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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Münzsammlungen - Murad
lauf fremder Münzen gänzlich zu untersagen, und
es werden gewohnheitsmäßige oder gewerbsmäßige
Zuwiderhandlungen gegen die getroffenen Anord-
nungen mit Geld oder Haft bestraft. Gänzliche
Untersagungen sind viele erfolgt, insbesondere für
alle fremden Scheidemünzen mit Ausnahme ge-
wisser Grenzbezirke. - Goldmünzen dürfen die
Prägeanstalten auch für Private nach den vom
Reichskanzler erlassenen Normativvorschriften aus-
prägen. Minderwertig gewordene Münzen (s. Pas-
siergewicht) sind einzuziehen.
Münzsammlungen, s. Numismatik.
Münzscheine, s. Banknoten.
Münzsteine, soviel wie Nummuliten (s. d.).
Münztarif, s. Valvation, Geldwechselgeschäst
und Tarif.
Münzverbrechen, Bezeichnung für eine Menge
strafbarer Handlungen, die darauf abzielen, das
Publikum durch Täuschung mit falschem Geld und
was dem gleichgestellt ist, zu schädigen, und die zu-
gleich zum Teil die Münzhoheit des Staates ver-
letzen. (S. Münzfälschung.)
Münzverfälfchuna, 's. Münzfälschung.
Münzvertrag, s. Münzkonvention.
Münzwardein, s. Wardein.
Münzwechsel, die Umwechselung von in- und
ausländischen Münzsorten und Papiergeld. (S.
Geldwechselgeschäft.)
Münzwesen, s. Münze.
Münzwissenschaft, s. Numismatik.
Münzwürdigung, soviel wie Valvation ls. d.).
Münzzeichen, die Andeutung der Münzstätte,
des Stempelschneiders oder des Münzmeisters, der
die betreffende Münze geprägt hat, durch Buchstaben
oder Figuren. Beim Mangel anderer Anhalts-
punkte dienen diese Zeichen oft dazu, Zeit und Ort
der Prägung einer Münze festzustellen. Schon auf
antiken griech. Münzen sind manchmal die Namen
der Stempclschneider angedeutet, auf den ältesten
röm. Münzen aus repubükamscher Zeit die Wappen
der Münzbcamten, dann auch auf den merowingi-
schen Münzen u. s. w. Mit dem 16. Jahrh, wird
der Gebrauch allgemein und in Deutschland später
gesetzlich verlangt. Die Münzmeisterzeichen bestan-
den aus einzelnen Buchstaben, Monogrammen oder
besondern Zeichen (Hausmarken, s. d.). Sie werden
jetzt nicht mehr verwendet, dagegen stets die Münz-
stätten angedeutet. Auf den deutschen Neichsmünzen
geschieht dies durch Buchstaben (Münzbuchstaben),
und zwar bezeichnet: ^ die Münzstätte Berlin, L
Hannover (1878 aufgelöst), 0 Frankfurt a. M. (1880
aufgelöst), v München, N Dresden, seit 1887 die
Muldner Hütte bei Freiberg, ^ Stuttgart, 6
Karlsruhe, H Darmstadt (seit 1883 außer Betrieb),
<I Hamburg. - Vgl. Schlickeysen, Erklärung der
Abkürzungen auf Münzen (3. Aufl., Berl. 1896).
Muonlo, schwed.-finn. Grenzfluß, entspringt
in den lappländischen Gebirgsseen und fällt nach
333 km Lauf bei Pajala in den Torneä-elf.
Muöta, rechter Nebenfluß der Reuß (s. d.) im
schweiz. Kanton Schwyz. Die M. entspringt am
Ostabhange der Windgälle (2759 m) und strömt
dem Vierwaldstätter See zu, den sie unweit Brunnen,
27 km lang, erreicht. Das Muotathal, 12 km
lang, an der Sohle bis 1 km breit, rechts und links
von 1000 bis 2500m hohen Kalkketten eingeschlossen,
ist ein freundliches Wiesenthal. Vom Hauptort
Muotathal, 624 m ü. d. M., mit 2015 kath. E., geht
eine Fahrstraße nach Schwyz, ein schlechter Saum-
weg über den Pragel nach Glarus und ein rauher
Felsenpfad über den Kinzigpaß (2076 m) nach Altdorf.
