
gewerks- und der Land- und Forstwirtschaftlichen
Berufsgenossenschaft für den Reg.-Bez. Oberbayern,
der 1. Sektionen der Süddeutschen Eisen- und Etahl-
und der Papiermacher-, der 4. Sektion derBrauerei-
und Mälzerei-, der 5. Sektion der Vuckdrucker-, der
8. Sektionen der Knappschafts- und der Speditions-,
Speicherei- und Kellerei-, der 14. Sektion der Ziege-
lei-, der 25. Sektion der Fuhrwerks-Berufsgenossen-
schaft sowie der 13. Sektion der Berufsgenossenschaft
der Schornsteinsegermeister des Deutschen Reichs.
Der Handel erstreckt sich, abgesehen vom Vier,
besonders auf Getreide, Mehl, Hopfen, Kolonial-
waren, Kohlen, Holz, Rauchwaren, Möbelstoffe, Por-
tieren und Teppiche, ferner auf Kunst- und kunst-
gewerbliche Gegenstände. Handel- und Bankwesen
werden unterstützt durch eine Handels- und Ge-
lverbekammer, Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1895:
2221,49? Mill. M.), die Bayrische Hypotheken-
und Wechselbank (s. d.), Süddeutsche Bodenkredit-
bank (Kapital: 24 Mill.), Bayrische Vereinsbank
(27 Mill.), Bayrische Handelsbank (15,285 Mill. M.),
Bayrische Notenbank (s. d.), Filialen der Deutschen
Bank, der Königl. Bank in Nürnberg, die Münche-
ner Industriebank (Eingetragene Genossenschaft),
die Privatbanken Merk, Fink & Co., Gutleben und
Weidert und zahlreiche andere Banken.
Die hauptsächlichsten Versicherungsgesell-
schaften sind die Münchener und Aachener Mobi-
liar-Feuerversicherungsanstalt (s. Aachener und
Münchener Feuerversicherungsgesellschast), Süd-
deutsche Feuerversickerungsbank (6 Mill. M. Aktien-
kapital), Münchener Ruckversicherungsgesellschaft
(4,8 Mill. M.), der Bayrische Lloyd (für Transport-
versicherung, 4 Mill. M.) und dieMilitärdicnstkosten-
versicherung Arminia (2,4 Mill. M.). Bei dem jähr-
lich im April stattfindenden Luxuspferdemarkt wer-
den etwa 1200 Pferde angetrieben und ein Umsatz
von über 1 Mill. M. erzielt.
Verkehrswesen. M. hat vier Bahnhöfe (Cen-
tral-, Süd-, Ost-, Isarthalbahnhof) und liegt an den
Linien M.-Bamberg-Hof (387,9 km), M.-Negens-
burg-Hof (317,3 km), M.-Weilheim (53,5 km), M.-
Holzkirchen-Rosenheim (73,7 km), M.-Lindau (220,7
km), M.-Ulm (146,4 km), M.-Simbach (123,3 km),
M.-Rosenheim-Salzburg (153 km) der Bayr. Staats-
bahnen und an der Isarthalbahn (s. d.). Die Zahl
der verlausten Fahrkarten beträgt jährlich etwa
1"/. Mill. im Werte von 3 Mill. M.; der Güterverkehr
etwa 2^/2 Mill. t, davon ^4 Mill. t im Ausgang,
die Gesamteinnahme aus den: Güterverkehr über
10 Mill. M. - M. hat 0 Postämter, eine Tele-
graphencentralstation mit 2 Fernsprechumschalte-
bureaus, 30 Posterpeditionen und 31 Zweigtele-
graphenerp^ditionen. Das Fernsprechnetz umsaßt
43 km Leitungen mit 3771 Sprechstellen (35 öffent-
liche). Die Rohrpost dient zur Beförderung der De-
peschen von 5 Aufgabestationen zur Centralstation.
Die Trambahn (Aktiengesellschaft) umfaßt
43,07 km, wovon 8 km bereits der Stadt gehören,
mit 700 Pferden und 276 Wagen; die Linie vom
Centralbahnhof nach Nymphenburg wird mit Dampf,
die vom Färbergraben zum Isarthalbahnhos, vom
Centralbahnbofuach Giefing (5,5km) und von Bogen-
hausen über den Gicsinger Äcrg nach dem östl. Fried-
bofe elektrisch betrieben. Die Zahl der beförderten
Personen beträgt 21,5 Mill., die Einnahme an Fahr-
geldern 2,5 Mill. M.
V erg nü g un gs orte und Umgebung. Die Ge-
legenheit zu Ausflügen von M. aus ist sehr günstig,
besonders uach den bayr. Seen (Starnberger, Am-
mer-, Tegern-, Staffel-, Schlier-, Chiem- und Königs-
see) und in das nur 40 km entfernte Hochgebirge. Die
Stadt selbst bietet, an beiden Ufern der Isar, präch-
tige Anlagen und Spaziergänge; zu beiden Seiten
des Marimilianeums erstrecken sich Am Gasteig die
Maximiliansanlagen, unter König Maximilian II.
nach Effners Plänen ausgeführt, flußaufwärts bis
zur Ludwigsbrücke, abwärts bis zum Vorort Bogen-
hausen (s. d.) mit der Kuranstalt Brunntbal, gegen-
über der Königinstraße und der Vorstadt Sckwabing
entlang der Isar der Englische Garten, ein großerPark
(237 da), von der Isar in zwei Kanälen durchströmt,
südwestlich an den Hofgarten stoßend, mit dem Diana-
bad und Milchhäusl (Cafes), dem Tempel Mono-
pteros von Klenze und künstlichem See; im Westen
der Stadt der Bavariapark und die Theresienwiese,
ein weiter freier Platz, auf dem alljährlich im Oktober
ein großes Volksfest abgehalten wird; nordwestlich
liegt Nymphenburg (s. d.). Als eine Eigentüm-
lichkeit sind die zahlreichen Bierhäuser der großen
Brauereien in der Stadt zu erwätmen, darunter das
königl. Hofbräubaus, und die im Sommer geöffneten
Bierkeller derselben (Bürgcrbräu, Münchener Kindl,
Franziskaner- und Hofbrä'u im Osten, Löwen-,
Pscborr-, Hacker- und Augustinerbräu im Westen).