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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Münster-Ledenburg; Münstermaifeld; Münstersche Bucht; Münsterscher Friede; Münsterthal; Münsterthaler Alpen; Muntanēr

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Münster-Ledenburg (Georg Herbert, Graf zu) - Muntaner

hielt sich bis 1798 in Italien auf. Sodann trat er wieder in die hannov. Finanzkammer ein. 1801 erhielt er eine Mission nach Petersburg, um den dortigen Hof für eine Vergrößerung Hannovers zu gewinnen und dann auch bei dem Abschlusse einer Koalition der Großmächte thätig zu sein. 1804 kehrte er nach London zurück und wurde Ende Mai 1805 Staats- und Kabinettsminister. 1815 setzte er auf dem Wiener Kongreß durch, daß Hannover zum Königreich erhoben wurde und eine Vergrößerung von 137 Quadratmeilen erhielt. Zum Dank dafür erteilte ihm der Prinz-Regent die Würde eines Erblandmarschalls und schenkte ihm das säkularisierte Kloster Derneburg. Die dem Prinz-Regenten durch den Tod Herzog Friedrich Wilhelms zugefallene vormundschaftliche Regierung in Braunschweig wurde faktisch durch M. ausgeübt. Als der junge Herzog Karl die Regierung selbst übernommen hatte und 1827 gegen die vormundschaftliche Verwaltung mit öffentlichen Anklagen auftrat, rechtfertigte M. sich und den König von England in der «Widerlegung der ehrenrührigen Beschuldigungen u. s. w.» (Hannov. 1827). Bei den Bewegungen in Hannover Anfang 1831 wurde M. wegen seiner unbeliebt gewordenen Verwaltung vielfach heftig angegriffen und erhielt 12. Febr. 1831 seine Entlassung als Minister für die hannov. Angelegenheiten am Londoner Hofe. Er starb 20. Mai 1839. – Vgl. Lebensbilder aus dem Befreiungskrieg (3 Abteil., 2. Aufl., Jena 1844–45).

Münster-Ledenburg, Georg Herbert, Graf zu, Freiherr von Grotthaus, deutscher Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 23. Dez. 1820 zu London, studierte in Bonn, Heidelberg und Göttingen, war als Erblandmarschall Mitglied der hannov. Ersten Kammer, 1856–64 außerordentlicher hannov. Gesandter in Petersburg und schloß sich nach 1866 mit voller polit. Überzeugung der preuß. Regierung an. Er ist seit Nov. 1867 erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses. 1867–70 vertrat er den Wahlkreis Goslar im Norddeutschen, 1871–73 im Deutschen Reichstage, wo er der Deutschen Reichspartei angehörte, und wurde 26. Juni 1873 Botschafter des Deutschen Reichs in London. 1885 wurde er als Nachfolger des Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst zum Botschafter in Paris ernannt. Er verfaßte «Polit. Skizzen über die Lage Europas vom Wiener Kongreß bis zur Gegenwart, 1815–67. Nebst den Depeschen des Grafen E. F. H. zu Münster über den Wiener Kongreß» (Lpz. 1867), «Mein Anteil an den Ereignissen des J. 1866 in Hannover» (Hannov. 1868), «Der Norddeutsche Bund und dessen Übergang zu einem Deutschen Reiche» (2. Aufl., Lpz. 1868) und «Deutschlands Zukunft, das Deutsche Reich» (Berl. 1870).

Münstermaifeld, Flecken im Kreis Mayen des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Koblenz), hatte 1890: 1579, 1895: 1660 meist kath. E., Post, Telegraph, alte Kirche, kath. Schullehrerseminar, Wasserwerk; Acker- und Obstbau. Südwestlich davon an der Eltz das Schloß Eltz und die Ruine Trutzeltz, westlich die Ruine Pyrmont.

Münstersche Bucht oder Westfälische Tiefebene, Einbuchtung der Norddeutschen Tiefebene zwischen dem Teutoburger Walde und dem Schiefergebirge; dieselbe reicht nach SO. bis zu den Quellen der Ems und Lippe hinauf.