Mur, linker Nebenfluß der Dräu, Hauptfluß von
Steiermark, entspringt am Fuße des Marchkarecks
in 1746 m Höhe in Salzburg und sammelt ihre
Quellbäche, zu denen auch die Abflüsse des Schwarz-
und Rotgülden gehören, bei dem Orte M. (1107 m)
im Lungau. Bei Predlitz tritt sie in die Steiermark.
BeiIudenburg wird sie schiffbar, bei Vrnck (465 m)
geht sie südlich, durch Graz, bei Spielfeld südöstlich.
Unterhalb Radkersburg tritt sie auf ungar. Boden,
bildet mit der Dräu die Murinsel (s. d.) und mündet
bei Legräd. Im Laufe durch Steiermark empfängt
sie mehr als 100 Gewässer; darunter sind die nam-
haftesten die Mürz, die Kainach und Sulm. Die
Länge beträgt 438 km, wovon 331 km auf Steier-
mark entfallen, die mittlere Geschwindigkeit 2,3? m
in der Sekunde. Die 1874 begonnene Regulierung
des Flusses wurde 1894 vollendet.
Murad, Name mehrerer türk. Sultane:
M. I. (1359-89), geb. 1319, folgte seinem Vater
Orchan und sicherte erst seine Herrschaft in Asien,
worauf er sich nach Europa wandte und um 1365
Adrianopel eroberte, das er zu seiner Residenz er-
hob. Er machte sich die Bulgaren und selbst den
byzant. Kaiser Johannes V. tributpflichtig. Einen
Aufstand, den sein Sohn Eaudschi mit dem byzant.
Prinzen, dem spätern Andronikos IV., 1375 in Ru-
melien erhob, unterdrückte er und ließ seinen Sobn
binrichten. Im Osten hatte M. mit dem mächtigen
Ali Beg von Karamanien zu kämpfen, den er 1386
bei Koma besiegte. Ein Krieg gegen die Serben rief
ihn wieder nach Europa zurück. Er fiel 15. Juni
1389 in der Schlacht auf dem Amselfelde (s. d.).
M. II. (1421-51), geb. 1401 als Sohn Moham-
meds I., mußte sich nach dem Tode seines Vaters
(1421) erst die Herrschaft gegen seinen Bruder
Mustapba erkämpfen, den er 1422 besiegte und hin-
richten ließ. Dann wandte er sich gegen den Kaiser
Manuel II., der Mustapha unterstützt hatte, und be-
lagerte Konstantinopel von Juni bis Sept. 1422
ohne Erfolg, doch mußte sich der Kaiser in dem 1424
abgeschlossenen Frieden zu einer Tributzahlung ver-
stehen. Im Innern stellte M. energisch Ruhe und
Ordnung her, dagegen hatte er mit den Venetianern
zu kämpfen, denen er 1430 Thessalonike entriß, be-
setzte darauf Ianina in Epirus, bekämpfte König
Sigismund in der Walachei und in Siebenbürgen,
eroberte 1440 ganz Serbien, wurde aber vor Belgrad
zurückgeschlagen und mußte nach einem Zuge des
Johann Hunyadi 1443 sogar die Wiederherstellung
Serbiens zulassen; von den Ungarn wurde M. hart
bedroht, bis er ihnen 10. Nov. 1444 bei Varna eine
entscheidende Niederlage beibrachte, in der der König
Wladislaw I. fiel. Einen gleichen Erfolg errang er
19. Okt. 1448 durch die zweite Schlacht auf dem
Amselfelde (s. d.), in der Hunyadi geschlagen wurde;
1449 besetzte er die Neste des Despotats von Epirus,
konnte aber 1450 gegen den Albanesenhäuptling
Skanderbeg (s. d.) nichts ausrichten. M.starb 5. Febr.
1451; ihm solgte sein Sohn Mohammed II.
M. III. (1574-95), geb. 1546 als Sohn Se-
lims II., bestieg 12. Dez. 1574 nach seines Vaters
Tode den Thron, nachdem er seine fünf Brüder
batte ermorden lassen. Er ergab sich bald einem
unthätigen Haremsleben und ließ seine Großwesire
regieren. Bemerkenswert ist unter seiner Negierung
ein langwieriger Krieg gegen Persien, der 1590 mit
der Erwerbung von Kars, Eriwan und Täbris