Münsterscher Friede, soviel wie Westfälischer Friede (s. d.). ^[Spaltenwechsel]

Münsterthal oder St. Gregorienthal, eins der schönsten Vogesenthäler im Elsaß, in dem die Stadt Münster liegt. Neben lebhafter Industrie wird Weinbau und im obern Teile Käsebereitung betrieben und jährlich etwa 500000 kg sog. Münsterkäse erzeugt. Aus dem «Kleinthal» führt eine 1842–69 erbaute Kunststraße über den Gebirgspaß «die Schlucht» (1139 m) nach Gérardmer im franz. Depart. Vosges. – Vgl. Grad, La vallée de M. et les hautes Vosges (Par. 1884); Das M. (Heft 5 der «Streifzüge und Rastorte im Reichslande und den angrenzenden Gebieten», Straßb. 1891).

Münsterthal. 1) M., roman. Val Mustair, ital. Val Monastero, Thal im schweiz. Kanton Graubünden, im äußersten Südosten der Schweiz, südlich vom Unterengadin, erstreckt sich, 16 km lang, an der Sohle ½ bis 1½ km breit, vom Fuß des Ofenpasses zuerst südöstlich, dann nordöstlich bis zur Schweizer Grenze, wo der das Thal durchfließende Rammbach auf Tiroler Gebiet übertritt, um nach 26 km langem Lauf bei Glurns in die Etsch zu münden. Auf drei Seiten von 2–3000 m hohen Dolomit- und Schiefergebirgen umschlossen, ist es ein Hochthal mit Lärchen- und Arvenwaldungen, ausgedehnten Alpweiden und spärlichem Ackerland. Die größten Ortschaften sind der Hauptort Sta. Maria (1388 m, 403 E.) und Münster (1248 m, 569 E.), nach dessen angeblich von Karl d. Gr. gestifteten Benediktinerinnenkloster das Thal benannt ist. Mit dem Engadin und Tirol ist das Thal durch die Ofenpaßstraße verbunden. Von Sta. Maria führt südlich ein früher wichtiger Saumweg in sieben Stunden über das Wormser Joch (Umbrail 2512 m) zur Stelviostraße (Stilfser Joch). – Vgl. Foffa, Das bündnerische M. (Chur 1864). – 2) Der Bezirk M. im schweiz. Kanton Graubünden, hat 193,3 qkm und (1888) 1490 E., darunter 728 Evangelische, in 6 Gemeinden. Hauptort ist St. Maria. Der Bezirk umfaßt außer dem M. und seinen Seitenthälchen nur das im Gebiet des Spöl (s. Livigno) gelegene Weidethal der Münsteralpen (Val da Fraele). – 3) M., frz. Val Moutier, ein tief eingeschnittener, von der Birs durchströmter Engpaß im Jura des schweiz. Kantons Bern, auf beiden Seiten von gewaltigen Kalksteinfelsen eingefaßt, die wie riesenhafte Mauern senkrecht anfsteigen. Die Bahn (Basel-Biel) ist mittels Tunnels und Galerien durch diese sog. Gorges de Moutier geführt. Hauptort des Thals ist Münster (s. d.).

Münsterthaler Alpen, s. Ostalpen.

Muntanēr, En Ramon, span. Chronist, geb. 1265 zu Perelada, einem Flecken in Catalonien; er scheint 1328 gestorben zu sein. Als 1285 bei Gelegenheit des franz. Einfalls in Catalonien Perelada in Flammen aufging, verließ er den heimischen Boden und führte nun 30 Jahre hindurch ein unstetes Kriegerleben, bis er sich endlich in Valencia niederließ. 1325 begann er seine Geschichte der Fürsten des aragonischen Hauses von Jakob Ⅰ. dem Eroberer bis zur Krönung des Königs Alfons Ⅳ. von Aragon, der er selbst noch als Abgeordneter von Valencia beiwohnte. Sie ist eine ausgezeichnete Quelle für die Geschichte der sicil. Kriege, fast die einzige für die außerordentlichen Geschicke der catalonischen Söldnerscharen in Griechenland, in welchen M. selbst eine hervorragende Rolle spielte. Die ältesten Drucke des catalonischen Originals sind die von Valencia (1558) und Barcelona (1562). Ihnen folgen die Abdrücke von Lenz (in der «Bibliothek des